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Pöbeleien auf Twitter : Fehlender Respekt

Volker Beck pöbelt gern auf Twitter: „Erika Steinbach ist eine Drag-Version von Putin – wetten!“ Bild: picture alliance / dpa

Im Internet wird viel gepöbelt. Auch Bundespolitiker machen mit: Sie schreiben „Arschloch“ und „Kackscheiße“, um Aufmerksamkeit zu erregen und sich anzubiedern. Das ist peinlich.

          4 Min.

          Am Samstag vor einer Woche machte Volker Beck, der innenpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, der Öffentlichkeit eine interessante Mitteilung zur Person Wladimir Putins. Die Lage war ernst: In der Ukraine hatten prorussische Milizen gerade mehrere OSZE-Mitarbeiter festgesetzt, und der ukrainische Übergangsministerpräsident hatte Russland vorgeworfen, es wolle den „Dritten Weltkrieg anzetteln“. Beck genoss den Abend in sicherer Entfernung – er las und schrieb Nachrichten auf Twitter.

          Friederike Haupt
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Ein Nutzer namens „Basti“ wies Beck auf einen Videoschnipsel hin, in dem die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach sich gegen die finanzielle Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ausspricht. Um 22.18 Uhr twitterte Beck, für jeden sichtbar: „Erika Steinbach ist eine Drag-Version von Putin – wetten!“ Also: Die Abgeordnete ist unter ihrem Travestie-Fummel eigentlich ein Mann, nämlich Wladimir Putin. Auf so etwas muss man erst mal kommen. Und es dann auch noch veröffentlichen wollen. Beck, der früher gelegentlich für Respekt gegenüber anderen Menschen eintrat, hat damit anscheinend kein Problem.

          Aufmerksamkeit durch Pöbeleien

          Da ist er nicht der einzige. Viele Politiker haben erkannt, dass sie in sozialen Netzwerken wie Twitter mit wenig Aufwand auf sich aufmerksam machen können. Schließlich bejubeln Journalisten den Kanzleramtsminister Peter Altmaier als „Twitter-König“, weil er mal eine Zeitlang selbstironische und pointierte Tweets schrieb. Und Tausende von Wählern warten nur darauf, wieder irgendein unscharfes Foto oder einen Spruch weiterverbreiten zu dürfen, was auf Politiker offenbar dermaßen verführerisch wirkt, dass beispielsweise Brigitte Zypries, ehemalige Justizministerin und jetzt Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, am vergangenen Donnerstag um 8.17 Uhr ein Foto twitterte, das ihren verwuschelten Haarschopf halb verdeckt von einer blau geblümten Decke zeigt.

          Müde lugt der Abgeordneten Nase dem Betrachter aus dem Bettzeug entgegen. Kommentar Zypries: „Dieses Gefühl von... kommt außer dir bei dem Wetter noch jemand zum Standaufbau um 9.00?? #May1Selfie“. Das Stichwort „May1Selfie“ hatte die SPD ersonnen: Mitglieder und Sympathisanten sollten es verwenden, um damit von Kundgebungen aus Selbstporträts zu verbreiten. Das kann man – wenn man nicht gerade die NSA ist – sinnlos finden, aber auch okay: Keinen Respekt vor sich selbst zu zeigen ist jedem selbst überlassen. Etwas anderes ist es, wenn Bundespolitiker zum Zwecke des Anbiederns bei denen, die sie für ihre Wähler halten, plötzlich so schreiben, als käme man dem Volk unter der Gürtellinie am nächsten.

          Einige Beispiele aus der vergangenen Woche: Die Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer, CDU, bedankte sich öffentlich bei dem „Arschloch“, das eine Delle in ihr Nummernschild gefahren habe. Halina Wawzyniak, die für die Linke im Bundestag sitzt, twitterte den Link zu einem Artikel der „taz“ mit der Bemerkung: „Geht’s noch? Lasst den Scheiß“. Der Bürochef von Volker Beck kommentierte eine „ntv“-Meldung über den CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn so: „Dieser Jens Spahn ist ein Apparatschik, der in seinem ganzen Leben noch keine eigene Position gegen Widerstände durchhielt“, woher auch immer er das wissen will. Spahn antwortete, indem er auf die Berufsbezeichnung seines Kontrahenten in dessen Twitter-Profil einging: „,Head of office‘ von Volker Beck klingt aber auch nicht sehr apparatschikfrei...“ Nach derart schlichten Mustern pöbeln Halbstarke.

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