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Papstbesuch : Römisches über den Reformator

Bild: Koester

Die evangelische Kirche sieht in dem Deutschland-Besuch von Benedikt XVI. eine Chance für die Ökumene. Die Erwartungen verbinden sich mit einem Briefwechsel zwischen dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und dem Papst.

          4 Min.

          Gut zwei Wochen vor dem Besuch von Benedikt XVI. werden auch in der evangelischen Kirche abschließende Vorbereitungen für die Begegnung des Papstes mit den deutschen Protestanten getroffen. Am vergangenen Freitag legte der Rat der EKD fest, wie die eigene Delegation zusammengesetzt sein wird. Nicht wiederholen soll sich ein aus evangelischer Sicht unglückliches Prozedere im Jahr 2005, als der Papst den katholischen Weltjugendtag in Köln feierte. Damals waren EKD-Vertreter von römisch-katholischer Seite einzeln zu einer Begegnung mit Benedikt XVI. eingeladen worden - mit dem wohl nicht ganz unbeabsichtigten Ergebnis, dass sich unter ihnen keine Frau befand.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Im Jahr 2011 soll allein aus der Zusammenstellung der Delegation, die am 23. September den Papst trifft, hervorgehen, dass es hinsichtlich der Bedeutung der Frauen und der Laien in der Kirche Unterschiede zwischen den Konfessionen gibt. Es gilt, die Lehre vom „Priestertum aller Gläubigen“ für die Öffentlichkeit anschaulich zu machen. Zur EKD-Delegation zählen werden Ilse Junkermann, die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die Präses der EKD-Synode, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, sowie weitere Frauen aus dem Rat.

          Papstbesuch als Chance für die Ökumene

          Gleichwohl soll die Reise des deutschen Papstes nicht für eine Zurschaustellung der „Profile“ der Konfessionen genutzt werden. Sie wird vor allem als Chance für die Ökumene verstanden. Dass die EKD-Spitze derzeit darum bemüht ist, die mit dem Besuch des Papstes verknüpften ökumenischen Erwartungen zu dämpfen, steht dazu nicht im Widerspruch. Auf eine Enttäuschung sollen so vor allem jene allzu hohen Hoffnungen vorbereitet werden, die auf eine Lösung in der Kontroverse über das gemeinsame Abendmahl konfessionsverschiedener Ehepaare setzen. Doch es gilt, realistisch zu bleiben. Zwar gibt es in der Problematik der konfessionsverschiedenen Ehen allerhand Neben- und Schleichwege, etwa den über die „schwere Notlage“, von der im Kodex des kanonischen Rechts (Canon 844 §4) mit Blick auf die Teilnahme von nichtkatholischen Christen die Rede ist. Nüchterne Ökumeniker beider Seiten sind sich jedoch einig, dass dieser Weg nicht redlich ist. Zum einen würde so der Begriff „Notlage“ sehr gedehnt. Zum anderen bliebe die für Fortschritte ausschlaggebende Frage ungeklärt, wie hoch die Bedeutung der kontroversen Amtsfrage zu veranschlagen ist - denn in der Lehre vom Abendmahl selbst sind die Differenzen bei weitem geringer. Diese Verknüpfung erweist sich wieder und wieder als entscheidende Hürde, die sich ohne entsprechende Vorbereitung während eines Papstbesuches schwerlich wird überspringen lassen.

          Dass sich dennoch Erwartungen mit Benedikts Reise nach Deutschland verbinden, hat mit einem im März bekanntgewordenen Briefwechsel zwischen dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und dem Papst zu tun. Darin ging er auf den Wunsch der Protestanten ein, der Begegnung mit der evangelischen Kirche, die in den Planungen bis dahin sehr knapp gehalten worden war, einen gebührenden Raum zu geben. Nun kommt es in Erfurt zu einem auf 35 Minuten angesetzten Austausch, an den sich ein einstündiger ökumenischer Wortgottesdienst anschließt. Dass der Papst auch dem Vorschlag Schneiders zustimmte, sich im von der evangelischen Kirche genutzten Erfurter Augustinerkloster zu treffen, in dem Martin Luther von 1505 bis 1512 - also noch vor seiner reformatorischen Entdeckung und seines späteren Bruchs mit der Papstkirche - lebte, wird als ein Entgegenkommen im Wortsinn gewertet.

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