https://www.faz.net/-gpf-7qz3p

Philipp Mißfelder : Ein Mann will nach Osten

Was will er mit Turkmenistan?

Mißfelder ist bei den Amerikanern durch. Gleichzeitig ist er russischen Interessen näher gekommen. Vor ein paar Jahren hatte der CDU-Außenpolitiker noch vor dem Einfluss-Imperialismus der „russischen Diktatur“ gewarnt. Es gehe um Machtpolitik. „Dass Gerhard Schröder jetzt ausgerechnet für Gasprom arbeitet, ist ja nur ein erster Vorbote dafür, dass die russische Diktatur versuchen wird, immer mehr Einfluss auf Deutschland zu nehmen“, sagte Mißfelder damals bei Phoenix. Inzwischen tobt die Auseinandersetzung um die Ukraine, auch ums Gas, Gasprom-Gas.

Mißfelder wendet sich vom Westen in den Osten. Jedenfalls übernimmt er seit einigen Wochen mehr Verantwortung in Vereinen, die Russland oder ehemaligen Sowjetrepubliken nahestehen. Da ist das „Deutsch-Russische Forum“ oder der Verein „Deutschland-Russland – Die neue Generation e.V.“, der auch von russischen Energie-Funktionären und Putin-Verehrern gefördert oder gar finanziert wird. Auch Turkmenistan schenkt Mißfelder neue Aufmerksamkeit. In dieser ehemaligen Sowjetrepublik regiert ein lupenreiner Despot.

Zum politischen Leben vermerkt das Auswärtige Amt lakonisch: „Oppositionsparteien: Nicht vorhanden.“ Das Land steht in Sachen Pressefreiheit auf Platz 177 von 179. Mißfelder ist dem „Deutsch-Turkmenischen Forum“ nicht nur beigetreten, sondern ließ sich Anfang April, eine Woche nach seinem Rücktritt als Amerika-Koordinator, sogar in den Vorstand wählen. Turkmenistan ist das Land mit den viertgrößten Gasreserven der Erde. Grund genug auch für die Bundesregierung, Kooperation zu suchen. Aber was könnte Mißfelder an Turkmenistan interessieren? Kunst und Kultur? Die „Förderung des Völkerverständigungsgedankens“, schreibt sein Büro-Mitarbeiter.

Um Gas geht es natürlich auch in deutsch-russischen Beziehungen. Gasprom, der russische Staatskonzern, fördert den Verein „Deutschland-Russland – Die neue Generation“. Mißfelder mischt dort seit kurzem als „Trustee“ mit. Zu seinen Kollegen zählen Männer, von denen manche schon zu Sowjetzeiten in Berlin aktiv waren. Der Gasprom-Aufsichtsrat Victor Martynow gehört dazu, Träger der Auszeichnung „Ehrenvoller Beschäftigter der Gasindustrie“. Der frühere russische Botschafter Wladimir Kotenew, ehemaliger Chef von Gasprom Germania, ist ebenfalls dem Verein verbunden, durch seine Gattin Maria Kotenewa, die seinerzeit vom Boulevard zur „Königin von Berlinski“ gekürt wurde. Zu den weiteren Sponsoren gehören die Energiefirmen Wintershall, Eon und die Leipziger Verbundnetz Gas AG. Auch der Russische Eisenbahnkonzern tritt als Förderer auf. Dessen Chef, der Putin-Vertraute und Datschen-Nachbar Wladimir Jakunin, steht wegen der Ukraine-Krise auf der amerikanischen Sanktionsliste. Zu seinen deutschen Freunden darf er aber ungehindert reisen.

Das Firmenlogo der russischen Gasflamme ziert auch Mißfelders Freizeitleidenschaft. Denn Mißfelders Fußball-Herz schlägt für Schalke 04. Gemeinsam mit anderen CDU-Anhängern hat er sogar einen speziellen CDU-Schalke-Fan-Club gegründet. Hauptförderer der Ruhr-Kicker ist ebenfalls der russische Gaskonzern. Mißfelders Schalke-Mitgliedschaft beruht selbstverständlich auf seinem persönlichen Interesse. Es gibt keinen wie auch immer gearteten Zusammenhang zum russischen Hauptsponsor seines Vereins. Auch sein Anwalt teilt das mit. Tatsächlich geht es darum, ob und wie er dem Einfluss von Gazprom auf seinen Verein entgegen treten würde.

Weitere Themen

Topmeldungen

Weiterhin wenig los: Der Frankfurter Flughafen wirkt immer noch verlassen.

Corona-Krise : Kurzarbeit ist kein Allheilmittel

Der Druck auf die Bundesregierung, die Zahlung des Kurzarbeitergeldes zu verlängern, wächst. Doch das löst die Probleme von Luftfahrt und Autoindustrie nicht.

Mallorcas Zukunft : Die Sauftouristen sind nicht da

Corona hat Mallorca ins Mark getroffen und könnte es für immer verändern. Das hoffen viele, fürchten manche – und lässt niemanden kalt: Besuch auf einer verwundeten Insel.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.