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Pilger eigener Art : Hessen warten in Berlin auf den Papst

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Vorbereitungen für den Papstbesuch:das Berliner Olympiastadion Bild: dapd

Die einen haben noch bei Professor Ratzinger studiert, die andere erhofft sich als Muslimin ein Zeichen für das friedliche Miteinander der Religionen: 23 Hessen aus den Bistümern Limburg, Mainz und Fulda sind nach Berlin gekommen, um den Papst zu treffen.

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          Jede Serviette auf den Tischen in der „Hessenstube“ hat ein wenig die Form einer Mitra, der liturgischen Kopfbedeckung der Bischöfe. Sonst aber erinnert im Restaurant der Hessischen Landesvertretung in Berlin wenig an den Papst - weder die Hessenlöwen im Garten noch der Bembel mit Apfelwein auf dem Tresen. Wenn da nicht die Gäste des heutigen Abends wären: 23 Hessen aus den Bistümern Limburg, Mainz und Fulda, die morgen den Papst sehen wollen, und acht weitere aus Bremen und Bremerhaven, die auch in die Landesvertretung eingeladen wurden.

          Bunt gemischt ist die Gruppe, die das Land Hessen zum Abendessen eingeladen hat, und jeder hat seine eigenen Erwartungen an den Papstbesuch. Für die 22 Jahre alte Marianne Gellner, Ministrantenleiterin aus Erzhausen, geht es vor allem darum, „dem Papst einmal so nah wie möglich zu sein“. Im Garten neben ihr steht Iqra Zaidi aus Dietzenbach, eine Muslimin. Die Achtzehnjährige verspricht sich vom für Freitag geplanten Zusammentreffen des Papstes mit Muslimen ein Signal dafür, dass Religionen friedlich zusammenleben können. Elisabeth und Wolfgang Bentrup aus Oberursel verbinden besondere Erinnerungen mit dem Papst, haben sie doch bei ihm, dem Theologieprofessor Joseph Ratzinger, in Regensburg studiert, erinnern sich an eindrucksvolle Vorlesungen. Und Daniel Dere, Limburger Diözesankurat der Pfadfinder, findet es einfach spannend, das Prozedere eines Staatsbesuchs mitzuerleben.

          Genau dafür ist die Pilgergruppe ganz eigener Art in Berlin, denn der Bundespräsident hat Bürger aus den Bundesländern ins Schloss Bellevue eingeladen, wenn er dort den Papst offiziell begrüßt. Die Hessen wurden von der Landesregierung gemeinsam mit den beiden Repräsentanten der Bistümer und evangelischen Kirchen in Hessen sowie dem Landesausländerbeirat ausgewählt. Einige haben ihren Besuch über den offiziellen Empfang für den Papst noch verlängert - Edith Harmsen zum Beispiel. Die Leiterin des Kirchenmusikinstituts des Bistums Fulda will die Messe im Olympiastadion mitfeiern, weil sie eine solch große Messe noch nie erlebt hat. Aber auch sie hat noch andere Erwartungen, etwa die, dass der Papst etwas zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche sagt. Das erwartet auch der Fuldaer Domkapellmeister Franz-Peter Huber.

          Und natürlich verspricht sich auch der Hausherr an diesem Abend, der hessische Minister für Bundesangelegenheiten, Michael Boddenberg (CDU), ein Katholik, etwas vom Besuch Benedikts XVI, nämlich einen Beitrag zur Stärkung der Religion in der Gesellschaft. „Weil sie in Deutschland an den Rand gedrängt wird, ist der Besuch des Papstes wichtig“, sagt er, und: „Deutschland ist ein säkularer Staat, aber kein laizistischer.“ Boddenbergs Erwartung, dass der Papst bei seiner für morgen angesetzten Rede im Bundestag auch Kritiker für seine Botschaft gewinnen werde, teilt Wolfgang Pax, der Vertreter der hessischen Bistümer am Sitz der Landesregierung: „Wenn der Papst über Frieden und Gerechtigkeit sprechen wird, wird das ein Impuls sein, der sonst nicht in dieser Art vom Bundestag ausgeht.“

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