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Pius-Bruderschaft : Die ganz normale Provokation

  • -Aktualisiert am

Um Sauberkeit bemüht: Seminaristen der Pius-Bruderschaft kehren im oberpfälzischen Zaitzkofen eine Straße vor dem Priesterseminar Bild: picture-alliance/ dpa

Weil sie in Zaitzkofen unerlaubt Priester weihen, sind die Pius-Brüder deutschen Bischöfen ein Dorn im Auge. Im Dorf werden sie hochgeachtet. Auch in Glaubensfragen orientiert sich mancher an der Gemeinschaft.

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          Alles soll werden wie immer. Pater Frey zeigt in eine Ecke des Hofes. Dort hinten, sagt er, werde die freiwillige Feuerwehr Würstchen und Kuchen verkaufen. Daneben sollen Stände stehen - mit Büchern und katholischen Devotionalien. Etwas Musik wird es wohl geben. Schön festlich. Wohlfühlen sollen sich die 1500 Gäste, die die Pius-Bruderschaft aus Anlass der Priesterweihe am Samstag in Zaitzkofen erwartet.

          Auf der anderen Seite des ehemaligen Herrenhauses, das die Einwohner des kleinen Ortes bei Regensburg „Schloss“ nennen, ist schon ein Zeltdach für den Gottesdienst aufgebaut. Die Feuerwehr wird wieder den Verkehr regeln und Parkplätze zuweisen. Später geht man ins Gasthaus Prückl - auf ein Bier oder einen Kaffee. „Alles wie gewohnt“, sagt der große, in eine schwarze Soutane gekleidete Mann. Im Priesterseminar Herz Jesu fänden schließlich seit dreißig Jahren Weihen statt.

          Unter besonderer Beobachtung

          Außerhalb des kleinen Dorfidylls ist längst nicht alles, wie es einmal war. Seit Anfang des Jahres steht die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, die der französische Erzbischof Marcel Lefebvre einst aus Protest gegen die „neomodernistischen“, „neo-protestantischen“ Tendenzen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis1965) gegründet hatte, unter besonderer Beobachtung. Ende Januar hatte Papst Benedikt XVI. die vier Pius-Bischöfe wieder in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen, indem er die Strafe der Exkommunikation aufhob, die sie sich 1988 durch ihre Bischofsweihe automatisch zugezogen hatten.

          Das „Schloss”

          Der Papst hoffte, durch sein Entgegenkommen ein Gespräch über die Rückkehr der ganzen Gemeinschaft in die Kirche befördern und so eine endgültige Abspaltung der Bruderschaft durch weitere Bischofsweihen verhindern zu können. Doch nicht nur die Leugnung des Holocausts durch Bischof Williamson scheint einer raschen Versöhnung im Weg zu stehen. Nach wie vor weihen die Bischöfe gegen den Willen des Papstes Priester - kirchenrechtlich unerlaubt, aber gültig. Im amerikanischen Winona wurden vergangene Woche 13 Männer geweiht.

          Die letzten Vorbereitungen

          Im Hof des Zaitzkofener Priesterseminars stehen drei junge Seminaristen in langen, schwarzen Soutanen, knien nacheinander vor ihrem Regens Pater Frey nieder. Einer küsst ihm die Hand. Sechs Jahre lang haben sie in Zaitzkofen studiert, jetzt reisen sie nach Österreich: letzte Vorbereitungen auf den Samstag, an dem der spanisch-argentinische Bischof Alfonso de Galarreta sie zu Priestern weihen wird. Einen „Affront gegen die Einheit der Kirche“ nennt das der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch.

          Der Regensburger Bischof Müller spricht von einer „Provokation“. Die drei Männer scheint das nicht zu stören. „Grüß Gott“, sagt einer und blickt schüchtern herüber - ein Schweizer, 26 Jahre alt. Auf einem Bauernhof sei er zur Welt gekommen, heißt es in einem Rundbrief der Bruderschaft. Später wurde er Elektromonteur und trat nach dem Wehrdienst ins Seminar ein. Der zweite Weihekandidat, ein Pole, hat eine Försterschule absolviert. Der dritte, ein großgewachsener, dreißig Jahre alter Schwede, habe von der „nachkonziliaren Glaubenskrise“ während seines Mathematik- und Lateinstudiums in Stockholm erfahren.

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