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Philipp Daniel Merckle : Der Eigentümer räumt auf - ohne Vorwarnung

Egal, was zu Zeiten von Vater Adolf und Bruder Ludwig Merckle bei Ratiopharm noch gebilligt wurde - seit August macht der Sohn des Firmenpatriarchen, Philipp Daniel Merckle, im Unternehmen reinen Tisch. Als erster geht Pharmamanager Claudio Albrecht.

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          In Familienunternehmen kann es ganz schnell gehen: Morgens noch Chef, mittags schon nicht mehr. Diese Erfahrung machte am Donnerstag der Pharmamanager Claudio Albrecht. Fünf Jahre saß der Österreicher im Führungsgremium des Ulmer Generikaherstellers Ratiopharm. Noch im Frühjahr wurde der Vertrag des einstigen Novartis-Geschäftsführers um drei Jahre verlängert. Jetzt mußte er Hals über Kopf sein Büro räumen. Da braucht es keinen Aufsichtsrat, der langwierig einberufen werden muß, da braucht es nur einen Familienrat, der sich einig ist - wie im Fall der Merckles. Nun sitzt Philipp Daniel Merckle, der Gesellschafter und Eigentümer, selbst auf dem Chefsessel.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hinter dem Schwenk steckt kein übertriebener Ehrgeiz eines jungen gelangweilten Reichen, der auch mal ran will. Die Geschichte hat vielmehr zu tun mit einer Prise Aktionismus, mit einer ordentlichen Portion Familienbande - und viel mit Moral und Durchsetzungswillen.

          In natura noch unbedarfter

          Die letzte Eigenschaft würde man Philipp Daniel Merckle nicht als allererstes zuschreiben. In natura wirkt der 39 Jahre alte Sproß der schwäbischen Milliardärsfamilie noch jungenhafter und unbedarfter als auf Fotos. Leuten, die er nicht kennt, begegnet er in seinem schlicht und modern eingerichteten Büro auf dem Ratiopharm-Gelände in Ulm ein wenig unsicher. Immerhin bricht ein wenig Stolz durch - aber auch nur ein ganz klein wenig - wenn er sie mit auf den Büro-Balkon nimmt und mit sparsamer Geste die Expansion der Werkshallen demonstriert.

          Merckle scheint der Gegenentwurf zum bisherigen Ratiopharm-Chef Albrecht. Hier ein leutseliger und lässiger Manager, dort ein schüchterner Familieneigner. Beide Bilder treffen die Wahrheit nur halb. Albrecht mußte auch wegen seines Führungsstils gehen - und der soll allzu autoritär und selbstbezogen gewesen sein, wenn man Stimmen aus dem Umfeld der Familie glauben darf. Merckle wiederum beweist, daß er im Fall des Falles durchgreift und auch vor einem Rauswurf des Führungspersonals nicht zurückschreckt - selbst wenn diesem Führungspersonal nach bisherigem Kenntnisstand eine strafbare Verfehlung nicht vorgeworfen werden kann. Die aggressiven Vertriebsmethoden der Firma Ratiopharm, die Vorteilsgewährung für Ärzte und Apotheker, sind in der Branche schon seit längerem bekannt und wohl nicht gesetzeswidrig.

          Der Sohn will nicht so weitermachen wie bisher

          Das mag zu Zeiten von Vater Adolf und Bruder Ludwig bei Ratiopharm noch gebilligt worden zu sein. Im August aber hat der Firmenpatriarch seine Nachfolge geregelt und seinem Sohn Philipp Daniel die Zuständigkeit für die Pharmasparte übergeben. Dieser Sohn will nicht so weitermachen wie bisher, wie er schon im September klarmachte. "Für mich als Unternehmer muß es ein übergeordnetes Motiv geben: Nicht nur das Geld", erklärte er damals in einer Mitarbeiterversammlung. Er wolle vielmehr eine Ära prägen, die wirtschaftlich bedeutsam sei und zugleich ein "Lebensfeld schaffen, in dem sich jeder entwickeln kann". Gerne spricht der Vater von fünf Kindern von einem Unternehmen als einer "Menschengemeinschaft".

          Merckle stellt sich gerne die Frage: "Für was stehe ich als Eigentümer?". Eine Frage, mit der sich offenbar Vater und Bruder nur eingeschränkt auseinandersetzten. In der Öffentlichkeit hatten die Merckles noch nie einen guten Stand - auch deshalb, weil sie sie mieden wie die Pest. Von Familienkennern ist zu hören, daß sie das Geschäft laufen ließen; Hauptsache, es lief. Jetzt wundert man sich über einen scharfen medialen Gegenwind.

          "Mein Vater war und ist in manchen Punkten zu sehr in sich gefangen", sagt Sohn Philipp Daniel und fügt hinzu: "Er ist ein großartiger Vater. Wir lieben ihn und verdanken ihm viel." Jedoch habe er es versäumt, die richtigen Fragen zu stellen und Grenzen zu setzen. Das versucht der Sohn jetzt nachzuholen.

          Im Jahr 2002 hielt Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht einen Vortrag mit dem Titel "Wirtschaft und Ethik - Die Verantwortung der Pharmaindustrie". Gut möglich, daß jetzt, zumindest bei Ratiopharm, in dieser Hinsicht Nägel mit Köpfen gemacht werden.

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