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Peru : Wahrheitskommission geht von fast 70.000 Terror-Toten aus

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          1 Min.

          Die Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen in Peru zwischen 1980 und 2000 geht von fast 70 000 Todesopfern politisch motivierter Gewalt aus. Zu diesem Ergebnis kommt der am Donnerstag (Ortszeit) in Lima veröffentlichte Abschlussbericht der Kommission unter Leitung des Universitätsrektors Salomón Lerner Febres. Bisher war von höchstens 30.000 Toten die Rede gewesen.

          Von 1980 an hatte die maoistische Terrororganisation „Sendero Luminoso“ (Leuchtender Pfad) in Peru Angst und Schrecken verbreitet. Aber auch das Militär verübte bei der Bekämpfung der Maoisten Menschenrechtsverbrechen. Präsident Alejandro Toledo mahnte, den Bericht „ohne Vorurteile und Hass“ aufzunehmen. „Ich rufe das Land auf, in die Zukunft zu sehen und der Vergangenheit mit Mut entgegenzutreten, damit wir versöhnt werden“, sagte Toledo. Es sei jetzt Aufgabe der Justiz, die Frage individueller Schuld zu prüfen. Lerner bezeichnete die 20 Jahre als „eine Zeit nationaler Schande“.

          Es habe sich um systematische Menschenrechtsverbrechen gehandelt. Nur die Wahrheit könne eine Wiederholung der Gewalt verhindern. Die meisten Todesopfer habe es durch Aktionen von „Sendero Luminoso“ gegeben. Auslöser der Gewalt sei jedoch die auch heute noch bestehende soziale Ungerechtigkeit in dem südamerikanische Land gewesen, sagte Lerner. Bei dem inzwischen sehr geschwächten „Leuchtenden Pfad“, dessen Anführer Abimael Guzman inhaftiert ist, handele es sich nicht um „Rebellen, weil sie den Staat nicht verändern, sondern zerstören wollen“, sagte Lerner kürzlich in einem Interview.

          Ihre Ideologie sei höchstens mit der Pol Pots in Kambodscha zu vergleichen. Aber auch die Sicherheitskräfte hätten sich systematische Menschenrechtsverbrechen zu Schulden kommen lassen. Überlebende hatten von der Ermordung ganzer Dorfgemeinschaften durch Militärs berichtet. In dem Bericht werden etwa 100 frühere Armeeangehörige genannt, gegen die Strafverfahren eröffnet werden sollten.

          Vor allem Anhänger der drei Präsidenten jener Jahre, des konservativen Fernando Belaunde (1980-1985), des sozialdemokratisch ausgerichteten Alan García (1985-1990) und des rechtsextremen, nach Japan geflüchteten Alberto Fujimori (1990-2000), wehrten sich gegen die Vorwürfe. Die Opferzahlen seien zu hoch und das Militär solle mit den linken Gruppen auf eine Stufe „herabgewürdigt“ werden.

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