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Berater : Politik als Management

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Willy Brandt und Egon Bahr am 6. Februar 1979 Bild: dpa

Der Begriff ist negativ besetzt, auch und gerade zur Zeit. Ob sich das nach Lektüre dieses Buches ändert?

          Willy Brandt hatte Egon Bahr, Helmut Kohl hatte Michael Stürmer, Gerhard Schröder hatte Oskar Negt und viele mehr. Politiker sind keine Inseln, sie lassen sich beraten und beraten einander. Seitdem es Regierende gibt, sind auch Berater und Beiräte nicht weit.

          In der Bundesrepublik nahm die Wahlkampfberatung in den fünfziger Jahren ihren Anfang. Die CDU war die Vorreiterin. Werbeagenturen und Meinungsforscher spielen zunehmend eine Rolle, aber auch intellektuelle Stichwortgeber. 1963 diagnostizierte Jürgen Habermas eine Tendenz zur Verwissenschaftlichung der Politik. Er setzte sich mit der verbreiteten Vorstellung auseinander, in der Politik gehe es nicht um diskursive Entscheidungsfindung, vielmehr gäben Sachzwänge und technisches Wissen vor, was zu tun sei. Habermas hingegen plädierte für ein kritisches Wechselverhältnis zwischen Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Weder der Entscheider noch der Fachmann solle allein zum Zug kommen oder einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung vorgreifen.

          Seit den Sechzigern hat die Politikberatung Karriere gemacht: Neben wissenschaftlichen Fachleuten haben sich Lobbyisten, Consultants, Unternehmens- und Kommunikationsberater etabliert, die für Politiker oder Verwaltungen tätig sind. Wenn es nicht gerade zum Skandal kommt, wie gegenwärtig im Verteidigungsministerium, läuft das ohne viel Aufhebens ab.

          Wie sich dieses Berufsfeld heute gestaltet, zeigt das Buch der Politikberater Dominik Meier und Christian Blum. Meier ist Vorsitzender der 2002 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Politikberatung und Inhaber eines Consulting-Unternehmens, für das der Politologe Blum arbeitet. Die Autoren beschäftigen sich mit den „Logiken der Macht“. Ihr Buch ist zum einen eine theoretische Beschäftigung mit Macht, zum anderen soll es einen Leitfaden für Entscheidungsträger und Berater bieten – in den Worten der Autoren: für den Homo consultans.

          In der politischen Ideengeschichte lassen sich zunächst zwei Traditionen unterscheiden, bei denen auch die Autoren ansetzen: Einerseits wird Macht, anknüpfend an Aristoteles, als das Vermögen zu handeln verstanden (Macht zu). Einen Sonderweg dieser Position beschreitet Hannah Arendt, die Macht als die menschliche Fähigkeit versteht, sich zusammenzuschließen und gemeinsam zu handeln. Für sie ist Macht das Gegenteil von Gewalt. Verbreiteter ist freilich die Überzeugung, Macht bedeute Dominanz (Macht über). Dabei wird Macht auf Gewalt oder Zwang zurückgeführt. Machiavelli und Max Weber stehen für diese Tradition Pate. Jenseits dieser Zweiteilung hat sich das Nachdenken über Macht in der Postmoderne grundsätzlich gewandelt: Hier gibt es kein Außerhalb der Macht, und sie lässt sich auch nicht eindeutig lokalisieren.

          Meier und Blum stellen sich in die Tradition Webers, wenn sie Macht als Möglichkeit begreifen, „den potentiellen Widerstand anderer Akteure zu überwinden“. Dabei ist Macht für sie nicht nur eine Ressource, sondern auch eine soziale Struktur. Das Ringen um Macht sei letztlich ein Nullsummenspiel: Gewinnt einer Macht, verliert sie ein anderer. Der Berater könne, so die Autoren, dem Klienten mit einer klugen Spielführung zum Sieg verhelfen. Politische Kultur sei „Trainingssache“.

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