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Henry Kissinger : Was Macht ausmacht . . .

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Henry Kissinger Ende 1962 in West-Berlin Bild: Abb. aus dem bespr. Band

Mehr als zehn Jahre hat Niall Ferguson an dem Buch gearbeitet, und es war der Protagonist selbst, der ihm den Auftrag erteilte. Henry Kissinger bot ihm das Vorhaben an, nachdem ein britischer Kollege kalte Füße bekommen und den bereits angenommenen Auftrag zurückgegeben hatte.

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          Der Mann polarisiert. Kaum ein zweiter Gelehrter und Publizist, Politiker und Diplomat hat während seiner aktiven Zeit so für oder gegen sich eingenommen wie Henry Kissinger. Auf die eine oder andere Art und Weise war er immer präsent. Wer da mit einer gleich zweibändigen Biographie und dem Anspruch antritt, das definitive Porträt vorzulegen, muss schon schweres Geschütz auffahren.

          Niall Ferguson, der an der Harvard University Neuere Geschichte lehrt, fährt es auf. Mehr als zehn Jahre hat er an dem Buch gearbeitet, und es war der Protagonist selbst, der ihm den Auftrag erteilte. Kissinger war durch eine originelle Darstellung des Ersten Weltkrieges auf den damals in Oxford lehrenden Ferguson aufmerksam geworden und bot ihm das Vorhaben an, nachdem ein britischer Kollege kalte Füße bekommen und den bereits angenommenen Auftrag zurückgegeben hatte. Auch Ferguson lehnte zunächst ab, besann sich dann aber eines anderen, als Kissinger ihm schrieb, dass soeben 165 verloren geglaubte Kisten mit seinen Akten - Schriften, Briefe, Tagebücher - wiederaufgetaucht seien. Was für ein Fundament. Ergänzend haben der Autor und sein Forschungsassistent „Material aus 111 Archiven in aller Welt“ gesichtet, und natürlich hat Ferguson etliche Gespräche mit Zeitzeugen, allen voran mit Kissinger selbst, geführt.

          Weil er davon ausgeht, dass „feindselige Kritiker“ ihm eine mehr oder weniger direkte Einflussnahme durch seinen Auftraggeber vorhalten werden, hat sich Ferguson entschlossen, die einschlägigen Partien der „rechtlichen Übereinkunft“ zwischen ihnen zu zitieren. Danach ist der Übereigner, also Kissinger, nicht berechtigt, „das abgeschlossene Werk zu prüfen, zu bearbeiten, zu ergänzen oder seine Veröffentlichung zu verhindern“. Das zeugt von einem hohen gegenseitigen Vertrauen und vom souveränen Selbstbewusstsein eines Mannes, der nichts oder nichts mehr zu verbergen hat. Tatsächlich ist ja auch schon fast alles bekannt, weil nicht nur vieles in veröffentlichten Quellen aller Art nachzulesen ist und sich etliche Historiker mit dieser schillernden Figur befasst haben, sondern weil sich Henry Kissinger auch selbst immer wieder autobiographisch geäußert und allein zwei voluminöse Bände mit Erinnerungen an seine Zeit als amerikanischer Sicherheitsberater und Außenminister gefüllt hat.

          Wer mithin von Ferguson Spektakuläres erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht. Jedenfalls im ersten Band. Wer Freude an originellen und erhellenden Facetten und Nuancen und an einem satten Bild des Mannes und seiner Zeit hat, wird vorzüglich bedient. Schon weil er seinen Helden immer auch durch die Brille seiner Zeitgenossen sieht, weil er nicht nur den Karrieristen, sondern auch den Ehemann, Vater oder Freund im Blick hat, zeichnet Ferguson ein dichtes und lebhaftes, authentisches und durchaus kritisches Porträt des ungewöhnlich vielseitigen und umtriebigen Menschen.

          Seine Entscheidung, den ersten Band auf die Zeit bis zur Ernennung Kissingers zum Nationalen Sicherheitsberater von Präsident Richard Nixon zu begrenzen, ist in der Sache gut begründet. Denn bis 1969 war er nach Einschätzung seines Biographen nicht zuletzt „einer der wichtigsten Theoretiker der Außenpolitik, die die Vereinigten Staaten von Amerika jemals hervorgebracht haben“. So gesehen, wäre das Buch „auch dann noch der Mühe wert gewesen, wenn Kissinger niemals ein Regierungsamt angetreten hätte“.

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