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Péter Eszerházy : Also: die Keule

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Aber die Sprache der Literatur ist nicht die der Verständigung, sondern die des Schöpferischen. Aus nichts etwas machen - das ist nichts für Gentlemen. Die Literatur ist kein Haustier, sie ist nicht gezähmt, theoretisch zumindest nicht. Die Literatur ist nicht für Literaturpreise geschaffen. Die Literatur gehört nicht zur Rechtmäßigkeit, nicht zur Toleranz, sondern zur Leidenschaft und zur Liebe. Die Literatur ist kein Botschafter des Friedens; sollte der Botschafter überhaupt jemandem gehören, dann der Freiheit. Die Freiheit aber will mal den Frieden, mal den Krieg.

Ich hätte gerne auch das Kuttelgulasch in dieser Rede auftreten lassen, dafür bleibt jetzt keine Zeit mehr, ein bißchen über den Eintritt in die EU wäre auch recht gewesen, und das Wort möge hätte eine größere Rolle spielen sollen. Ich bin einfach glücklich, wenn in einem deutschen Text einmal möge auftaucht. Bei mir spielt das Wort in einem ungarischen Text schon eine Rolle, hogy mög-e van-e irva, Pétörkém, elnézést. (Steht das schon geschrieben, Peterchen? [in Szegediner Mundart] Verzeihung.) Darüber aber in einer anderen Dankesrede.

Die Liste der Friedenspreisträger hat mich im ersten Augenblick umgeworfen. Ich habe sie aus einem falschen Blickwinkel gesehen. Bei dieser Liste geht es nicht um Eitelkeiten, es geht nicht darum, wer sich auf der Liste befindet und wer nicht. Diese Liste sagt vor allem, daß es diese Liste gibt, und sie ist nicht einfach eine Bestsellerliste, sondern eine allgemeine Übereinkunft, also eine Tradition. Das alles ist immer weniger selbstverständlich.

Diese Liste belegt zwar nicht unmittelbar das Vorhandensein und die Beständigkeit eines nicht näher bestimmten Geistes, aber sie erinnert betont und glaubwürdig an diesen Geist, in dessen Mittelpunkt das Buch steht. Und dieses Erinnern macht das Schreiben möglich. Auf die Schnelle könnte ich kaum erklären, warum ich schreibe, Sándor Petöfi und Sartre kannten in dieser Hinsicht bessere Antworten - aber es ist dieses Erinnern, das das Schreiben ermöglicht.

Mein Dank bezieht sich auf diesen Hintergrund, daher ist mein Dank nicht einfach höflich. (Wobei die Höflichkeit nicht zu unterschätzen ist.) Dieser Ernst ist für mich also ein fröhlicher Ernst, keine bedrückende Erbschaft, an der man sich lächerlich und bedauernswert messen müßte, dieser Ernst bedeutet eine Chance, eine Möglichkeit und Zeit, time, wie es bei Mick Jagger so schön heißt: time is on my side. (Yesitis, Yesitis.)

Jetzt, angesichts des Ortes, an dem wir uns befinden, und angesichts der Zeit: Sonntag vormittag, kann ich sagen, daß sich die Riechmesse ihrem Ende nähert, daher: Gehet in Frieden - spreis. Also sprach Kornél Esti.

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Aus dem Ungarischen von Zsuzsanna Gahse

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