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Philipp Mißfelder : Ein Mann will nach Osten

Beistand von der „Bild“-Zeitung

Sobald Mißfelder bei der Jungen Union die Führung abgibt, verliert er auch den damit verbundenen Anspruch auf ein CDU-Bundestagsmandat. Er braucht also ein neues Fundament in seiner Partei. In seinem Ruhrpott-Wahlkreis Recklinghausen gewinnt fast immer die SPD. Mißfelder benötigt daher einen sicheren Platz auf der Landesliste. Und so kandidierte er im April in Düsseldorf als Schatzmeister. Das ist eine undankbare, lästige Aufgabe. Mit Schätzen hat sie wenig zu tun. Für den eher hoch im Außenpolitischen trabenden Mißfelder ist das eigentlich kein Amt. Er trat trotzdem an. Den Parteitagsdelegierten war seine Bewerbung allerdings suspekt. Normalerweise bekommen Schatzmeister Bombenergebnisse – schon aus Dankbarkeit für das Pflichtbewusstsein. Doch Mißfelder bekam beim Parteitag nur gut zwei Drittel der Stimmen.

Zwei Tage später, am 28. April, flog Mißfelder nach Russland zu einer nachträglichen Geburtstagsfeier für Gerhard Schröder. Die von Gazprom dominierte Nord-Stream hatte eingeladen. Um pünktlich zu sein, verließ Mißfelder vorzeitig eine CDU-Präsidiumssitzung in Berlin. Er sagte weder der Parteivorsitzenden Angela Merkel Bescheid, noch informierte er die Fraktionsführung. In der Ostukraine saßen zu diesem Zeitpunkt deutsche OSZE-Beobachter in Geiselhaft. In Sankt Petersburg wurde Putin am Abend von Gerhard Schröder umarmt. Die Union tobte, Fraktionschef Kauder schimpfte auf Schröder. Dann erst wurde bekannt, dass auch Mißfelder dabei war. Peinlich.

Mißfelder geriet daraufhin unter Druck. Außenpolitiker wie Norbert Röttgen oder Andreas Schockenhoff schüttelten die Köpfe, Kauder schäumte. Aber Mißfelder durfte dennoch außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion bleiben. Die „Bild“-Zeitung stand ihm bei.

Kauder haue manchmal „voll daneben“, schrieb das Springer-Blatt. Der Unions-Fraktionsvorsitzende habe sich Mißfelder „als Opfer auserkoren“ und ihm den Rausschmiss angedroht. Doch das sei schiefgegangen, nun sei Kauders „Führungskraft“ selbst „angeknackst“. Mißfelder gab „Bild“ ein Kurzinterview und schweigt seitdem dazu.

Der Blick nach Osten ist nicht neu

Die Frage bleibt, warum Mißfelder in St. Petersburg mit Schröder gefeiert hat. Er sagte „Bild“: „Weil ich ihn als früheren Bundeskanzler schätze und wir ein gutes Verhältnis pflegen.“ Aber wieso fühlt er sich Schröder so verbunden, dass er seine Parteivorsitzende sitzenließ und den Fraktionschef ahnungslos? Warum schickt er Journalisten, die ihn sprechen möchten, einschüchternde Briefe aus der Anwaltskanzlei des CSU-Politikers Peter Gauweiler ins Haus – der sich zurzeit erklärtermaßen Sorgen über das „Russland-Bashing“ macht und nicht zulassen will, dass Russland „von Kiew und anderen“ aus Europa ausgegliedert werde? Wieso antwortet die von Mißfelder beherrschte Junge Union auf unsere Nachfragen ebenfalls mit einem Anwaltsbrief – diesmal aus der Kanzlei des früheren SPD-Abgeordneten Peter Danckert?

Drei Wochen nach seiner Russland-Reise teilte Mißfelder mit, er werde im Dezember nicht wieder für seinen Platz im CDU-Präsidium kandidieren. Er hatte nach dieser Geschichte sowieso keine Chance mehr.

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