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Plagiatsvorwürfe gegen von der Leyen : Zwischen Guttenberg und Schavan

Ursula von der Leyen hat um eine Überprüfung ihrer Doktorarbeit gebeten. Bild: dpa

Thematisch gehört Ursula von der Leyens Dissertation zu den anspruchsvolleren medizinischen Arbeiten. Nun spricht die Internetplattform Vroniplag von Fehlzitaten in erheblichem Umfang. Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf.

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          Das Prozedere kennt die Öffentlichkeit mittlerweile. Die Internetplattform Vroniplag findet Hinweise auf ein erhebliches Maß von Plagiaten in der Doktorarbeit eines führenden Politikers, der Politiker erfährt davon, weist die Vorwürfe zurück und bittet die betroffene Hochschule um eine Überprüfung. So auch bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die 1991 mit einer medizinischen Dissertation „C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“ an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) promoviert worden war. Die experimentelle Arbeit, die in der Frauenklinik der MHH entstand, gehört thematisch schon zu den anspruchsvolleren medizinischen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Als von der Leyen im August von der Überprüfung ihrer Dissertation durch Vroniplag erfuhr, bat sie die Hochschulleitung der MHH um eine Überprüfung. Nach der Vorprüfung durch die Ombudsperson nach den Verfahrensregeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis ist der Hochschulleitung am Sonntag empfohlen worden, eine „Förmliche Untersuchung“, also eine Hauptprüfung einzuleiten. Damit ist noch kein Ergebnis präjudiziert. Es werden nun alle auf Vroniplag erhobenen Vorwürfe noch einmal von einer Kommission geprüft, der vier gewählte Mitglieder aus unterschiedlichen medizinischen Fachbereichen sowie ein juristischer Fachmann angehören.

          Mit einem Ergebnis ist wegen des geringen Umfangs der Arbeit (es sind nur 62 Seiten Text) wohl schneller zu rechnen als im Fall der früheren Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), doch sicher nicht schon in unmittelbarer Zukunft. Gerhard Dannemann, der an der Humboldt-Universität zu Berlin Englisches Recht sowie Britische Wirtschaft und Politik lehrt und bei Vroniplag mitarbeitet, sagte dieser Zeitung, es handele sich um eine enorme Dichte von Fehlzitaten. In einer Rangfolge von dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bis Schavan nehme Leyen eine Mittelstellung ein. Vroniplag stelle nichts auf die Internetseite, wenn eine Aberkennung des akademischen Grades nicht grundsätzlich gerechtfertigt wäre.

          Grundsätzliches Problem medizinischer Dissertationen

          Als besonders gravierend stuft Dannemann die Fehlzitate ein, die darauf hinweisen, dass die Autorin die entsprechende Quelle wohl nicht gelesen hat, weil sich dort gar kein Beleg für die von ihr angeführte These findet. Die Fehlzitate haben die Mitarbeiter von Vroniplag nur nebenbei gefunden, hätten sie systematisch alle Quellen überprüft, wären es womöglich noch mehr geworden. Seitenzahlen werden in den Fußnoten der gesamten Arbeit nicht genannt. „In einem anderen Fach wäre das nicht einmal als Seminararbeit durchgegangen“, sagt Dannemann.

          Allerdings verweist er damit auf ein grundsätzliches Problem medizinischer Dissertationen. Es ist nämlich kein Zufall, dass 85 von den 151 bei Vroniplag dokumentierten Dissertationen die Medizin betreffen, in der schließlich die gleichen Regeln für wissenschaftlich redliches Arbeiten und Zitieren gelten wie in allen anderen Fächern auch - trotz unterschiedlicher Zitierkultur. Sowohl in der Universität Münster als auch in der Charité muss es regelrechte Zitierkartelle geben. Da finden sich sechs Dissertationen, die alle voneinander abgeschrieben haben - und zwar teilweise von den Arbeiten des Betreuers selbst.

          Solange die Länder (mit Ausnahme Baden-Württembergs) Leistungsprämien für die Anzahl der Doktoranden vergeben, müssen sie sich den Vorwurf gefallen lassen, dem Fehlverhalten Vorschub zu leisten. Das heißt nicht, dass es nicht gewissenhafte medizinische Dissertationen gäbe, insgesamt könnte der Fall Leyen aber eine Revision der Promotionspraxis im Medizinstudium anstoßen. Gegen den Vorschlag, jedem Mediziner mit dem Examen einen Türschild-Doktor zu verleihen, haben die Ärzteverbände bisher protestiert. Dass der neuerliche Plagiatsfall sie umstimmt, ist unwahrscheinlich.

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