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Philipp Mißfelder : Ein Mann will nach Osten

Wenn man Projektleiter Mißfelder beim Verlag erreichen möchte, wird man zum Chef-Sekretariat durchgestellt. Ihn selbst haben wir jedenfalls dort nicht erreicht. Mißfelder erläuterte seine Beschäftigung im März folgendermaßen: „Das Bundestagsmandat ist auf Zeit und nicht zu verwechseln mit einem Beruf.“ Der kluge Mann baut vor.

Gebeten, nicht mehr zu kommen

Irgendwann auf seinem Weg muss Mißfelder seine Sympathie für die russische Seele entdeckt haben. Und für Schröder. Ein paar Jahre lang war das vielleicht nicht so wichtig für die Außenpolitik der Union. Aber in Zeiten, wo man sich bei der Nato fragt, ob man Russland wieder einen „Gegner“ nennen soll, ist es nicht mehr egal, wer wo steht. Mißfelder sagt, es sei wichtig, dass man rede. In der CDU/CSU-Fraktion sagt einer, kein Mißfelder-Freund, vielleicht habe Mißfelder auch keine Wahl gehabt. Anders könne er sich eine solche politische Dummheit jedenfalls nicht erklären. Die Ersten, denen Mißfelders Ostpolitik unangenehm wurde, waren die Amerikaner. Mißfelder hatte sie schon mit verschiedenen Äußerungen, etwa zur NSA oder zu den deutschen Goldreserven in amerikanischen Tresoren, kritisiert. Auch seine wiederholte Kritik am amerikanischen Irak-Krieg und sein Lob für Schröders „Nein“ in diesem Zusammenhang befremdete. Zugleich wurden seine guten Russland-Verbindungen beäugt.

Im „China Club“ am Brandenburger Tor, wenige Meter entfernt von der amerikanischen Botschaft, wurde Mißfelder nach seiner Ernennung zum Amerika-Koordinator scherzhaft als „the new russian ambassador“ begrüßt, als der neue russische Botschafter. Mißfelder fand es wohl nicht lustig.

Dann kam es angeblich zu unerfreulichen Begegnungen mit den Amerikanern. Mißfelder solle, so wird gesagt, sich persönlich beschwert haben, dass er von US-Diensten ausgeforscht werde. Mißfelder lässt dazu mitteilen, er habe zu keinem Zeitpunkt mit Angehörigen der amerikanischen Botschaft über seine Ausforschung gesprochen. Fragt man in der amerikanischen Botschaft nach Mißfelders früherer Tätigkeit, schwärmt der Pressesprecher der Botschaft, Peter Claussen, spontan von Karsten Voigt, einem Vorgänger Mißfelders. Der habe es in schwierigen Zeiten der Ära Bush/Schröder glänzend vermocht, Brücken zu bauen. Er lobt den SPD-Mann, und er klagt nicht über Mißfelder. Warum auch: Mißfelder ist nicht mehr im Amt.

Amerikas Diplomaten sind höflich. Auf die Frage, warum niemand bei Mißfelders Amtsverzicht ein Wort des Dankes für ihn fand, heißt es lakonisch: „Wir wurden nicht danach gefragt.“ Kaum war er zurückgetreten, wurde der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion nicht mehr eingeladen. Ja schlimmer noch: Er wurde gebeten, nicht zu kommen. Mehrere Quellen bestätigten, dass Mißfelder im Mai von einem Abendessen des amerikanischen Botschafters John B. Emerson in dessen Residenz in Berlin-Dahlem ausgeladen worden sei. Der Botschafter selbst habe das erzählt. Mißfelder lässt mitteilen: Zu dem Abend sei er in seiner damaligen Funktion als Koordinator eingeladen gewesen. „Die Wahrnehmung des Termins erfolgte allerdings, unseres Wissens nach, durch den mittlerweile neu benannten Koordinator, Herrn Jürgen Haardt MdB.“

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