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Pfingstgottesdienste : Aufruf zu Versöhnung und Engagement

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Kardinal Joachim Meisner möchte, dass sich die Kirche vom Weltbild-Verlag trennt. Bild: AP

Versöhnung, Frieden und Hilfe für die Opfer der Zyklon-Katastrophe in Burma waren die zentralen Themen der Pfingstgottesdienste. In Rom rief Papst Benedikt XVI. zum Ende der Gewalt im Libanon auf. Unterdessen hat der Kölner Kardinal Meisner die Deutschen als ein „geistvergessenes Volk“ bezeichnet.

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          Versöhnung, Frieden und Hilfe für die Opfer der Zyklon-Katastrophe in Burma waren die zentralen Themen der Pfingstgottesdienste. In Rom rief Papst Benedikt XVI. am Sonntag zum Ende der Gewalt im Libanon auf. „Der Dialog, das gegenseitige Verständnis und die Suche nach einem vernünftigen Kompromiss sind der einzige Weg, der dem Libanon seine Institutionen zurückgeben kann und der Bevölkerung die notwendige Sicherheit, um ein würdiges Leben voller Hoffnung auf ein Morgen führen zu können“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz.

          Zuvor hatte Benedikt im Petersdom die traditionelle Pfingstmesse gefeiert. Dabei rief er zur Versöhnung zwischen den Menschen auf. „Der Frieden Christi verbreitet sich nur durch die erneuerten Herzen von Männern und Frauen, die sich versöhnt haben und die der Gerechtigkeit dienen, bereit dazu, den Frieden auf der Welt zu verbreiten.“ Weiter betonte der Papst, dass die katholische Kirche keine „Föderation von Kirchen“ sei, sondern eine „einzige Realität“, der zahlreiche verschiedene Sprachen und Kulturen angehörten. Wichtig sei die „Akzeptanz dieser Unterschiedlichkeit“.

          „Christen sind keine Zaungäste“

          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, forderte die Menschen zu mehr Miteinander in einer globalisierten Welt auf. „An der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, sollen die Quellen sichtbar werden, aus denen wir leben. Miteinander statt Gegeneinander, Versöhnung statt Vorurteile, Verantwortung statt Desinteresse, Gemeinschaft statt Egoismus - das sind die Markenzeichen des Heiligen Geistes, das ist der Weg der Kirche in die Zukunft“, sagte der Freiburger Erzbischof in seiner Pfingstpredigt im Freiburger Münster.

          Zollitsch bezeichnete die Kirche als „Wegbegleiter der Menschen“. Sie sei kein „religiöser Verein“, sondern eine Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Christen seien nicht Zaungäste, sondern Mitgestalter der Gesellschaft, so der Freiburger Erzbischof.

          Huber: Bekenntnis zur Ökumene

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, warnte vor Kleinmut und Resignation: Der Geist Gottes lade ein zur Umkehr und zu einem neuen Anfang.Zum Thema Ökumene sagte Huber: „Wir feiern das Fest gemeinsam mit den Schwestern und Brüdern in der weltweiten Christenheit.“ Der Geist Christi verbinde die Menschen miteinander, heißt es in einem Beitrag des Berliner Bischofs in der „Rhein-Neckar-Zeitung“

          Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, hofft auf ein „neues Pfingsten“ für die katholische Kirche. Die Gläubigen müssten dem Heiligen Geist allerdings eine Chance geben, sagte Marx am Sonntag in München. Die Kirche feiert das Pfingstfest alljährlich 50 Tage nach dem Osterfest. Diese Zeitspanne wurde aus der jüdischen Tradition übernommen. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der auf die Apostel herabkam, als diese in Jerusalem versammelt waren, und bildet im Kirchenjahr den Abschluss des Osterfestkreises.

          Meisner: „Ein geistvergessenes Volk“

          Der Kölner Kardinal Joachim Meisner bekräftigte indes seine Forderung nach umfassendem Lebensschutz. Es sei schrecklich, dass der Mensch „in einer Gesellschaft wie der unsrigen“ am Anfang und am Ende seines Lebens nicht geschützt werde, „sondern der Gefahr ausgesetzt wird, sofort getötet zu werden, bevor er die Welt betritt“, sagte er am Sonntag im Kölner Dom.

          Meisner bezeichnete die Deutschen als ein „geistvergessenes Volk“. Mit Blick auf Abtreibungen sagte der Erzbischof am Sonntag in einem Interview des Deutschlandfunks: „Ein geistvergessenes Volk ist ein Volk, das das Leben unter sich selbst vernichtet.“

          Meisner forderte einen Kurswechsel in der Familienpolitik. Es sei schlimm, dass die Familie weitgehend unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie gesehen werde.

          Scharfe Kritik äußerte der katholische Theologe auch am Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (beide CDU) in der Stammzelldebatte. Wenn diese beiden Mitglieder einer christlichen Partei „eindeutig Stellung genommen hätten, wäre das Ergebnis schon wahrscheinlich ganz anders ausgefallen“, mutmaßte Meisner. Der Bundestag hatte im April die Auflagen für die Forschung mit embryonalen Stammzellen gelockert.

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