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Heimatschutz : Reservistenverband bildet „Ungediente“ aus

Reservisten aus Dresden bergen und betreuen bei einer Übung am 28. September 2013 auf dem Truppenübungsplatz Lehnin bei Brück (Brandenburg) einen verletzten Hubschrauberpiloten. Bild: dpa

Nicht nur die Bundeswehr hat Nachwuchssorgen. Auch ihre Reserve findet zu wenig Aktive unter den ausscheidenden Soldaten. Hoffnung setzt ihr wichtigster Verband in ein Pilotprojekt.

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          Nach der Bundeswehr hat auch der Reservistenverband mit der Ausbildung von neuen Rekruten für die Reserve begonnen, die zuvor nicht im aktiven Dienst der Bundeswehr gestanden haben. An diesem Donnerstag haben die ersten 19 ungedienten Teilnehmer eines Pilotversuches ihre Ausrüstung in Empfang genommen. Sie beginnen jetzt in der Obhut des Reservistenverbandes, der als eingetragener Verein selbständig außerhalb der Kommandostruktur der Bundeswehr agiert, eine Grundlagenausbildung, die ihnen an 13 Wochenenden die militärischen Grundlagen des Soldatendaseins vermitteln soll. Dazu zählen neben dem Formaldienst (Grüßen und Marschieren) auch die Grundlagen innerer Führung, Ausbildung im Gelände, Förderung körperlicher Fitness. Lediglich jene Ausbildungselemente, die mit hoheitlichen Befugnissen verbunden sind, werden von aktiven Bundeswehrsoldaten angeleitet und verantwortet; dazu zählt vor allem die Schießausbildung.

          Johannes Leithäuser
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Reserve-Rekruten stehen am Ende ihrer Grundlagenausbildung im niedrigsten Mannschaftsdienstgrad der Infanterie; sie sind Jäger. Die Bundeswehr selbst hat in Bayern und Baden-Württemberg schon mit ähnlichen Ausbildungsprogrammen begonnen, in denen sie vollständig in eigener Verantwortung interessierte Ungediente als Reserve-Rekruten ausbildet.

          Der stellvertretende Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Peter Bohrer, sagte, auf diese Weise werde versucht, vor allem Personal für die Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien zu finden. Diese infanteristischen Reserveverbände sind vor einigen Jahren im Zuge der jüngsten Bundeswehr-Reform aufgestellt worden, um die früheren „Heimatschutz“-Einheiten zu ersetzen; sie können bei Naturkatastrophen herangezogen werden; sollen aber auch Wach- und Sicherungsaufgaben übernehmen können oder je nach Ausbildungsstand in einem territorialen Verteidigungsfall wirksam sein.

          Nach Angaben Bohrers sind die mittlerweile 30 aufgestellten Unterstützungskompanien bislang nur zu rund 60 Prozent mit aktiven Reservisten „befüllt“. Das Interesse an einer Mitwirkung in diesen Verbänden steige aber weiter. Um auch Ungedienten die Möglichkeit zu geben, in der Reserve aktiv zu sein, habe die Bundeswehr die Option geschaffen, jenen Interessierten einen Zugang zu eröffnen, die zuvor nicht Grundwehrdienst geleistet hätten oder aktive Zeit- oder Berufssoldaten gewesen seien.

          Der Präsident des Reservistenverbandes Oswin Veith sagte, er bemerke ein steigendes Interesse an ehrenamtlichem Engagement in der Bundeswehr-Reserve. Das werde womöglich auch durch die veränderte sicherheitspolitische Lage verursacht. Veith sagte, sein Verband habe daher gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium das Ausbildungsprojekt für Ungediente entworfen, Lehrpläne konzipiert und nun eine erste Pilot-Ausbildung in Berlin begonnen. Die Interessenten für diesen Probelauf hat der Reservistenverband in den eigenen Reihen rekrutiert: Eine Auswahl von fördernden Mitgliedern, die also selbst nie Soldat gewesen sind, wurde mit Anschreiben über die Möglichkeit informiert, durch den neuen Ausbildungsgang aktiver soldatischer Reservist werden zu können. Von 140 informierten Mitgliedern habe rund ein Drittel Interesse gezeigt; 19 Teilnehmer umfasst der jetzt beginnende erste Lehrgang. Der Ausbildungsleiter, Oberstleutnant der Reserve Karsten Ahrens, berichtet zu Beginn des Lehrgangs, am Anfang werde neben dem Empfang der Ausrüstung eine Einübung in den Formaldienst stehen, „damit man in der Uniform sicherer wird“. Die Reserve-Rekruten sollen an den 13 Wochenenden insgesamt knapp 180 Stunden lang unterwiesen werden. Veith sagt, der Sinn der vom Verband getragenen Ausbildung sei, die Rekruten auf einen Fähigkeitsstand zu bringen, der dann „als Abholpunkt“ für eine weitere Ausbildung durch die Bundeswehr dienen könne. Die ausgebildeten Rekruten könnten sich durch zusätzliche Wehrübungen weiter qualifizieren und auch befördert werden, etwa Laufbahnen von Reserve-Feldwebeln oder Offizieren einschlagen.

          Das Pilotvorhaben soll in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres enden und ausgewertet werden. Der Reservistenverband hält es für möglich, dass künftig in jedem seiner 16 Landesverbände ein solcher Ausbildungs-Lehrgang für Ungediente pro Jahr angeboten werden könnte, falls das Interesse dafür besteht und der Bedarf an Personal so hoch bleibt.

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