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Blair : Aufstieg und Fall des Tony B.

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Der Premierminister im Kreise seiner Soldaten im Irak im Mai 2003 Bild: dpa

Er war so etwas wie ein Popstar der britischen Politik. Aber als Premierminister verlor Tony Blair irgendwann seinen Instinkt.

          Im Jahr 1997 brach für Großbritannien eine neue Zeit an. Erst wurde die Kronkolonie Hongkong an China übergeben, eine der letzten Stationen des Empires nahm ihr Ende. Dann starb im August Prinzessin Diana bei einem Autounfall in Paris und mit ihr die Hoffnung auf eine Modernisierung der Monarchie. Schließlich entschieden sich die Bevölkerungen von Schottland und Wales für die Devolution, mithin für eine Dezentralisierung und Stärkung der regionalen Autonomie jenseits des politisch und ökonomisch übermächtigen Londons. Aber die wichtigste Epochenwende werden die Unterhauswahlen vom Mai 1997 markiert haben. Als Labour mit einem überragenden Wahlsieg an die Macht kam und die Konservativen mit ihrer schwersten Niederlage seit 1906 deklassierte, schlug die Stunde Tony Blairs.

          In den folgenden zehn Jahren regierte einer der erfolgreichsten und anfänglich besonders charismatischen Premierminister. Seit 1900 hat nur Margaret Thatcher länger regiert, nämlich elfeinhalb Jahre, und selbst Churchill lediglich achteinhalb Jahre. Drei Wahlsiege errang Blair bis 2007, bevor er das Amt widerwillig an seinen mürrischen und eigentlich politikmüden Schatzkanzler Gordon Brown übergab. Auf seinen steilen und große Hoffnungen weckenden Aufstieg nach lähmenden und von Korruption gezeichneten Regierungen der Tories folgte ein mühsamer Abschied, der, obwohl lange angekündigt, weit mehr war als ein parteiinterner Übergang. Wie sich am gegenwärtig erbärmlichen Zustand Labours unter Jeremy Corbyn ablesen lässt, hat sich die Partei vom Wechsel im Vorsitz und Premierministeramt bis heute nicht erholt. Es ist deshalb allzu folgerichtig, dass der von Jon Davis und John Rentoul zusammengestellte und faszinierende Band sich ausschließlich der Blair-Regierung widmet, in deren Jahre politischer Aufstieg und Fall so nah beieinander lagen. Oder war es die Alternative zwischen „Helden“ und „Schurken“, wie der Buchtitel fragt?

          Nach dem Vorbild Bill Clintons modernisierte Blair die Partei, die, mit dem Warenzeichen „New Labour“ versehen, mit einer reformierten Sozialpolitik und einem ehrgeizigen Bildungsprogramm assoziiert werden wollte. Soziales einerseits und die Interessen des Marktes inklusive des hochkomplizierten Immobilienmarktes andererseits in ein Gleichgewicht zu bringen war keine kleine Herausforderung. Freilich sollte diese Erbschaft Thatchers letzten Endes nicht aufgehen. Als London zur Jahrtausendwende seinen „Millennium Dome“ erhielt, zeichneten sich am Horizont bereits ein massives Haushaltsdefizit, die kontinuierliche Abwertung des Pfunds, eine hohe Arbeitslosigkeit sowie eine steigende Gewaltbereitschaft auf der Straße ab, um nur einige Beispiele zu nennen. Der florierende Finanzsektor, der lang währende Wirtschaftsboom, die Konzentration auf den Dienstleistungssektor und schließlich die Finanzkrise, die mitten in die Regierungszeit Browns platzte, waren die zwei Seiten der gleichen Münze.

          Überdies profitierte Blairs persönlicher, zunehmend präsidialer Führungsstil von Anfang an davon, Vertraute in den mächtigen Medien, insbesondere der Tagespresse, zu haben. Industrie- und Handelsminister Peter Mandelson galt als sein „spin doctor“, der die Politik des Premiers nicht zuletzt für die City von London formulierte und in die breite Öffentlichkeit konsensuell kommunizierte. Auch rühmte sich Blair eines informellen Umgangs. Das Sofa erhält ein eigenes Kapitel.

          Downing Street war zu einer Maschinerie geworden, die für sich fortwährend Werbung machte. Verbreiterte sich aber währenddessen die Kluft zwischen Arm und Reich vor allem in Mittelengland, so wuchs ebenso stetig die Entfremdung der traditionellen Anhängerschaft Labours von der Parteispitze. Die Spannungen, die Mandelson in seinen berüchtigten Memoiren (2010) rachsüchtig schilderte, nachdem Blair ihn kurzerhand entlassen hatte, nahm der Premier viel zu wenig wahr. Der Vorwurf der Arroganz der Macht war immer häufiger zu hören.

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