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Papstreise nach Afrika : Die Kritik reist mit

  • -Aktualisiert am

Papstgemälde in Jaunde: In Afrika beliebt wie eh und je Bild: AP

Am Vormittag ist Papst Benedikt XVI. zu seiner ersten Reise nach Afrika aufgebrochen. Nach den Querelen der vergangenen Wochen wegen der Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen kann er dort auf einen begeisterten Empfang hoffen. Brisante Fragen bleiben.

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          An diesem Dienstag wird Papst Benedikt XVI. nach Afrika aufbrechen. Sechs Tage lang wird er sich in Kamerun und Angola aufhalten und tun, was seines Amtes ist: die Einheit der katholischen Weltkirche auch im „Kontinent der Hoffnung“ demonstrieren und, wie stets der päpstliche Ehrgeiz, die Gläubigen in ihrem Glauben stärken. Vor drei Monaten hätte sich Joseph Ratzinger, der deutsche Theologieprofessor auf dem Stuhl Petri, kaum vorstellen können, dass er diesmal ganz gern verreist.

          Seit vor sieben Wochen die Entscheidung bekanntgegeben wurde, die Exkommunikation von vier Traditionalisten-Bischöfen zurückzunehmen, verfolgen den Papst Personal-Querelen im Vatikan und Empörungswellen in der Welt. So sehr fühlte sich Benedikt dadurch verkannt und verletzt, dass er an alle Bischöfe, rund 4700, einen Brief schrieb, in dem er seine guten Absichten darlegte und die schlechten seiner Kritiker beklagte. Denn, so das päpstliche Wehgeschrei: „Leider gibt es das ,Beißen und Zerreißen' - von dem schon der Apostel Paulus berichtet - auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit.“ Aber jetzt erst einmal Schwamm drüber in Afrika?

          „Feindschaft gegen Benedikt“

          Kardinalstaatssekretär Bertone, der als „Premierminister“ des Papstes eigentlich für alle Pannen im Vatikan verantwortlich ist, sah am Wochenende Anlass zu verwunderlicher Beruhigung: „Trotz mancher Misstöne ist der Papst nicht allein. Alle seine engsten Mitarbeiter, die Verantwortlichen der Römischen Kurie sind treu und loyal zum Papst und mit ihm zutiefst vereint, angefangen natürlich mit mir.“ Hatte jemand daran gezweifelt? Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Zollitsch, zeigte sich bei einem Besuch in Rom Ende vergangener Woche bestürzt über die „persönlichen Angriffe“ gegen Benedikt, dessen „tiefe Wunden“, an denen „auch ein Papst leidet“.

          Aufbruch nach Afrika: Schwamm drüber?

          Scharen sich Bischöfe und Katholiken nun umso enger um den Papst? Oder vertieft sich „die Feindschaft gegen Benedikt“, die Kardinal Ruini, lange Jahre Generalvikar von Rom und Vorsitzender der italienischen Bischöfe, jetzt ausmachte? Wird sich bei der nächsten Gelegenheit wieder jener „Hass“ gegen Kirche und Papst erheben, den Benedikt in seinem Brief am Werk sieht?

          Streit um die Exkommunikation eines vergewaltigten Mädchens

          Die nächste Gelegenheit steht vor der Tür. Ein wohl neun Jahre altes Mädchen in Brasilien, dessen Schwangerschaft - nach einer Vergewaltigung durch den Stiefvater - beendet worden war, wurde exkommuniziert; brasilianische Bischöfe waren darüber uneins, französische beklagten die „brutale Strenge“ der kirchlichen Entscheidung in Brasilien nach dem kanonischen Recht und deren Verteidigung durch den römischen Kurienkardinal Ré, den Präfekten der Bischofskongregation und Unterzeichner des vatikanischen Dekrets mit der Ex-Exkommunikation. Da bricht wohl immer mehr der wirkliche Grund für Empörung, Feindschaft und Hass gegen den Papst auf.

          Benedikt wundert sich in seinem Brief zu Recht, dass man ihm seine Milde gegenüber den Traditionalisten übelgenommen, dass man ihn als Antisemiten verketzert habe und erst seine jüdischen Freunde ihn von diesem absurden Vorwurf haben befreien müssen. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses zeigte mehr Verständnis für Benedikt als die Bundeskanzlerin Merkel.

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