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Barack Obamas Memoiren : Vorwärts in die Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Der Memoirenautor im Wahlkampf für seinen ehemaligen Vize Joe Biden im Oktober. Bild: Reuters

Barack Obama offenbart im ersten Teil seiner Memoiren, was er von Angela Merkel und Wladimir Putin hält. Vergangenheit wird plötzlich brandaktuell. Über seine innersten Antriebskräfte erfährt man kaum etwas.

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          Lange bevor Barack Obama Berufspolitiker wurde, war er Bestseller-Autor. Sein Buch „Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie“, 1995 im Original erschienen, wurde in 24 Sprachen übersetzt und verkaufte sich millionenfach. Der „Guardian“ nannte es später das „mit Abstand ehrlichste, mutigste und ehrgeizigste Buch eines wichtigen amerikanischen Politikers in den vergangenen 50 Jahren“, „Time“ die „bestgeschriebenen Memoiren, die ein amerikanischer Politiker je produziert hat“. Selbst Philip Roth, der größte amerikanische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, fand es „sehr überzeugend und unvergesslich“. Die Audio-Version, vom Autor gesprochen, brachte ihm 2006 einen Grammy ein, die höchste Auszeichnung der Musikindustrie.

          Die Erwartungen an seine Erinnerungen sind also gewaltig – auch für den Verlag Penguin Random House: 2017 ersteigerte er die Rechte an den Memoiren von Barack Obama und seiner Frau Michelle für 65 Millionen Dollar. Bei der ehemaligen First Lady erwies sich das als Schnäppchen: Ihre Autobiographie „Becoming“ verkaufte sich weltweit 14 Millionen Mal. Die ihres Mannes dürfte nicht hinter diesen Zahlen zurückbleiben. Die Startauflage von „Ein verheißenes Land“ ist einem Polit-Rockstar mit 215 Millionen Followern in den sozialen Medien angemessen: 5,5 Millionen Exemplare in 25 Sprachen, davon 300 000 auf Deutsch. Kramer’s, Washingtons legendäre Buchhandlung am Dupont Circle, öffnete am 17. November, dem globalen ersten Verkaufstag, schon um Mitternacht, um seine Kunden nicht bis Sonnenaufgang warten zu lassen. Das erinnerte mehr an den Hype um einen neuen Harry-Potter-Band als an einen Politikschmöker. Die Schwerkraft des Buchstarts war so enorm, dass die britische Booker-Jury ihre jährliche Preisverleihung um zwei Tage auf den 19. November verschob.

          Ein glänzender Stilist

          Im Gegensatz zu seiner Frau beschäftigte der ehemalige Präsident keinen Ghostwriter, sondern schrieb selbst per Hand auf gelbe Notizblöcke. Die Folge: Statt des geplanten einen Buchs mit 500 Seiten, das er innerhalb von zwölf Monaten fertigstellen wollte, werden es zwei Bände. Der erste mit mehr 750 Seiten (1000 in der deutschen Übersetzung) kam mit zweieinhalbjähriger Verspätung auf den Markt. Er umfasst Obamas politisches Erwachen als Student, seine frühen Wahlkämpfe in Illinois, seine Präsidentschaftskandidatur und seine ersten drei Amtsjahre. Das Buch schließt 2011 mit einem Treffen mit dem SEAL-Team, einer Spezialeinheit der Navy, die Usama Bin Ladin in Pakistan zur Strecke gebracht hatte. Einen besseren Zeitpunkt für die Publikation hätte man schwerlich finden können. In seinen Jahren im Weißen Haus hat Donald Trump Präsidentschaft und Demokratie schwer beschädigt. Obama mag Fehler begangen haben, sein distanzierter und zurückhaltender Charakter machten ihn zu einem wenig effektiven Parteiführer und Regierungschef. Doch im Gegensatz zum Amtsinhaber besaß er Würde, Eloquenz und Humor.

          Professor Dr. Stephan Bierling lehrt Internationale Politik und Atlantische Beziehungen an der Universität Regensburg.
          Professor Dr. Stephan Bierling lehrt Internationale Politik und Atlantische Beziehungen an der Universität Regensburg. : Bild: privat

          Präsidentenmemoiren sind meist Verkaufsschlager – und oft langweilig. Wenige stechen heraus, die Ulysses Grants etwa, der als General den Bürgerkrieg gewann und den Schwarzen im Süden ihre Rechte sicherte, oder die Dwight D. Eisenhowers, des Weltkriegssiegers und klugen Strategen. Obamas Erinnerungen haben viele, aber nicht alle von deren Vorzügen: Er ist ein glänzender Stilist, analysiert mit messerscharfem Verstand, reflektiert über seine Schwächen und nimmt sich bei alledem nicht allzu ernst. Immer wieder streut er freche Skizzen wichtiger amerikanischer Politiker und internationaler Staats- und Regierungschefs ein. Selbst für politische Gegner findet er faire Worte. Bei allen inhaltlichen Differenzen hält Obama seinen Vorgänger George W. Bush für „geradlinig, entwaffnend und selbstironisch“, seinen republikanischen Rivalen ums Präsidentenamt John McCain für „grundanständig“.

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