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Petersburger Dialog : Das überfällige Ende einer Inszenierung

Gerhard Schröder und Wladimir Putin während des ersten Petersburger Dialogs im April 2001 Bild: Picture Alliance

Der Petersburger Dialog hatte seinen Anteil daran, dass der deutsche Blick auf Russland so lange von Lobbyisten des Kreml-Regimes geprägt werden konnte.

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          Ein Grund zur Trauer ist das Ende des Petersburger Dialogs nicht. Mit seiner formellen Auflösung wird ein schon lange überfälliger Schlussstrich unter eine Imitation von zivilgesellschaftlichen Kontakten gezogen, die seit Jahren mehr geschadet als genutzt hat. Dabei war die Grundidee dieses Formats vor gut zwanzig Jahren sinnvoll: Es sollte ein institutioneller Rahmen geschaffen werden, um den Dialog zwischen den Gesellschaften Russlands und Deutschlands zu fördern, ihm politische Aufmerksamkeit verschaffen und ihn zu einem festen Bestandteil der Beziehungen zwischen beiden Ländern machen.

          Doch auf russischer Seite handelte es sich von Anfang an um eine staatliche Inszenierung; je autoritärer das Regime von Wladimir Putin wurde, desto linientreuer waren die von Russland benannten Teilnehmer.

          Und auf der deutschen Seite dominierte viele Jahre die russlandpolitische Linie Gerhard Schröders, der den Petersburger Dialog als Bundeskanzler gemeinsam mit Putin ins Leben gerufen hatte. Lange Jahre spielte die deutsche Führung der Veranstaltung bereitwillig das Spiel des Kremls und diffamierte eine realistische Einschätzung der russischen Politik als „russlandfeindlich“. So hat der Petersburger Dialog seinen Anteil daran, dass der Blick auf Russland in der deutschen Öffentlichkeit so lange von Lobbyisten des Kremls geprägt werden konnte.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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