https://www.faz.net/-gpf-p9n0

Pierre Gadonneix : Aus dem Schatten ins Rampenlicht

Ein Amtsantritt nach so viel öffentlichem Wirbel und Querelen ist Pierre Gadonneix alles andere als recht. Der 61 Jahre alte Franzose, bisher noch Chef des Staatskonzern Gaz de France, wird bald die Führung der größeren Schwestergesellschaft Electricité de France übernehmen.

          2 Min.

          Ein Amtsantritt nach so viel öffentlichem Wirbel und Querelen ist Pierre Gadonneix alles andere als recht. Der 61 Jahre alte Franzose, bisher noch Chef des Staatskonzern Gaz de France (GdF), wird bald die Führung der größeren Schwestergesellschaft Electricité de France (EdF) übernehmen. Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat sich nach monatelangem Gezerre mit Staatspräsident Chirac und Finanzminister Sarkozy durchgesetzt.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Gadonneix zieht es nicht ins Rampenlicht. Während ihm der Führungsposten von GdF noch ein gewisses Dasein im Hintergrund erlaubt hatte, wird er nun auf einem der heißesten Stühle im französischen Beziehungsgeflecht zwischen Politik und Wirtschaft Platz nehmen. Er gilt als fachlich äußerst qualifiziert und als loyal gegenüber der Regierung. Daher war es keine Frage, daß er die Berufung annehmen würde.

          An Gadonneix fällt auf, daß er allerorten als "Liberaler" bezeichnet wird, aber dennoch eine lange Karriere im Staatsdienst hinter sich hat. Er versteht es, Gegensätze miteinander zu vereinbaren und Konflikte zu entschärfen. In seiner Karriere brachte er immer wieder die Bedürfnisse von Wirtschaftsunternehmen mit den Interessen der Politik unter einen Hut. Elf Jahre lang war er Direktor für Metallindustrie, Maschinenbau und Stromwirtschaft im Industrieministerium und überstand dabei neun Minister, vier einer rechten und fünf einer linken Regierung. Bei einem seiner größten Erfolge - der Umstrukturierung in der französischen Eisen- und Stahlindustrie - halfen ihm seine Erfahrungen aus der Welt der Wirtschaft. Gadonneix ging nach der renommierten Ausbildung an der Ecole Polytechnique sowie der Ecole Nationale Supérieure du Pétrole et des Moteurs zunächst als Ingenieur zu Elf Aquitaine. Dort blieb er nicht lange: Untypisch für eine französische Spitzenkarriere seiner Generation, gründete Gadonneix 1969 eine Service-Gesellschaft in der Informationstechnologie, die er - auf einen Stamm von 50 Mitarbeitern angewachsen - drei Jahre später an den Thomson-Konzern verkaufte. Die Privatwirtschaft ließ ihn fortan nicht mehr los, auch nicht ihre theoretische Seite. 1975 promovierte er an der Harvard-Universität über die Frage, wie die französische IT-Industrie auf die amerikanische Herausforderung reagieren solle.

          Die Verbindung von Theorie und Praxis - fast zehn Jahre lang lehrte er auch Wirtschaftswissenschaften an der Ecole Polytechnique - läßt ihn seit geraumer Zeit eine Öffnung des GdF-Kapitals für neue Aktionäre fordern. Er weiß, daß sich sein Unternehmen für die gerade formell vollzogene Liberalisierung des französischen Energiemarktes rüsten muß. GdF, wo er seit 17 Jahren arbeitet, will stärker im Ausland expandieren. Einzelne Beteiligungen wie an der Gasag in Berlin reichen Gadonneix nicht. Immerhin hat die Regierung nun die Umwandlung von GdF und EdF in Aktiengesellschaften durchgesetzt. Die Öffnung für Minderheitsaktionäre ist geplant.

          Die Aufgaben bei EDF und GDF gleichen sich in vielerlei Hinsicht. Auch der Stromkonzern konzentriert sich auf das Auslandsgeschäft, wenn Gadonneix' Vorgänger François Roussely hier auch eine äußerst gemischte Bilanz hinterläßt. Das Engagement in Argentinien und Brasilien brachte hohe Verluste, weil zu teuer erkauft. Der Einstieg beim italienischen Konzern Montedison endete mit einer Blockade der Stimmrechte durch die italienische Regierung.

          Gadonneix hat eine Menge Aufräumarbeiten zu leisten. Gleichzeitig muß er nach vorne blicken, indem er die stark gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter von der Notwendigkeit des Rollenwechsels überzeugt. Die Kultur des Staatsdienstes muß gebrochen werden. Kürzlich erschien in Frankreich ein Buch über die Kunst des Faulseins, die französischen Führungskräften angeblich auch ohne Leistungen die Karriere sichere. Der ehemalige Arbeitgeber der Autorin ist EdF.

          Weitere Themen

          Gemischte Reaktionen auf Laschet-Wahl Video-Seite öffnen

          NRW-Landeshauptstadt : Gemischte Reaktionen auf Laschet-Wahl

          Laschet hat sich auf dem ersten digitalen Parteitag der Christdemokraten in der Stichwahl mit 521 Stimmen gegen Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz durchgesetzt. In Düsseldorf sah man den Wahlsieg mit gemischten Gefühlen:

          Topmeldungen

          Fahndungsfotos um 1971 von Mitgliedern der Baader-Meinhof Gruppe.

          Südlich von Hamburg : Waldarbeiter entdecken mögliches RAF-Depot

          Waldarbeiter haben in Niedersachsen einen ungewöhnlichen Fund gemacht: In einem vergrabenen Fass haben sie mutmaßliche RAF-Schriftstücke und andere verdächtige Gefäße entdeckt. Das Landeskriminalamt untersucht den Fund nun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.