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Corona-Pandemie : Erstmal keine Entwarnung, aber mehr PCR-Tests

  • -Aktualisiert am

Lauterbach auf dem Weg zur Bundespressekonferenz Bild: EPA

Gesundheitsminister Lauterbach kündigt eine neue Teststrategie an: Danach soll es mehr PCR-Tests geben. Von Entwarnung in der Omikron-Welle will er nicht sprechen. Das könnte erst Ostern der Fall sein.

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          Auch künftig haben Bürger nach einem positiven Ergebnis eines Antigen-Schnelltests oder Selbsttests Anspruch auf eine Bestätigung durch einen PCR-Test. Eine entsprechende Testverordnung hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) noch für diese Woche angekündigt und sprach von einer „Veränderung der Position“. In einem vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Entwurf der Testverordnung war noch geplant, den Anspruch auf Nachtestung durch PCR auszusetzen, was zunächst mit einer zu großen Knappheit der PCR-Tests begründet wurde. Das war offenkundig eine falsche Befürchtung. Die vorhandene Kapazität von PCR-Tests werde selbst dann reichen, wenn eine tägliche Anzahl von bis zu 450 000 Corona-Neuinfektionen erreicht werde. „Und ich glaube, dass wir das nicht erreichen werden“, sagte Lauterbach kurz vor dem erwarteten Höhepunkt der Omikron-Welle.

          Allerdings bleibt es bei einer Priorisierung der PCR-Tests für Risikogruppen wie immunsupprimierte Patienten sowie Beschäftigte in Kliniken, Praxen, in der Pflege sowie in Einrichtungen und Diensten der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung. Für alle anderen ist die Priorisierung mit einer längeren Wartezeit auf das Ergebnis verbunden. Beim Freitesten nach einer Corona-Infektion soll ein Antigentest ausreichen. Hier sei der Antigentest dem PCR-Test sogar überlegen, wenn es um den Nachweis gehe, ob ein Infizierter noch ansteckend sei oder nicht, sagte Lauterbach.

          Insgesamt sieht der Minister Deutschland in einer schwierigen Lage, weil es die zweitälteste Bevölkerung innerhalb Europas und dazu eine viel zu große Impflücke gerade unter den Älteren aufweist. Vor einer zu plötzlichen Aufhebung der Corona-Maßnahmen hat Lauterbach ausdrücklich gewarnt, weil sie die Welle deutlich verlängern könnte. Allerdings rechnet Lauterbach mit Lockerungen „deutlich vor Ostern“. Während in den ersten Wochen der Omikron-Welle vor allem die Jungen erkrankten, scheinen die Infektionen immer stärker auf die Älteren überzugreifen, was sich an steigenden Hospitalisierungszahlen und einer höheren Fallzahl an Intensivpatienten zeigt.

          „Wir sollten dafür Sorge tragen, dass möglichst wenige Kinder infiziert werden“

          Zwar ist der Anteil der schwer Erkrankten durch die Omikron-Mutante geringer als bei der Delta-Variante, bei den über 80 Jahre Alten müssen trotzdem drei von zehn ins Krankenhaus eingeliefert werden, bei Delta waren es fünf von zehn. Eine Auffrischungsimpfung schützt nach den Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts (RKI) deutlich vor einem Krankenhausaufenthalt, aber auch vor schweren Verläufen und dem Tod. „Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in der Gruppe der über 80-Jährigen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Ein deutlich höheres Risiko zeige sich bei Ungeimpften, das gelte für alle Altersgruppen. Unklar sind laut Wieler auch die Langzeitfolgen bei infizierten Kindern und Jugendlichen. Es mehren sich aber die Hinweise auf Long-Covid-Symptome bei Kindern, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben. „Wir sollten dafür Sorge tragen, dass möglichst wenige Kinder infiziert werden“, sagte Wieler und verwies auf die Empfehlungen des RKI für Schulen und die Bedeutung der FFP2-Maskenpflicht.

          Entschieden widersprach der RKI-Präsident dem Eindruck, das Pandemiegeschehen wegen der Untererfassung der Infektionen nicht genau genug zu kennen. Das RKI könne die Situation anhand der vorhandenen Indikatoren sehr genau einschätzen. Derzeit seien die Krankenhäuser belastet, aber nicht überlastet, 2400 Covid-Kranke lägen auf den Intensivstationen. Ungewiss sei, wie sich die Anzahl der Todesfälle weiter entwickle. Auch an diesem Dienstag wurden wieder 177 an oder mit Corona Gestorbene gemeldet. Die Todesfälle könnten aber noch einmal steigen, wenn eine größere Anzahl mit Omikron infizierter Älterer schwer erkranke. Es gehe jetzt darum, die verletzlichen Mitmenschen sowie die kritische Infrastruktur zu schützen. In wenigen Wochen werde Omikron überstanden sein und könne entspannt Ostern gefeiert werden. Wieler widersprach der trügerischen Hoffnung, dass das SARS-CoV-2-Virus nach der Omikron-Welle verschwunden sein könnte.

          „Keiner ist auf diesem Planeten sicher, wenn nicht alle sicher sind“

          Die Kritik der FDP an seiner Amtsführung ließ er abperlen und startete eine Charmeoffensive: „Wir sind uns doch so sehr ans Herz gewachsen“, meinte Wieler augenzwinkernd vor der Bundespressekonferenz in Berlin, dass er selbst an seinem 61. Geburtstag an der Seite des Gesundheitsministers Rede und Antwort stehe.

          Der Direktor des European Bioinformatics Institute des European Molecular Biology Laboratory in Cambridge, Rolf Apweiler, verwies auf die Notwendigkeit einer hohen Impfquote auf globaler Ebene sowie einer weltweiten Genom-Sequenzierung. Je mehr Menschen auf der Welt nicht geimpft seien, desto mehr Infektionen gebe es und desto mehr neue Varianten entstünden auch. „Keiner ist auf diesem Planeten sicher, wenn nicht alle sicher sind“, sagte Apweiler. Er beklagte die engen deutschen Datenschutzrichtlinien, die Studien wie in Dänemark oder im Vereinigten Königreich verhinderten.

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