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Papstwahl : Sedisvakanz - Zeit zwischen zwei Päpsten

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Die Kirche braucht ein neues Oberhaupt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Papst ist tot. Für die Zeit zwischen den Amtszeiten zweier Päpste und die Wahl des neuen Kirchenoberhauptes gelten strenge Regeln - bis der weiße Rauch verkündet: habemus papam.

          Papst Johannes Paul II. ist am Samstag nach schwerer Krankheit gestorben. Gebannt wird die Welt nun jeden Vorgang zwischen dem Ende des Pontifikates und dem „Habemus Papam“ verfolgen, mit dem ein neuer Papst verkündet wird. Dazwischen liegt die Sedisvakanz, die Zeit, in der der Apostolische Stuhl verwaist ist.

          Unmittelbar nach dem Tod von Johannes Paul II. um 21.37 Uhr wurde die Nachricht den rund 60.000 ausharrenden Gläubigen auf dem Petersplatz verkündet. Die Kirchenglocken läuteten. Der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte die Aufgabe, die Botschafter im Vatikan und die Staats- und Regierungschefs zu informieren.

          Neun Tage Trauer

          Der Papst soll neun Tage betrauert werden. Sein Leichnam wird in den Petersdom überführt und dort für die Gläubigen aufgebahrt. Die Bestattung soll nach Wunsch von Johannes Paul II. zwischen dem vierten und dem sechsten Tag stattfinden. Die vergangenen Päpste sind in der Krypta unter dem Petersdom begraben. Eine Treppe an einem Pfeiler nahe der Kuppel des Doms führt in die Grotten hinab.

          Während der Stuhl Petri verwaist ist, leitet das Kardinalskollegium die Geschicke der römisch-katholischen Kirche. Sie dürfen allerdings nur die alltäglichen Geschäfte der Kirche führen. Mögliche Versuche, während der Sedisvakanz nachträglich Korrekturen am Kurs des verstorbenen Papstes vorzunehmen oder sonstige Entscheidungen zu treffen, die nur dem Papst obliegen, erklärte Johannes Paul II. von vornherein für nichtig und ungültig.

          Machtkämpfe oder der Heilige Geist - das Konklave

          Die Kardinäle haben mindestens 15 Tage Zeit, um aus der ganzen Welt zur Papstwahl nach Rom zu strömen. Spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes jedoch müssen sich alle wahlberechtigten Kardinäle ins sogenannte Konklave begeben, um einen neuen Papst aus ihrer Mitte zu wählen. Über den neuen Pontifex dürfen nur die Kardinäle bestimmen, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Fernbleiben dürfen sie nur aus schwer wiegendem Grund, der von dem Kardinalskollegium anerkannt werden muß. In feierlicher Chorkleidung ziehen die höchstens 120 Papstwähler singend in das Konklave ein.

          Der Name - vom Lateinischen „cum clave“ für „mit dem Schlüssel“ - ist Programm: Die Kardinäle werden im Vatikan eingeschlossen. Sie dürfen weder Briefe schreiben noch erhalten, nicht telefonieren oder auf andere Art mit Personen kommunizieren, die mit der Wahl nichts zu tun haben. Sie wohnen - nachdem es bei dem vorletzten Konklave Beschwerden über die schlechte Unterbringung und eine in den Zimmern herrschende „Hitze wie im Backofen“ gegeben haben soll, nun in einem Gästehaus im Vatikan. Die Wahl selbst findet in der Sixtinischen Kapelle statt und ist streng geheim. Die Räumlichkeiten sind - so wollte es Johannes Paul II. - vor Beginn des Konklave auf technische Geräte zur Aufzeichnung zu untersuchen.

          Strenge Regeln bis hin zur Farbe des Rauches

          Zwar ist der Ablauf des Konklave bis hin zu den Eidformeln, der Anzahl der pro Tag zulässigen Wahlgänge und der Form der Wahlzettel strengstens geregelt. Über alles andere jedoch müssen die Kardinäle Geheimhaltung schwören. Ob die Vorgänge unter den Fresken Michelangelos dann von Machtkämpfen oder vom Heiligen Geist bestimmt werden, ist Glaubenssache. Den Kardinälen ist es jedenfalls bei Androhung der Exkommunikation verboten, Abkommen oder Verträge zu schließen. Für den Fall, daß doch welche geschlossen werden, sind sie von vornhinein ungültig.

          Die einzige Verbindung der Außenwelt zum Konklave ist in dieser Zeit ein kleiner Schornstein über der Kapelle. Steigt daraus schwarzer Rauch auf, erreichte keiner der Kandidaten die notwendige Mehrheit. Erst wenn einer der Kardinäle zwei Drittel der Stimmen plus eine weitere Stimme erreicht, ist der neue Papst gewählt, aus dem Schornstein steigt weißer Rauch auf. Dann eilen die Römer auf den Petersplatz, um dabei zu sein, wenn der erste der Kardinaldiakone dem wartenden Volk mit dem „Habemus papam - Wir haben einen Papst“ - den neuen Pontifex präsentiert.

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