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Bundeswehr am Hindukusch : Lähmende Selbstabsicherung

  • -Aktualisiert am

Mit seiner eigenen lesenswerten Afghanistan-Analyse legt Münch den Schluss nahe, dass die Afghanistanpolitik von Beginn an erfolglos bleiben musste. Das gilt umso mehr, als neben der offenbar bewusst unterlassenen Analyse der desolaten und komplizierten Lage am Hindukusch auch kein brauchbares Afghanistan-Konzept vorlag, allenfalls die vage Illusion eines „nation building“. Die Akteure, vor allem die der Bundeswehr, blieben somit ohne Orientierung in einem Land, in dem die Modernisierungsversuche afghanischer Regime der 1970er Jahre, die sowjetische Besatzung und die Talibanherrschaft alte feudal-subsistenzwirtschaftliche Strukturen zerstört hatten.

Hinterlassen wurde nach Münch eine auch durch beginnende „kapitalistische“ Wirtschaftsstrukturen fragil gewordene Gesellschaft ohne eine tragende Ordnung und Orientierung. Dominierend blieben profitorientierte und gewaltbereite regionale Machthaber. Sie kooperierten gemäß ihres despotischen Habitus je nach Interessen- oder Finanzlage mal mit den internationalen Kräften oder der machtlos-korrupten Zentralregierung in Kabul, mal mit den Taliban. Das unregierbare und arme Afghanistan kann so nicht in eine „westliche“ Demokratie transformiert werden - schon gar nicht durch schwache, alleingelassene Bundeswehrkräfte. Der Kenner bürokratischer Apparate weiß: Münch hat mit seinem Hinweis recht, dass die politischen Entscheidungsträger an fundierten wissenschaftlichen Expertisen überhaupt nicht interessiert sein konnten. Das hätte die abgestimmte Position der Regierungsbürokratie im nationalen und internationalen Konzert erheblich geschwächt. Wahrheit ist eben das, was die Akteure habituell akzeptieren, ist das, was ihrer Bürokratie nutzt. Was Münch mit dem von Niklas Luhmann verwendeten Begriff des Selbstreferentiellen erfasst, hat den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und die Afghanistan-Politik der Bundesregierung seit Bundeskanzler Schröder und seinem grünen Außenminister geprägt. Die Sorge um die eigene Position und Karriere, um die Macht der eigenen Bürokratie bestimmt das Handeln. Das gilt umso mehr, wenn das politische Ziel bewusst unklar bleibt und nicht erreichbar ist.

Es waren also „ideale“ Voraussetzungen gegeben, dass die Afghanistan-Politik erfolglos bleiben musste: ein auf Dauer unregierbares Land, politische Ziel- und Konzeptlosigkeit und selbstreferentielle Akteure. Philipp Münch hat wissenschaftlich fundierte und endlich einmal brauchbare Erklärungen für das Scheitern der Afghanistan-Politik vorgelegt.

Philipp Münch: Die Bundeswehr in Afghanistan. Militärische Handlungslogik in internationalen Interventionen. Rombach Verlag, Freiburg i. Br. 2015. 431 S., 48,- €.

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