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Den Islam interpretieren : Argumentativ dünnes Eis

  • -Aktualisiert am

Ein Koran in einem Gebetsraum in Paris am 7. September 2019. Bild: AFP

Der Koran lässt sich als Beleg für vieles heranziehen - auch für eine menschenfreundliche Interpretation des Islam.

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          Dieses Buch stellt zwei sehr unterschiedliche, ja gegensätzliche Auffassungen des Islams einander gegenüber. Die eine ist eine traditionelle, die vielfach vertreten und akzeptiert (und von Nichtmuslimen oft heftig angefeindet) wird, die aber auch schon über weite Strecken der islamischen Geschichte überwogen hat: ein harter, strenger Islam, mit der Vorstellung eines strafenden Gottes, der Unterwerfung einfordert, mit der strikten Unterscheidung zwischen Erlaubtem und Verbotenem, mit der Beachtung der kleinsten Kleinigkeiten der Gebote bei Duldung der größten Ungerechtigkeiten und so weiter. Auf der anderen Seite ein großherziger Islam, der den Menschen frei und selbstbestimmt will, der zu Liebe und Barmherzigkeit aufruft und über alldem einen liebenden Gott sieht. Mouhanad Khorchide, der diese Gegenüberstellung vornimmt, ist Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, einem der Zentren für die Ausbildung islamischer Theologen, die mit großem Aufwand an deutschen Universitäten eingerichtet worden sind, um diese Ausbildung unter das Dach öffentlicher deutscher Institutionen zu bringen und so dem wenig kontrollierbaren ausländischen Einfluss auf hier lebende Muslime entgegenzuwirken.

          Es versteht sich, dass sich Khorchide für die menschenfreundliche Konzeption des Islams ausspricht und für sie plädiert. Er hat es dabei aber mit dem misslichen Umstand zu tun, dass die andere, strenge Konzeption weit verbreitet ist, dass sich viele Muslime, denen an ihrer Religion gelegen ist, ihr verpflichtet fühlen und dass auch die vielbeschworenen „Islamverbände“ sie zumindest offiziell propagieren. Khorchide beschreibt diese Version des Islams, die verbreitet und sichtbar ist und daher unsere Sicht des Islams weitgehend prägt. Über ihre angedeutete Strenge hinaus enthält sie manche anstößigen Aspekte – die Diskriminierung von Frauen und Nichtmuslimen, ein problematisches Verhältnis zur Gewalt in einem militärischen Verständnis des Dschihads und so weiter. Das Überwiegen dieser Konzeption erklärt Khorchide historisch-politisch. Die ursprüngliche Mission Mohammeds, die eine Botschaft der Barmherzigkeit war und auf Selbstbefreiung des Menschen abzielte, sei schon bald nach dem Tod des Propheten gründlich verfälscht worden, und zwar durch machtgierige Herrscher, die botmäßige Gelehrte in ihren Dienst gestellt hätten. Sie seien an unterwürfigen Untertanen interessiert gewesen, und so hätten sie aus dem Islam eine Religion der Unterwerfung gemacht, die Notwendigkeit der Unterwerfung unter Gott betont und sie mit der Unterwerfung unter die weltlichen Obrigkeiten verknüpft. Gegen diese „Verfälschung“ des Islams, die Khorchide spätestens mit dem Machtantritt der umayyadischen Kalifen (661) vollzogen sieht, entwickelt er nun seine ganz entgegengesetzte Konzeption eines barmherzigen, liebevollen, letzten Endes menschenfreundlichen Islams.

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