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Besorgniserregend : Besorgniserregendes Kapitel deutscher Geschichte

Die Flaggen von Israel und Deutschland wehen am 01.06.2015 auf dem Flughafen von Tel Aviv (Israel). Bild: dpa

Jeffrey Herf über den unerklärten Krieg gegen Israel, den DDR und Extremisten aus dem Westen führten.

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          Über Jahrzehnte lieferte die DDR Waffen an die arabischen Staaten, die jene in ihren Kriegen gegen Israel einsetzten. Als palästinensische Terrororganisationen Anschläge gegen Israel verübten, schloss die DDR mit ihnen Bündnisse. Als einziges Land im Ostblock unterhielt sie nie diplomatische Beziehungen mit Israel. Ihre Diplomaten hießen aber auf der Weltbühne die Kriege und den Terror gegen Israel gut.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der ostdeutsche Staat verhielt sich feindselig gegenüber Israel, die westdeutschen Linksradikalen taten es nicht weniger. Die Feindseligkeit gegenüber Israel wurde nach 1967 definierendes Merkmal des westdeutschen Linksextremismus.

          Die DDR und die westdeutschen Linksextremisten standen an der Seite radikaler Staaten wie Ägypten, Syrien und dem Irak. Sie stellten das Existenzrecht Israels in Frage und führten einen nicht erklärten Krieg gegen Israel, den sie als zweiten Krieg gegen den „Antifaschismus“ verklärten. Bei den Palästinensern und den arabischen Staaten schürte diese militärische und politische Unterstützung die Hoffnung, Israel könne militärisch besiegt werden. Sein Ende fand dieser Krieg mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zerfall der Sowjetunion. Die wichtigsten Waffenlieferanten existierten nicht mehr, eine militärische Lösung war nun ausgeschlossen und die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) zu Verhandlungen bereit.

          „Die Sowjetunion, die DDR und die westdeutschen linksradikalen Gruppen tragen aber eine schwere Verantwortung im Nahost-Konflikt, weil sie einer Kompromisslösung zwischen Israel und seinen Gegnern im Weg standen“, schreibt der Historiker Jeffrey Herf in seiner Monographie: „Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche Linke, 1967–1989“. Ihre Hinterlassenschaft lastet schwer. Denn „das DDR-Regime und die radikalen Linken haben ein toxisches ideologisches Gebräu hinterlassen. Ihre verzerrten Darstellungen Israels, der massive Einsatz von Terror und die Rechtfertigung desselben werfen einen verheerenden Schatten auf die Politik und die politische Kultur des Nahen Ostens, Deutschlands und der ganzen Welt.“

          Herf, der an der Universität Maryland lehrt und sich auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert spezialisiert hat, legt die erste umfassende Darstellung der Geschichte der Feindseligkeiten des ostdeutschen Staats und der westdeutschen Linksradikalen gegenüber Israel in den Jahren von 1967 bis 1989 vor. Ausgewertet hat er bislang unveröffentlichte Akten des SED-Politbüros, der DDR-Ministerien für Äuswärtige Angelegenheiten und Verteidigung sowie der Staatssicherheit. Ferner stützt er sich auf Akten der Bonner Regierung, der Vereinten Nationen und auf Veröffentlichungen der westdeutschen Linksradikalen wie der palästinensischen Organisationen in Deutschland.

          Erst die Öffnung der ostdeutschen Archive hat die Dokumentation eines beträchtlichen Teils dessen ermöglicht, was das DDR-Regime verheimlicht hatte. So begann es 1965 mit der Lieferung von Waffen. Schon bald betrachteten die palästinensischen Terrorgruppen und die arabischen Staaten die DDR als bereitwilligen Waffenlieferanten. Als Geste der Solidarität lieferte das Ost-Berliner Regime kostenlos MiG-Jagdflugzeuge, Kalaschnikow-Sturmgewehre und Waffen aller Art.

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