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Blick nach Osten : Angst vor Umklammerung

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Soldaten bilden das Logo der Gewerkschaft Solidarność auf der Danziger Leninwerft. Bild: AP

Enttäuschung aus Moskau: Die DDR-Führung bekam keine Unterstützung für die Unterdrückung der Reformen in Polen 1980

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          Die Formierung der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność und deren Zulassung durch das Oberste Gericht in Warschau im zweiten Halbjahr 1980 wurden von der SED-Führung als äußerst gefährlich angesehen. Denn zum einen konnte der „polnische Bazillus“ auf die DDR überspringen, und zum anderen befürchtete Honecker die doppelte Herausforderung durch die Bundesrepublik im Westen und durch ein liberalisiertes Polen im Osten. Kein Wunder, dass er am nachdrücklichsten im Ostblock auf eine möglichst rasche Wiederherstellung des Status quo in Polen drängte – am besten durch eine „interne“ Lösung, aber wenn nötig auch durch eine militärische Intervention des Warschauer Pakts. Doch Moskau, dessen wirtschaftliche und militärische Kräfte kaum ausreichten, das überdehnte Imperium zu halten, wollte es nicht wieder, wie 1968 beim Prager Frühling, zum Äußersten kommen lassen. Militärmanöver bauten zwar eine Drohkulisse auf, Breschnew gab aber nicht den Befehl zum Einmarsch, sondern setzte auf die Ausrufung des Kriegsrechts durch eine neue polnische Führung. Das geschah am 13. Dezember 1981 unter General Jaruzelski. Dessen wiederholte Aufforderungen an Moskau, ihm dabei Hilfe zuzusagen, waren von dort zurückgewiesen worden. Da sich die Polen jedoch nicht widersetzten, beruhigte sich die Lage wieder, so dass die sowjetische und die ostdeutsche Führung aufatmen konnten.

          Seit Öffnung der ostdeutschen und russischen Archive in den 1990er Jahren ist das alles bekannt. Insbesondere die Haltung der DDR-Führung gegenüber der Solidarność und der polnischen Politik ist schon des Öfteren behandelt worden. Dennoch hat Filip Gańczak sich des Themas ein weiteres Mal angenommen. Er konzentriert sich in seiner Dissertation auf die Entscheidungen der SED-Führung und kombiniert dabei einen politikwissenschaftlichen Ansatz mit einer äußerst gründlichen Auswertung ostdeutscher und polnischer Quellen.

          Er legt keine grundlegend neue Deutung der Ereignisse vor, sondern bestätigt fast durchgehend die bisherigen Erkenntnisse. Das gilt etwa für die Furcht vor Umklammerung von Westdeutschland und Polen bei einem Erfolg der Solidarność, die nicht nur bei Honecker nachgewiesen werden kann. Sehr viel ausführlicher als bisher werden auch die Gegenmaßnahmen der DDR zur Abschirmung der eigenen Bevölkerung geschildert sowie die unter sowjetischem Zwang gewährten ostdeutschen Wirtschaftshilfen für das notleidende Polen. Außerdem setzt Gańczak einige neue Akzente, indem er etwa darauf verweist, dass Erich Mielke, anders als Honecker, einen Einmarsch ostdeutscher Truppen im östlichen Nachbarland nicht befürwortet habe, da sich die Polen an 1939 erinnern und Widerstand leisten würden. Mit Hilfe zahlreicher Archivalien kann der Autor überdies sehr viel genauer nachzeichnen, wie die ostdeutsche Führung die Stimmung in der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP), in der Armee und in der polnischen Bevölkerung wahrnahm. Ebenfalls neu ist, dass Honecker als Ersatz für den zu nachgiebigen Parteichef Stanislaw Kania nicht dessen Nachfolger Wojciech Jaruzelski, sondern einen Dogmatiker wie Stefan Olszowski im Auge hatte.

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