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Die Ausnahmen : Die vergessenen Diktaturen

Grab des ehemaligen spanischen Diktators Francisco Franco in der Basilika im Tal der Gefallenen bei El Escorial. Bild: dpa

Noch lange nach 1945 herrschten in Südeuropa zum Teil langlebige Diktaturen. Was verbindet, was unterscheidet sie?

          Die Geschichte Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg wird gemeinhin als ein Prozess fortschreitender Demokratisierung und europäischer Integration erzählt. Doch diese Erfolgsgeschichte hat mindestens drei Schönheitsfehler, die häufig ausgeblendet oder als anachronistische Überbleibsel einer vergangenen Epoche marginalisiert werden: die autoritären Regime in Spanien, Portugal und Griechenland. Mit diesen drei „vergessenen Diktaturen“ beschäftigt sich ein Aufsatzband, den der Jenaer Historiker Jörg Ganzenmüller herausgegeben hat.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Das Buch ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass historische Vergleiche auch dann erhellend sein können, wenn sich am Ende herausstellt, dass es zwischen dem Verglichenen kaum Gemeinsamkeiten gibt, so wie in diesem Fall. Denn abgesehen davon, dass es sich um rechte Diktaturen handelte, die mit brutaler Gewalt gegen politische Gegner vorgingen, verband die autoritären Regime in Spanien, Portugal und Griechenland wenig.

          In Spanien regierte der durch den Bürgerkrieg 1939 an die Macht gelangte Francisco Franco bis zu seinem Tod 1975 trotz mancher Liberalisierung mit harter Hand; Franco, der seinen kurzen Gastauftritt in den Schulbüchern oft unter dem Stichwort „Epoche des Faschismus“ hat, hegte zwar auch noch nach Ende des Zweiten Weltkriegs große Sympathien für den italienischen Faschismus und den Nationalsozialismus. Gleichwohl verstand sich Franco selbst nie als Faschist und wird auch von den meisten Historikern heute nicht als solcher gesehen. Seine Diktatur wird in dem Buch als „nationalkatholisch“ charakterisiert, weil Franco starke Unterstützung aus den Reihen der katholischen Kirche erhielt, vor allem aus dem Umfeld der Gemeinschaft „Opus Dei“. Insgesamt war die soziale Basis von Francos Herrschaft sehr heterogen. Neben national gesinnten Katholiken zählten Faschisten, Monarchisten, Militärs und Staatsbedienstete dazu.

          Die Diktatur im Nachbarland Portugal währte von 1932 bis 1974 und war damit die bisher langlebigste rechte Diktatur in Europa. Ihre prägende Figur war António Oliveira Salazar. Das Regime des Professors für Volkswirtschaftslehre wurde vor allem von Großgrundbesitzern, der ländlichen Mittelschicht und Unternehmern getragen, die katholische Kirche und die Armee unterstützen Salazars Herrschaft nur in Teilen. Im Gegensatz zu Franco war Salazar auf Abstand zum italienischem Faschismus und zum Nationalsozialismus bedacht. Der menschenscheue Salazar verstand sich als Technokrat im Dienste seines Volkes und wollte zeitlebens nur als „Dr. Salazar“ angeredet werden.

          In Griechenland, das nach dem Ende des Bürgerkriegs 1949 zunächst zu einer parlamentarischen Demokratie wurde, putschte 1967 die Armee und errichtete eine Militärdiktatur, die sich bis 1974 hielt und in Ermangelung einer prägenden Herrscherpersönlichkeit auch „Obristenregime“ genannt wird.

          Ebenso unterschiedlich wie die Diktaturen selbst, waren jeweils die Umstände ihrer Überwindung. In Spanien gab es eine siebenjährige friedliche Übergangsphase zur Demokratie, die sogenannte „Transición“, in welcher der noch von Franco eingesetzte König Juan Carlos I. als Moderator eine wesentliche Rolle spielte. Die Diktatur in Portugal wurde 1974 durch die sogenannte Nelken-Revolution zu Fall gebracht, die mit einer Rebellion von Armeeangehörigen begann und sich zu landesweiten Massenprotesten ausweitete. In Griechenland wiederum gab das Militär selbst die Macht an die politische Klasse zurück, nachdem das Regime sich nach dem von ihm initiierten Putsch gegen den zyprischen Präsidenten, Erzbischof Markarios III in eine aussichtslose Lage manövriert hatte. Gemeinsam ist allen drei Ländern, dass sie sich mit ihrer Vergangenheit schwertaten und -tun und deren Aufarbeitung erst mit großer Verzögerung begann.

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