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Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück : Opposition ist nichts für ihn

Mit der „USS Constitution 1797“: Peer Steinbrück in seinem Bundestags-Büro Bild: Matthias Lüdecke

Peer Steinbrück ist ein kanzlerfähiger SPD-Politiker, der wie Helmut Schmidt nicht für die Partei, sondern erst einmal für sich selbst steht. Eine Biographie erklärt, warum.

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          Peer Steinbrück gehört zu den Politikern, die mit einer gewissen Konsequenz in einer bestimmten Partei „gelandet“ sind - und trotzdem mehr für sich selbst stehen als für diese Partei. Auch Gerhard Schröder und Helmut Schmidt waren solche Politiker, und sollte Peer Steinbrück jemals in ihre Fußstapfen treten, wird er das Vorurteil bestätigen, dass die SPD bislang nur regierungsfähig wurde, wenn sie mit einem Politiker angetreten ist, der nicht für die Partei, sondern erst einmal für sich selbst steht.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Warum das im Falle Peer Steinbrücks so ist, erinnert mehr an Schmidt als an Schröder. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Steinbrück-Biographie des Journalisten Daniel Friedrich Sturm liest. Steinbrück kommt aus einer behüteten, bürgerlichen Hamburger Welt, auch wenn er gerne damit kokettiert, dass er sich „auf der Straße durchsetzen musste“. Ähnlich wie bei Schmidt, wenn auch unter ganz anderen Umständen, spielte dann der Dienst in der Armee für Steinbrück eine wichtige Rolle auf dem Weg in die SPD - sein vorgesetzter Offizier nimmt ihn mit zu den Jusos. Die ganze Wahrheit ist das noch nicht. Deshalb schiebt Sturm ein Zitat Steinbrücks nach, der für seine Parteimitgliedschaft drei Gründe (in Wirklichkeit: drei Klischees) bemüht: Bigotterie der Bürgerlichen, deren Deutschlandpolitik, und natürlich Willy Brandt.

          Steinbrück erlebt die ersten Jahre der sozialliberalen Koalition als Student in Kiel. Dann zieht er mit seiner Freundin nach Bonn, wo Ekkehard Wienholtz, damals Leiter der Planungsgruppe im Bundesministerium für Forschung und Technologie (später Innenminister in Schleswig-Holstein), und Volker Hauff, Parlamentarischer Staatssekretär, auf ihn aufmerksam wurden. Hauff schickt ihn ins Kanzleramt, wo er Kanzler Schmidt als Hilfsreferent hin und wieder zuarbeiten darf. Wenig später wird er Persönlicher Referent des Bundesministers für Forschung und Technologie: damals Hans Matthöfer, wenig später Volker Hauff, schließlich auch unter Andreas von Bülow. Steinbrück ist Beamter geworden. Warum er in die SPD eingetreten ist, wird spätestens in dieser Zeit ersichtlich: Steinbrück ist ein Mann des Staates, der Planung, der Exekutive.

          Der Werdegang zeigt allerdings auch, dass Steinbrück nicht, obgleich Volkswirtschaftler, immer schon ein Mann der Wirtschaft und Finanzen war. Auch sein Wechsel 1985 nach Düsseldorf - Opposition in Bonn ist nichts für Steinbrück - bedeutet weiter Zuarbeit, erst für die Umwelt- und Energiepolitik, als Leiter der Grundsatzabteilung im Umweltministerium unter Klaus Matthiesen, wenig später als Büroleiter von Johannes Rau, des mit absoluter Mehrheit regierenden Ministerpräsidenten. Spätestens hier wird Steinbrück zum Generalisten, mit der Einschränkung, dass ihm, so schreibt Sturm, „das Innenleben der SPD mit ihren Unterbezirkskonferenzen und ihrer Ortsvereinskassierkultur fremd ist“.

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