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DDR und Ruhrgebiet : Tief im Westen

Die Ruhr-Universität Bochum im Jahre 2015 Bild: dpa

Der „Arbeiter- und Bauernstaat“ hatte großes Interesse am „Revier“, vor allem an Forschungsergebnissen.

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          Für DDR-Geschichte interessiert sich die breite Öffentlichkeit im Westen der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland meist erst dann, wenn es um große Ereignisse wie den Spionagefall Guillaume oder den Fall der Mauer geht. Dabei spielen die DDR und ihr totalitärer Anspruch auch in der Alltagsgeschichte in vierzig Jahren Bonner Republik eine viel größere Rolle, als viele vermuten. Zwar führte Hubertus Knabes These von der „unterwanderten Republik“ vor einiger Zeit zu heftigen Kontroversen. Unstrittig ist aber, dass die führenden Organisationen der DDR über all die Jahrzehnte hinweg mit großem personellen und finanziellen Aufwand darum bemüht waren, zugleich Einfluss auf den westlichen Teil Deutschlands zu nehmen und dort Informationen abzuschöpfen. Die sogenannte Westarbeit fand sowohl offen als auch verdeckt statt, sie umfasste klassische (Wirtschafts-)Spionage ebenso wie Maßnahmen, die ganz allgemein destabilisierend wirken sollten.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Ein besonders wichtiges Betätigungsfeld der „Westarbeiter“ blieb von der doppelten Staatsgründung 1949 bis 1989 unangefochten das Ruhrgebiet. Sieht man von der Bundeshauptstadt Bonn und West-Berlin ab, dann hatte neben dem rheinisch-westfälischen Industrierevier allenfalls der mittelhessische Industriebezirk eine vergleichbare Bedeutung für die Auslandsaufklärung der DDR. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Das Ruhrgebiet war von zentraler Bedeutung für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Westeuropa. Als im Sommer 1946 die britischen Besatzer das Bundesland Nordrhein-Westfalen gründeten, wollten sie in der umstrittenen Ruhrfrage vollendete Tatsachen schaffen. Das Ruhrgebiet sollte wie ein Juwel schützend umfasst, den Ansprüchen der Sowjetunion ein Riegel vorgeschoben werden. Die Idee, aus dem Ruhrgebiet ein völkerrechtlich neuartiges, von den Siegermächten gemeinsam regiertes „Ruhrterritorium“ zu machen, lehnten die Briten strikt ab. Sie hatten erkannt, dass Deutschland auf diese Weise wirtschaftlich destabilisiert und also dem Kommunismus in die Arme getrieben werden würde.

          Gleichwohl versuchte die Sowjetunion im Spiel zu bleiben. Im Sommer 1946, nur wenige Monate nach dem „Vereinigungsparteitag“ von KPD und SPD zur SED in Ost-Berlin, gingen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl auf eine Westtournee, um unter anderem auch im Ruhrgebiet für die Ausdehnung der SED auf ganz Deutschland zu werben. Das Ruhrgebiet mit seiner starken proletarischen Tradition blieb auch in den ersten Nachkriegsjahren noch die Hochburg der KPD im Westen. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 1947 erreichte sie dort in vielen Stadtkreisen 20 Prozent, bei der ersten Bundestagswahl 1949 dann immer noch 7,6 Prozent. Im Ruhrgebiet schien den DDR-Verantwortlichen also die Chance überaus günstig, „das ursprüngliche strategische Ziel der Westarbeit, die Herbeiführung einer revolutionären Situation in der Bundesrepublik zur Schaffung eines sozialistischen Gesamtdeutschlands unter kommunistischer Führung“, zu erreichen, formulieren die Herausgeber des Bandes „Das Ruhrgebiet im Fokus der Westarbeit der DDR“, in dem Beiträge einer gleichnamigen wissenschaftlichen Tagung in der Ruhr-Universität Bochum zusammengefasst sind – was gelegentliche Redundanzen erklärt. In zehn Aufsätzen werden die aus der Sicht der DDR wichtigsten Zielobjekte der Westarbeit beleuchtet – von Arbeitern, Gewerkschaften über Kirchen, die Friedensbewegung der 1950er und 1960er Jahre, Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen bis zu Parteien.

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