https://www.faz.net/-gpf-15bik

Polens Deutschland-Beauftragter : „Verteidiger Steinbachs sind Narren“

Die deutschen Verteidiger Erika Steinbachs spielten „den Narren“, wenn sie behaupteten, es gebe keinen Grund, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen abzulehnen, sagt Wladyslaw Bartoszewski, der Deutschland-Beauftragte des polnischen Ministerpräsidenten.

          1 Min.

          Wladyslaw Bartoszewski, der Deutschland-Beauftragte des polnischen Ministerpräsidenten, ist der Ansicht, die deutschen Verteidiger Erika Steinbachs (CDU) spielten „den Narren“, wenn sie behaupteten, es gebe keinen Grund, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen abzulehnen. „Wenn jemand sich blöd stellt, hilft auch nichts mehr“, sagte er in einem Interview mit der Zeitung „Dziennik“ auf das in Deutschland vorgetragene Argument, Frau Steinbach sei nichts vorzuwerfen.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zuletzt hatten unter anderen Bundestagspräsident Lammert und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, Frau Steinbach gegen polnische Vorwürfe in Schutz genommen. Bartoszewski sagte: „Steinbach hat gegen das (Grenz-)Abkommen mit Polen gestimmt, sie hat sich gegen unseren Beitritt zur Nato und zur Europäischen Union ausgesprochen. Und wir sollen sie also für geeignet halten, . . . Museumskonzeptionen auszuarbeiten, die unter anderem auch unser Land betreffen?“

          Die polnische Regierung widersetzt sich seit Wochen lautstark der Ankündigung des Bundes der Vertriebenen (BdV), seine Präsidentin für einen von 13 Sitzen im Beirat des geplanten Berliner Vertriebenen-Zentrums zu nominieren. Die polnische Regierung hat Mitte Februar gedroht, die bilateralen Beziehungen könnten Schaden nehmen, wenn die Bundesregierung sie in diese Position berufe.

          Bartoszewski legte bei seinem neuerlichen Angriff Wert auf die Feststellung, sein Zorn beziehe sich nur auf Frau Steinbach, nicht aber auf Bundeskanzlerin Merkel (CDU), zu der er „herzliche“ und „allerbeste“ Beziehungen pflege. Auch für Bundespräsident Köhler (CDU), der wie Frau Steinbach im Zweiten Weltkrieg im besetzten Polen geboren ist, empfinde er Hochachtung: „Aber er macht nicht, wie Frau Steinbach, den Revisionismus zu seinem Beruf.“

          Bartoszewski ließ das Argument nicht gelten, dass Frau Steinbach seit Jahren im Bund der Vertriebenen als Gegnerin der „Fundamentalisten“ auftrete. „Wenn sie einen inneren Wandel durchgemacht hat, dann kann das vielleicht ihren Beichtvater interessieren - wenn sie katholisch wäre, aber nun ist sie ja evangelisch. Uns interessieren ihre Wandlungen nicht. Uns interessiert das Gesamtbild ihrer Aktivitäten und nicht die Absichten und inneren Probleme der 65 Jahre alten . . . Frau Steinbach.“

          Der Berater des Ministerpräsidenten wandte sich auch gegen die Vorhaltung, in Polen würde der Einfluss Erika Steinbachs überschätzt. Sie gehöre zu den Frauen, die in der Führung einer großen deutschen Partei säßen und denen die Deutschen also besonderes Vertrauen schenkten.

          Weitere Themen

          Hüter der Beziehungen?

          Polens Staatspräsident Duda : Hüter der Beziehungen?

          Wenn am Montag ehemalige Auschwitz-Häftlinge gemeinsam mit ranghohen Politikern der Befreiung des Lagers gedenken, ist er Gastgeber: Andrzej Duda. Die Vorzeichen sind nicht die besten, seit Warschau mit Putin über Polens Rolle im Zweiten Weltkrieg streitet.

          Der größtmögliche Populismus

          Talkshow-Kritik „Anne Will“ : Der größtmögliche Populismus

          Die Grünen sprechen im Namen der Menschheit, eine Umweltaktivistin glaubt an die Lösung, und ein klassischer Energieversorger stellt die richtigen Fragen: Bei Anne Will ging es um Klimaschutz und Kohleausstieg.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.