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20. Juli 1944 : Für ein besseres Deutschland

  • -Aktualisiert am

In Babelsberg 1942: Uta (Mitte) mit Eltern und Geschwistern Bild: Familienarchiv Tresckow

Der Widerstand gegen Hitler bildete trotz seines Scheiterns ein moralisches Kapital für den Neuanfang nach 1945. Das zeigen neue Publikationen über Henning von Tresckow, Ulrich Schmidt von Altenstadt sowie die Arbeiterbewegung

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          Seit einigen Jahren veranstaltet die Stauffenberg-Gesellschaft um den 15. November herum im Neuen Schloss in Stuttgart eine Gedächtnisvorlesung für den 1907 geborenen württembergischen Hitler-Attentäter. Im vergangenen November kam Uta von Aretin der Einladung zu einem Vortrag nach, der nun in gedruckter Form vorliegt. Sie ist eine Tochter des Generalmajors Henning von Tresckow - der nach Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg wohl wichtigsten Persönlichkeit im militärischen Widerstand bei den Umsturzvorbereitungen 1943/44.

          Ihr Vater sei „mit Leib und Seele Soldat“ gewesen, jedoch anfällig für nationalsozialistische Parolen: „Ich besitze noch eine Postkarte, auf der mein Vater im Wahljahr 1932 schrieb: ,Wir wählen alle A.H.‘ Hitlers Regierungsübernahme betrachtete er, wie viele andere auch, als Erlösung aus einem unerträglichen Dilemma. Die Formel von der Vereinigung des Nationalen mit Sozialem begeisterte ihn.“ Das alles änderte sich durch die Morde während der „Röhm-Krise“ Mitte 1934, durch die Blomberg-Fritsch-Entlassungen Anfang 1938 und durch die Pogromnacht gegen die Juden vom 9. November 1938: „Mein Vater fühlte, dass der vor Gott auf die Person Hitlers abgelegte Eid auch dazu missbraucht werden konnte, Unrecht und Verbrechen zu decken.“ Er habe den Dienst quittieren wollen, sei allerdings von General Erwin von Witzleben davon abgehalten worden.

          Für die Schilderung der Planungen des Widerstands beruft sich Frau von Aretin auf Fabian von Schlabrendorffs Buch „Offiziere gegen Hitler“. Hier findet sich die - für das Handeln der Verschwörer 1944 wichtige - Leitlinie Tresckows: „Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat.“ Tresckow sei es um die „moralische Rehabilitierung Deutschlands“ gegangen, um christliche Werte, Recht und Menschenwürde: „Die Attentäter des 20. Juli wollten ein Sühneopfer für Deutschlands Schuld erbringen, in das sie sich mit eingeschlossen fühlten“, meint die Autorin und erwähnt, dass ihr 2014 verstorbener Ehemann, der Historiker Karl Otmar von Aretin, sie dabei unterstützt habe, sich mit dem Umfeld und mit dem Freitod des Vaters (am 21. Juli 1944) auseinanderzusetzen: „Die idealisierten Erzählungen aller Freunde und das Schweigen meiner Mutter schufen eine Art unantastbares Heldenstandbild, versehen mit hohem moralischem Anspruch.“ Und überhaupt: „Intensives Hinterfragen und Offenlegen von verbürgten Tatsachen gegenüber allen geäußerten Widersprüchen der eifrigen Kritiker“ hätten ihr geholfen, „hinter dem Heldendenkmal einen lebendigen Menschen zu sehen, der in mörderischen Zeiten und Gegebenheiten des Krieges unglaublichen Mut und sittliche Stärke aufgebracht hatte“. Also sind kritische (und von Zeitzeugen oft wenig geschätzte) Zeithistoriker doch für etwas gut!

          Dem kaum bekannten Hitler-Gegner Hans-Georg Schmidt von Altenstadt widmen sich jetzt dessen Neffe Ulrich Schmidt von Altenstadt sowie dessen Enkel Christoph Bauer - unterstützt von Rüdiger von Voss, dem Gründer der „Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944“ sowie Ehrenvorsitzenden des Kuratoriums der „Stiftung 20. Juli 1944“. Ausgangspunkt ihrer Recherchen war die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung; dort war Altenstadt „als Beteiligter an den Maßnahmen zur Ausrottung beziehungsweise Kolonialisierung der Bevölkerung der eroberten Ostgebiete“ bezeichnet worden: „Diese Mitverantwortung wird in der hier vorliegenden Forschungsliteratur teilweise belegt, aber unterschiedlich bewertet“, heißt es in den Vorbemerkungen. Die Herausgeber wollen Altenstadts Rolle im „Widerstand der Offiziere gegen Hitler“ beleuchten. Weil es keine Selbstzeugnisse gibt, zitieren und paraphrasieren sie etwas umständlich aus der Memoiren- und Sekundärliteratur.

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