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Bundesnachrichtendienst : Gesucht: Ein roter Faden

  • -Aktualisiert am

Technik steht an der Außenstelle Schöningen des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Landkreis Helmstedt. Bild: dpa

Wie hat der BND mit Partnern im Westen kooperiert? Viel Neues erfährt man hier dazu nicht.

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          Der Bundesnachrichtendienst kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wo verlaufen die Grenzen der Überwachung? Eben erst hat der Bundestag ein Gesetz verabschiedet, nach dem die BND-Mitarbeiter auf ihrem Weg zum Ausspähen im Ausland höhere rechtlichen Hürden nehmen müssen. Darüber hinaus wird künftig ein Unabhängiger Kontrollrat dem Geheimdienst über die Schulter schauen, damit er seinen gesetzlichen Auftrag auch im gesetzlichen Rahmen erfüllt. Umstritten bleibt, inwieweit das neue Gesetz den Forderungen aus Karlsruhe Rechnung trägt. Kann die Kooperation des BND mit Partnerdiensten unbequemen Journalisten im Ausland schaden? Klar ist dagegen, dass eine solche öffentliche Debatte über die verdeckte Überwachung in der Nachkriegszeit nicht möglich gewesen wäre. Geheimdienste waren geheim.

          Da scheint eine neue Publikation aus den Reihen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes zur rechten Zeit zu kommen: Wolfgang Krieger nimmt hier, wie es im Untertitel heißt, die Beziehungen des BND zu den westlichen Geheimdiensten von 1946 bis 1968 unter die Lupe. Das Thema ist ja nicht nur für Freunde von Spionagegeschichten interessant oder für Spezialisten der Geheimdienstgeschichte, die sich längst als eine epochenübergreifende historische Teildisziplin etabliert hat. Die Geschichte des westdeutschen Auslandsgeheimdienstes, der 1956 aus der tief in der NS-Zeit wurzelnden „Organisation Gehlen“ hervorging, ist zwangsläufig eine Geschichte der internationalen Beziehungen. Hier wird zudem ein wichtiger Aspekt der Frühgeschichte der Bundesrepublik beleuchtet, ging es doch darum, das Verhältnis zu den Siegermächten neu zu definieren. Die USA, Großbritannien und Frankreich setzten seit Beginn des Kalten Krieges auf eine breit angelegte „Politik der Einflussnahme“, die nicht zuletzt auf die einstige Elite der Wehrmacht und den Kampf gegen den Kommunismus zielte. Das Interesse der westdeutschen Seite lag darin, sich zu einem Geschäftspartner auf Augenhöhe zu entwickeln. Der Versuch ist reizvoll, dieses machtpolitische Geflecht durch eine Beziehungsgeschichte der „Partnerdienste“ zu entwirren, die zeigt, wie sich die Parteien gegenseitig eingeschätzt haben, welche Informationen sie teilten und wie sich die Kooperation hinter den Kulissen bis in die späten 1960er Jahre weiterentwickelte.

          Misslich ist es freilich, wenn dieses wechselseitige Verhältnis letztlich nur von einer Seite aus untersucht werden kann. So ist der Zugang zu den einschlägigen französischen und britischen Akten weiterhin versperrt. Zwar stehen die amerikanischen Dokumente seit den 1990er Jahren zur Verfügung. Ihre Brauchbarkeit wird jedoch durch eine Freigabepolitik beschränkt, die tunlichst keinen Einblick in eigenes Fehlverhalten gewährt. Krieger stützt sich daher in erster Linie auf Akten des BND sowie Bestände des Bundeskanzleramtes. Gleichwohl gibt es geschwärzte Textpassagen, die dem Leser signalisieren sollen, wo es Eingriffe des BND gegeben hat, die der Verfasser für unrechtmäßig hält.

          Nun ist das Quellenproblem dem Autor nicht zu anzulasten. Die Frage ist jedoch, wie er auf dieser Grundlage seine Beziehungsgeschichte anlegen will. Krieger entscheidet sich, etwas überraschend, gegen eine überwiegend thematisch orientierte Gesamtdarstellung der geheimdienstlichen Konstellationen in ihrem chronologischen Verlauf. Stattdessen will er die Entwicklung der Beziehungsgeflechte zwischen der deutschen und der amerikanischen, französischen und britischen Seite jeweils getrennt in den Blick nehmen, um die Besonderheiten, „die unterschiedlichen Mentalitäten und Interessen der drei Westmächte“, optimal auszuleuchten. Umso mehr kommt es dann freilich darauf an, die beziehungsgeschichtliche Untersuchung durch eine klare Leitfrage zu strukturieren, die es auch erst erlaubt, die jeweiligen Ergebnisse systematisch aufeinander zu beziehen.

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