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„Partygate“ : Johnsons „Demut“ nach dem Gray-Bericht

Dokument der Widersprüchlichkeit: Fotos wie dieses zeigen, dass Johnson bewusst gewesen sein muss, sich nicht auf „work events“ zu befinden. Bild: dpa

Im Londoner Regierungsviertel kam es trotz Pandemie zu Saufgelagen, Karaoke-Wettbewerben und Rangeleien. Dem lange erwarteten Bericht zum „Partygate“ folgt aber kein politisches Erdbeben. Johnson bleibt im Amt.

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          Schon am Tag nach der Veröffentlichung des lang erwarteten „Gray-Berichts“ richteten die Konservativen die Blicke wieder nach vorn. Minister erinnerten am Donnerstag an die politischen Herausforderungen, die vor der Nation lägen, und der Schatzkanzler stellte ein milliardenschweres Hilfspaket vor, das die Bürger von den steil ansteigenden (Heiz-)Kosten entlasten soll. Der Tory-nahe „Daily Telegraph“, der noch im Januar das politische Ende des Premierministers wegen des „Partygate“ vorausgesagt hatte, beendete seinen Leitartikel mit den Worten: „Jetzt ist die Zeit für starke Führung und eine kompetente Regierung . . . Mr. Johnson muss nun zeigen, dass er beides liefern kann.“

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Das politische Erdbeben, das manche von der Untersuchung der Spitzenbeamtin Sue Gray erwartet oder auch erhofft hatten, blieb aus. Sie bestätigte im Wesentlichen, was schon durch Zeitungsrecherchen und polizeiliche Ermittlungen bekannt geworden war. Allerdings enthielt der Bericht eine Reihe pikanter Zusatzinformationen, welche die Kluft zwischen dem Geschehenen und den Erklärungen des Premierministers noch einmal deutlicher zutage treten ließen. Dazu gehören Details, die den Grad der Ausgelassenheit illustrieren. Während anderswo im Land coronabedingte Kontaktbeschränkungen galten, kam es im Regierungsviertel zu Saufgelagen, Karaoke-Wettbewerben und Rangeleien; auch von Erbrochenem war die Rede. Die längste Party endete um vier Uhr morgens. Unerfreuliche Lektüre für Johnson sind auch E-Mails und Textnachrichten von Mitarbeitern, die keinen Zweifel mehr an ihrem Unrechtsbewusstsein lassen. „Sieht so aus, als seien wir ungestraft davongekommen“, schrieb Johnsons Referent nach einer Party an Kollegen. Vor der Party war gewarnt worden, dass man wegen einer Covid-Pressekonferenz in der Downing Street die Festivität mit Vorsicht vorbereiten sollte. Es gebe „ein gewisses Risiko in der gegenwärtigen Lage“.

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