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Blair : Aufstieg und Fall des Tony B.

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Lange Zeit war Blair jedoch alternativlos gewesen. An sein einzigartiges und schließlich erfolgreiches Engagement für den Frieden in Nordirland, das in das mit überwältigender Mehrheit auf beiden Seiten der irischen Grenze angenommene Karfreitagsabkommen vom Mai 1998 mündete, wird man sich aktuell angesichts der schwierigen Brexit-Verhandlungen gut erinnern. Blair war es, der trotz der seinerzeitigen offiziellen Lesart von „Cool Britannia“ Prinzessin Diana als „Königin der Herzen“ titulierte und die sich dramatisch zuspitzende Krise der Monarchie durch kluge Diplomatie entschärfte. Umkämpft, weil aus gutem Grund als Konkurrenz empfunden, war damals die Wiedereinrichtung des Londoner Bürgermeisteramts; dessen Besetzung mit dem exzentrischen und unorthodoxen Ken Livingstone versuchte Blair vergebens zu verhindern. Umstritten war die Einführung der hohen Studiengebühren ausgerechnet durch Labour, umwälzend die Modernisierung des National Health Service, und umfassend das Entsetzen über den verheerenden Terroranschlag vom 7. Juli 2005, in gewisser Hinsicht dem amerikanischen 11. September vergleichbar.

Chronologisch in der Mitte beider Ereignisse steht der Beginn der Irak-Offensive (März 2003), an der sich Großbritannien an der Seite der Vereinigten Staaten, aber auch zum Beispiel Australiens beteiligte. Nicht nur trat der proeuropäische Fraktionsführer und ehemalige Außenminister Robin Cook, der wiederholt mehr Distanz zur Regierung von George W. Bush gefordert hatte, aus Protest unversehens zurück, sondern setzten landesweit große Demonstrationen für den Frieden ein. Um Blair wurde es politisch zunehmend einsamer, nachdem ein Jahr darauf auch Arbeitsminister David Blunkett, einer seiner engsten Vertrauten, das Kabinett verlassen musste.

Konsequent stehen diese und andere Probleme im Mittelpunkt des vortrefflichen Bandes. Indem einzelne Protagonisten – Blair, Alastair Campbell, Ed Balls, Alan Milburn und andere – zu Wort kommen, ist er besonders anschaulich und lebendig. Deutlich illustrieren die Autoren, dass die genuine Zerbrechlichkeit der Labour-Regierung ihrer Anlage als „Duumvirat“ geschuldet war. Sosehr Blair und Brown aufeinander angewiesen waren, so sehr sind sie charakterlich verschieden. Das konnte nicht gutgehen. Die Genese New Labours und der Niedergang, die Geschichte vom Boom und dessen Zerplatzen, die parteiinternen Auseinandersetzungen bis auf die Alltagsebene der politischen Beamtenschaft zwischen Krieg und Frieden: die Fragen haben an Aktualität nicht verloren. Und sie zeigen, dass der unermüdliche Versuch Corbyns, das trotz allem wichtige Vermächtnis Blairs in Abrede zu stellen, nicht gelingen kann.

Insofern wird man den Auslöser für den allmählichen politischen Niedergang von Tony Blair auf seine Entscheidung datieren können, sich bedingungslos hinter die Bush-Administration zu stellen. Dafür die Bezeichnung „Pudel“ in Kauf zu nehmen, war noch die harmlosere Variante; die andere lautete „Bliar!“ beziehungsweise Lügner. Ein im Habitus ehemals so moderner und innere Sicherheit auf sein Land verströmender Premierminister hatte in den Augen seiner Zeitgenossen einen primär religiös inspirierten Entschluss für einen sehr unpopulären Krieg gefasst. Fortan wurde „Blairite“ zum Schimpfwort. Als Blair sich dann dazu bekannte, abendlich für göttliche Eingebung zu beten, hätte ihm das in den Vereinigten Staaten Sympathie eingebracht, im Vereinigten Königreich indessen nicht. Nicht einmal ein Zauberei-Ministerium aus der ebenfalls 1997 ins Leben getretenen Welt Harry Potters hätte hier Abhilfe geschaffen.

Jon Davis/John Rentoul: Heroes or Villains? The Blair Government Reconsidered.

Oxford University Press, Oxford 2019. 416 S., 25,– £.

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