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Ratzinger und die Missbrauchsfälle : Verbrecher in Soutane

War er persönlich verstrickt? Die Verwicklung Ratzingers in unlautere Machenschaften hat einen Namen: Peter Hullermann. Der heute 63 Jahre alte Geistliche war im Frühjahr 1980 aus dem Bistum Essen nach München umgezogen und dort nach wenigen Monaten wieder in der Seelsorge eingesetzt worden. Ratzinger war damals seit drei Jahren Erzbischof in München und stimmte laut dem Protokoll der Sitzung des Ordinariatsrats der Aufnahme des Essener Priesters zu. Im Dezember 1984 verging sich Hullermann an Minderjährigen. Zwei Jahre später wurde er zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Mark verurteilt. Ratzinger war da schon im Vatikan.

Hullermann hatte seinen Wohnort nicht freiwillig verlegt

Sein Nachfolger Friedrich Kardinal Wetter fand nichts dabei, den vorbestraften Geistlichen, der schon in den achtziger Jahren von einem Psychiater als pädophil und exhibitionistisch identifiziert worden war, weiterhin mit seelsorgerischen Aufgaben zu betrauen. Erst Wetters Nachfolger Reinhard Kardinal Marx beendete im Jahr 2010 die Karriere des weithin beliebten Geistlichen - ohne dass die kirchenrechtliche Voruntersuchung in München, die für ein kirchliches Strafverfahren notwendig ist, bislang abgeschlossen wäre.

Hullermann hatte seinen Wohnort nicht freiwillig vom Ruhrgebiet nach München verlegt - das musste bei der Entscheidung über den Wechsel von der Ruhr an die Isar allen bewusst gewesen sein. Der Personalchef des Bistums Essen hatte seinen Münchner Kollegen im Dezember 1979 nicht im Unklaren gelassen: „Wie ich in unserem Telefonat vor Weihnachten schon mitgeteilt habe, möchte ich Sie bitten, Herrn Kaplan Hullermann für einige Zeit aufzunehmen. Es liegt eine Anzeige aus der Gemeinde vor, dass eine Gefährdung vorliegt, die uns veranlasst, ihn sofort aus der Gemeinde herauszunehmen.“ Hullermann hatte sich in Essen-Rüttenscheid an mehreren Jungen vergangen und sollte aus dem Bistum entfernt werden - immerhin mit der damals noch seltenen Auflage, sich einer Therapie zu unterziehen. Sie stammte vom Essener Bischof Franz Hengsbach, nicht etwa von einem Gericht. Denn Anzeige gegen den Kinderschänder wurde nicht erstattet. Die Eltern der missbrauchten Jungen hatten, so heißt es in einem Protokoll aus dem Jahr 1979, „unter den augenblicklichen Umständen auf eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft verzichtet“. Und das Bistum ebenso.

Bis heute nicht geklärt

Das war den engsten Mitarbeitern Ratzingers klar, als sie die Aufnahme Hullermanns auf die Tagesordnung setzten. Nicht geklärt ist jedoch bis heute, welche Informationen Ratzinger selbst über den Kaplan aus Essen vorlagen - und ob er möglicherweise anders gehandelt hätte, wäre ihm das Ausmaß der Verbrechen des Essener Priesters bekannt gewesen.

Ungewöhnlich war die Aufnahme von Geistlichen anderer Bistümer nicht. Insofern war der Fall Hullermann für den Generalvikar Gerhard Gruber, den Mann an der Spitze der Bistumsverwaltung, wie auch für Personalchef Friedrich Fahr einer unter mehreren - wäre da nicht jenes Schreiben aus Essen gewesen, dem deutlich zu entnehmen war, was der Geistliche sich hatte zuschulden kommen lassen. In der Regel behalf man sich unter Generalvikaren und Personalchefs in solchen Fällen sonst mit Andeutungen. Man verstand einander auch ohne große Worte.

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