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Parteinachwuchs : Jusos hoffen auf neue Streitkultur

  • -Aktualisiert am

Stellvertreterin will Juso-Chefin werden: Barbara Gersmann Bild: Barbara Gersmann

Im Streiten sind sie gut. Allerdings nur, wenn es um Personen geht, sagt der Vorsitzende der Jungsozialisten Benjamin Mikfeld.

          2 Min.

          Neue Streitkultur soll die Jungsozialisten auszeichnen, sagt Barbara Gersmann. Die stellvertretende Vorsitzende bewirbt sich neben Niels Annen beim Bundeskongress der SPD-Jugendorganisation vom 15. bis 17. Juni in Köln um die Nachfolge von Benjamin Mikfeld, der nach nur zwei Jahren nicht wieder antritt.

          Gut, dass Gersmann gleich ihre rote Wahlbroschüre mitgebracht hatte. Dort konnte man das eine oder andere nachlesen, was einem vielleicht angesichts des Wortschwalls der Schnellrednerin entgangen war. Vor allem geht es der 26 Jahre alten Politikerin um eine „neue und professionelle Streitkultur“.

          Mit Streitkultur umschrieb die Mutterpartei SPD bis noch vor gar nicht allzu langer Zeit den Umstand, dass sie sich in den meisten Fragen nicht einig war. Die Tatsache, dass in den letzten Jahr nicht mehr von Streitkultur die Rede war, ist weder in der Partei beklagt worden noch hat die SPD dadurch offenkundigen Schaden erlitten.

          Kandidiert für den Juso-Vorsitz: Niels Annen

          Grabenkämpfe

          Bei den Jusos ist das offenbar anders. Wenn der derzeitige Vorsitzende Mikfeld nach nur zwei Jahren geht, dann hat das seinen Grund. Der liegt in Reibereien innerhalb des Jugendverbands. In einer am Montag veröffentlichten Erklärung beklagt der 28 Jahre alte scheidende Vorsitzende denn auch den Zustand der Jungsozialisten: „Wer auch immer meint, die seit Ende der sechziger Jahre üblichen Grabenkämpfe fortführen zu müssen, geht unverantwortlich mit unserem gemeinsamen Verband um, schadet der Sozialdemokratie und wird auf unseren gemeinsamen Widerstand stoßen.“

          „Laden fit machen“

          Unterschrieben ist diese Erklärung auch von Gersmann, die dem gegen Mikfeld gerichteten „Koblenzer Kreis“ angehört. Mikfeld gilt denn auch nicht als Unterstützer der Bewerbung Gersmanns; seine Sympathie gehört offenkundig dem ruhiger wirkenden Hamburger Kandidaten Annen (28). So sagt Mikfeld zu seiner Nachfolge, er halte Kandidaten für „nicht besonders glaubwürdig“, die bisher im Verband „an der vordersten Front der Auseinandersetzung“ gestanden hätten.

          Streit und Ausstrahlung

          Für die temperamentvolle Gersmann bedeutet Streitkultur, dass der Verband „auch die unterschiedlichen Standpunkte aushalten“ kann. Die üblichen Rituale und Beißreflexe müssten der Vergangenheit angehören. Gersmann will die Jusos zu einem „streitbaren, ausstrahlungs- und handlungsfähigen Jugendverband“ machen. Ein Ziel scheint ihr auszureichen: „Ich will den Laden fit machen.“ Mehrfach betonte die selbstbewusste Kandidatin, die sich zum linken Flügel zählt, dass sie von zahlreichen Bezirken und Landesverbänden unterstützt werde.

          Bildung und Familie

          Was die Politikschwerpunkte anbelangt, so haben die Studentin der Jurisprudenz und der Student der Geschichtswissenschaften und Geographie mit Bildung und Familienpolitik zwei Themen gemeinsam. Annen möchte zudem den Kampf gegen Rechts in den Vordergrund stellen. Anspielend auf die Querelen der letzten Monate hofft der Hamburger, dass „am Ende meiner Amtszeit wieder inhaltliche Positionen besetzt sind“ und nicht personelle Streitigkeiten dominiert haben.

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