https://www.faz.net/-gpf-9okw2

Die Neuaufteilung der Welt : Führen alle Straßen nach Peking?

  • -Aktualisiert am

Sein verlockendes, aber verlogenes Versprechen: sich nicht in innere Angelegenheiten der meist diktatorisch regierten Länder einzumischen. Geld bekommt nur, wer keine Beziehungen zu Taiwan unterhält und China nicht kritisiert. „Früher einmal führten alle Straßen nach Rom“, schreibt Frankopan. „Heute führen sie nach Peking.“

Der Aufstieg Chinas wird von anderen, allen voran Amerika unter Trump, nicht mehr einfach hingenommen. Davon handelt das Kapitel „Straßen der Rivalität“. Obwohl Trump wenig von Militärstrategie und ökonomischen Zusammenhängen versteht, so erkennt er doch besser als seine Vorgänger, dass sich Peking nicht länger in die von Amerika geschaffene und dominierte liberale Weltordnung einbinden lässt. Allerdings verschärft Trump in den Augen Frankopans den Konflikt unnötig, indem er Strafzölle auf chinesische Importe verhängt und zu stark auf eine enge Partnerschaft mit Chinas Konkurrenten Indien setzt. Zugleich verprellen die Amerikaner durch ihre konfrontative Politik gegenüber EU und Nato alte Bündnispartner.

Wie also geht es weiter mit der Welt? Frankopan zeichnet ein für den Westen ernüchterndes Bild: „Die Konstanz und Kohärenz von Chinas Botschaft steht in markantem Gegensatz zu der aus Washington, die zufällig, erratisch und voller Widersprüche ist“. Trump treibe Iran, Pakistan und Russland in die Arme Pekings, zudem schwinde der militärtechnologische Vorsprung Amerikas. Die Machtverlagerung von West nach Ost gehe einher mit allen Ungewissheiten einer Übergangszeit, aber es gebe keinen Zweifel, dass das 21. Jahrhundert das asiatische sei.

Das ist alles im Kern richtig, wenn auch nicht neu oder gar originell. Natürlich ist es eine Herkulesaufgabe, angesichts einer Vielzahl von Brandherden und im Dauergewitter von Trumps Tweets und Putins Macho-Posen die Weltpolitik einzuordnen und die großen Linien zu zeichnen. Als Historiker reiht Frankopan indes lieber Indizien aneinander, zeigt Pro- und Contra-Argumente auf, als dass er sein Argument theoretisch unterfüttert. Ein paar Grafiken zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts, des Pro-Kopf-Einkommens oder der Verteidigungsausgaben der Protagonisten hätten geholfen, die vielen Detailbeobachtungen besser einzuordnen. Letztlich unterschätzt Frankopan die militärische Stellung Amerikas und die Angst vieler Anrainer vor Chinas aggressivem Verhalten. Japan, Vietnam, Indonesien, Australien und Indien etwa erhöhen ihre Rüstungsbudgets und bauen ihre Verteidigungskooperation untereinander und mit Washington aus. Die Zukunft der Welt ist offener, als Frankopan glaubt.

Peter Frankopan: Die neuen Seidenstraßen. Gegenwart und Zukunft unserer Welt.

Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2019. 346 S., 22,– .

Weitere Themen

Studenten verlassen Uni in Hongkong Video-Seite öffnen

Gerüchte über Ausgangssperre : Studenten verlassen Uni in Hongkong

Aus Angst vor weiteren Gewalttaten verließen die ersten Studierenden den Campus der Uni. Die Kurse würden nach Angaben einer Studentin größtenteils nur noch online stattfinden. Auf dem Festland sei es grade sicherer, sagt sie.

Topmeldungen

Kompromiss: Kramp-Karrenbauer, Merkel, Söder, Dreyer, Braun und Scholz nach der Einigung auf ein Klimapaket im September

Zur Halbzeit : Union und SPD wollen Koalitionsvertrag erneuern

Die Partner richten sich auf eine Fortsetzung des Bündnisses ein, sehen in ihrem Abkommen von 2018 aber keine Grundlage dafür. Deshalb wollen sie nach F.A.Z.-Informationen ein neues Programm aushandeln.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.