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Russische Auftragsmorde : Im Fadenkreuz

Bereits in den vergangenen Jahren sind Putin-Kritiker gewaltsam ums Leben gekommen. Bild: F.A.S.

Der Fall Babtschenko ging um die Welt. Planen die russischen Geheimdienste Anschläge in der Ukraine? Ein Besuch bei Emigranten in Kiew.

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          Der Fall Babtschenko ist in die Geschichte des Journalismus eingegangen. Keine vier Wochen liegt es zurück, da meldeten die Medien, der russische Kriegsreporter und Putin-Kritiker Arkadi Babtschenko sei im Exil in Kiew in seinem Wohnblock erschossen worden. Weltweit Entsetzen. Empörung. Trauer und Verzweiflung. In den vergangenen Jahren sind Putin-Kritiker schon gewaltsam ums Leben gekommen. Anonyme Morddrohungen gab es, als Russlands Aggression gegen die Ukraine begann, sogar gegen mehrere deutsche Journalisten, denen die Absender zu viel Kritik an Russlands Politik vorwarfen. Doch einen Tag nach dem „Mord“ präsentierten der Generalstaatsanwalt und der Geheimdienstchef der Ukraine auf einer Pressekonferenz den „wiedergeborenen“ Babtschenko.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Und sie sagten damals, in Kiew sei ein in der Waffenproduktion tätiger Mann festgenommen worden. Er habe aus Russland den Auftrag erhalten, Babtschenko zu ermorden. Er habe diesen Auftrag gegen eine fünfstellige Dollarsumme an einen jungen Mann weitergegeben. Die Behörden hätten jedoch Wind davon bekommen, den Journalisten eingeweiht und im letzten Augenblick selbst die Regie übernommen. Der Mord wurde vorgetäuscht, Babtschenko mit Schweineblut beschmiert und „lebensgefährlich verletzt“ abtransportiert. Diese Operation sei ermittlungstaktisch notwendig gewesen, um Licht in das Dunkel um den „echten“ Mordauftrag zu bringen, hieß es. Außerdem habe man eine schwarze Liste mit möglichen Anschlagsopfern abgefangen. 47 Namen sollen darauf stehen.

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