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Umstrittenes Engagement : Wenn Poldi Werbung für Erdogans Türkei macht

Der Kumpel-Superstar: Lukas Podolski – hier mit seinen japanischen Fans Bild: dpa

Fußballstars verdienen durch Werbeinnahmen gutes Geld. Lukas Podolski ist da keine Ausnahme und posiert für Girokonten, Kaugummis und Mobilfunkanbieter. Aber warum ausgerechnet auch für die Türkei unter ihrem autoritären Präsidenten?

          Auf der Website von Lukas Podolski waren Profis am Werk. Wer die Internetpräsenz des 130fachen Nationalspielers besucht, wird von einem coolen Werbeclip begrüßt, in dem coole Models zu sehen sind. Eines davon ist Podolski selbst, der bekanntlich auch cool ist. Podolski und die anderen coolen Models tragen zu cooler Musik in anfangs schnell und danach rasend schnell geschnittener Bildfolge coole Kleidung. „Strassenkicker“ heißt das Label, das von ihnen gepriesen wird. Die „Strassenkicker Streetwear Brand“ bietet Mode für Damen, Herren und Kinder, zum Beispiel den Rucksack „Backpack Lady White“ für 89 Euro oder die Baseballmütze „Cap AHA camouflage“ (Limited Edition), dieser Tage von 39,90 auf 29,90 herabgesetzt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Athen.

          Auf lukas-podolski.com ist zu erfahren, warum man bei Strassenkicker.com kaufen soll: Weil Lukas Podolski (den seine Kunden Poldi nennen dürfen), ein supernetter Typ ist. Herz am rechten Fleck, Pfundskerl, immer bescheiden geblieben. Auf lukas-podolski.com wird lukas-podolski.com in vier Bildern vorgestellt. „Überflieger mit Bodenhaftung“ heißt das erste Bild, und wer bisher glaubte, Podolski sei für seinen Stumpfsinn und seinen schwachen rechten Fuß bekannt, sieht sich eines Besseren belehrt: „Lukas Podolski ist bekannt für seinen Frohsinn und seinen starken linken Fuß“, heißt es da nämlich und weiter: „Aber was ihn wirklich auszeichnet, ist seine Ehrlichkeit, seine Bodenständigkeit und der feste Glaube an Werte, die früher seinen Sport besonders ausgezeichnet haben.“

          Welche Werte es sind, die den Fußball früher einmal ausgezeichnet haben, ihn jetzt also offenbar nicht mehr oder zumindest nicht mehr besonders auszeichnen, wird in den folgenden Bildern angedeutet. Das zweite Bild („Ehrliche Haut“) zeigt Podolski mit entblößtem Oberkörper, auf den mehr als drei Dutzend Tattoos retuschiert wurden. Auf der Brust steht zum Beispiel „Heimat“, über dem Nabel „Treue“, und dazu heißt es: „Lukas Podolski ist nicht dafür bekannt, die Dinge besonders blumig zu umschreiben. Dafür meint er, was er sagt, und steht zu seinem Wort. Hand drauf.“ Einem der Werbetexter ist dazu eine ganz tolle Formulierung eingefallen: „Lukas Podolski hat nicht für jeden Wind ein Fähnchen und steht zu den Werten, die ihm schon seine Eltern vermittelt haben. Lukas Podolski könnte gar nicht vergessen, woher er kommt und wo seine Wurzeln in der Erde liegen.“

          Für alle, die immer noch nicht begriffen haben, setzt das dritte Bild („Familie, Heimat, Glaube“) noch einen drauf: „Lukas Podolski schreibt aus purer Überzeugung eine Geschichte, die in der Fußballwelt mehr als untypisch ist. Starke Marken entstehen durch authentische Geschichten. Die von Prinz Poldi ist so eine Geschichte.“ Im letzten Bild sehen wir die authentische Marke Poldi im Anzug und lernen: „Podolski mag es locker, trägt, was ihm passt, und wirbt nur für Produkte, die zu ihm passen.“ Produkte, von denen Podolski findet, dass sie zu ihm passen, sind demnach unter anderem das Bankhaus PSD aus Köln, adidas, eine Brause („Vom Weltmeister empfohlen. Der Zitronenmix aus dem Hause Früh“) und KerryGum, eine „vielversprechende junge Kaugummimarke“. Der Topos des kumpelhaften Bruders Lustig von nebenan ist dabei jeweils der Markenkern, der auch medial gepusht wird.

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