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Clemens Range: Kriegsgedient : Hallo, Helden, bitte melden!

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Soldaten der 10. Panzerdivision stehen am 11. März 2010 in Bad Reichenhall in Formation Bild: dpa

Von den 40 000 Offizieren und Unteroffizieren der Wehrmacht, die von 1955 an mit den ersten ungedienten Freiwilligen in die Bundeswehr eintraten, erreichten 828 den Dienstgrad eines Generals oder Admirals. Ihnen widmet sich das Nachschlagewerk von Clemens Range

          Von den 40 000 Offizieren und Unteroffizieren der Wehrmacht, die von 1955 an mit den ersten ungedienten Freiwilligen in die Bundeswehr eintraten, erreichten 828 den Dienstgrad eines Generals oder Admirals. Ihnen widmet sich das Nachschlagewerk des Journalisten und Reserve-Oberstleutnants Clemens Range. Angaben sind zu finden zu Herkunft, Werdegängen, Orden und Ehrenzeichen (116 waren „Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes und der Folgestufen“) und Verwundungen. Die Bundeswehr-Spitzen seien wegen ihrer Wehrmacht-Erfahrungen „teilweise diffamiert“ worden, jammert der Autor und prangert die Ausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung (1995 und 2001) an: „Das Durchtrennen des Kameradschaftbandes mit den alten Soldaten sind erkennbare Folgen. Die viel beschworene Bildung einer eigenen Tradition der Bundeswehr entwickelt sich nur langsam.“ Dass sich Ranges Porträts, die oft in der Frontromantik von „Landser“-Heften schwelgen, als Traditionsbeschleuniger eignen, darf man aber bezweifeln.

          Range hat mühsam viele interessante biographische Details zusammengetragen, neigt aber zu Verklärungen. So dichtet er dem BND-Präsidenten Reinhard Gehlen - einer von insgesamt 14 Bundeswehr-Reserveoffizieren mit Generals-Dienstgrad - ein „gütiges Wesen“ an wegen der „ungewöhnlich hellen, blauen Augen“! Wichtiger dürfte der Hinweis sein, dass der 60 Jahre alte Josef Kammhuber 1956 Luftwaffeninspekteur wurde „anstelle des ebenfalls in Erwägung gezogenen berühmten, damals 44 Jahre alten einstigen Jagdflieger-Generals Adolf Galland“. Bewunderung klingt durch für den im März 1984 mit militärischen Ehren verabschiedeten Günther Kießling, der zuvor das Opfer einer Rufmordaktion des MAD geworden war. Der promovierte Volkswirt habe „wie kaum ein anderer Offizier die Synthese zwischen dem nach Perfektion strebenden Nur-Soldaten und dem scharfsinnigen Intellektuellen“ verkörpert; er habe „als einer der skurrilsten Generale der Bundeswehr, die zunehmend von ,stromlinienförmigen‘ Soldaten beherrscht wurde“ gegolten: „Statt ,Ernstfall‘ oder ,V-Fall‘ gebrauchte er die Vokabel ,Krieg‘ und löste damit nicht selten bei Vorgesetzten Irritationen aus.“

          Im Beitrag zu Heinz Trettner heißt es, dass „die leitenden Zivilisten des Verteidigungsministeriums der ganzen militärischen Führung ihre Missachtung zum Ausdruck gebracht hatten“, was 1966 zum Rücktritt des Generalinspekteurs führte. Trettner starb 2006 kurz vor seinem 99. Geburtstag „als letzter Soldat der Wehrmacht im Generalsrang“, einer der insgesamt 44 Übernommenen. Ein Anhang bietet neben Personalübersichten eine allzu opulente Ordenskunde. Range hat ein Faible für jene, die sich „während des Krieges durch besondere Tapferkeit vor dem Feinde“ bewährten - ohne den rassenideologischen Vernichtungskrieg konkreter zu thematisieren oder etwa den „tief sitzenden Anspruch auf Anerkennungsprofite“ (Ralph Winkle) bei vielen der „heldenhaften“ Kriegsteilnehmer zu erörtern.

          Clemens Range: Kriegsgedient. Die Generale und Admirale der Bundeswehr. Verlag Translimes Media, Müllheim 2013. 648 S., 44,90 €.

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