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Papstbesuch : Nicht nur mit Gott im Reinen

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Das Licht dieser Welt: Jugendliche feiern mit Papst Benedikt am Samstagabend eine Vigil auf dem Freiburger Messegelände Bild: Rainer Wohlfahrt

Im liberalen Freiburg stößt der Papst mit dem Ruf nach einer „Entweltlichung“ der Kirche auf wenig Begeisterung. Die Katholiken in Baden finden sich gut zurecht in der Welt. Die politischen Farben Freiburgs und des Vatikans scheinen sich trotzdem zu ergänzen.

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          „Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird die Kirche immer auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen; sie hat sich gewissermaßen zu ent-weltlichen“, sagt Benedikt XVI. am Sonntag in Freiburg, bevor er ins ferne Rom zurückkehrt. Bernd Schuster aus dem Schwarzwald ist verärgert über diesen Satz. Bereits am Vorabend bei der Vigil auf dem Messeplatz im Westen Freiburgs war der aktive Kirchenkatholik auf Kritik gebürstet: „Der Papst braucht mir nicht zu sagen, wie weit er von uns weg ist. Wir aber sind gekommen, um ihm zu zeigen, dass wir und wie wir Kirche sind.“ Das Ehepaar Schuster und ihre älteren Kinder engagieren sich in einer „Seelsorgeeinheit“. Wo einst vier Priester in vier Gemeinden tätig waren, werden diese nun von einem betreut. „Wir haben zu wenig Priester, und die wenigen wollen vielfach Karriere machen und machen auf konservativ“, sagt Schuster. „Und wir Kritiker und Arbeiter im Weinberg des Herrn gelten wohl in den Augen des Papstes als laue Christen.“ Noch können die Jugendlichen, denen die Vigil gewidmet ist, am Samstagabend in der untergehenden Sonne im Osten den fast 120 Meter hohen Turm des Münsters sehen, dahinter den Schwarzwald. Der Rosskopf ist zu erkennen. Die Warnlampen der Windräder blinken.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Als der Papst mit seinem Papamobil vorfährt, ertönen die „Benedicto“-Rufe. Dann legt sich das Dunkel auf den Platz, und die etwa 30.000 Pilger erleben nur noch sich selbst und den gleißend weißen Altar, hinter den der Papst in prächtigem Gewand Platz nimmt. Den „ganzen Tag habe er sich auf diesen Abend“ gefreut, beginnt er. „Es mag um uns herum dunkel und finster sein, und doch schauen wir ein Licht: auf Christus, der von den Toten auferstand.“ Jesus sage: „Ich bin das Licht der Welt.“ Er bringe das Leben der Menschen zum Leuchten und mache damit alle getauften Menschen zum Licht der Welt. Es sei geheimnisvoll, dass Jesu von sich und von jedem von uns das gleiche sage, nämlich: Licht zu sein. „Gott ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will“, sagt der Papst. Christus verlange keine „moralische Hochleistung“.

          „Herzverfettung des Habens und Genießens“

          „Schon Paulus nennt die Mitglieder der Ortsgemeinde Heilige. Wie ist das Bild der Heiligen verzerrt worden. Ein Heiliger ist nicht der, der moralische Höchstleistungen vollbringt, es gibt keinen Heiligen, der nicht auch Sünden gekannt hat“, sagt der Papst und warnt vor den „lauen Christen“, die in der Kirche größeren Schaden anrichteten als die Gegner der Kirche. Die Warnung des Theologen Ratzinger vor der „Diktatur des Relativismus“, sein Kampf gegen die „Herzverfettung des Habens und Genießens“, sie sind auch hier zu spüren. „Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt.“ Die Gebetsvigil ahmt eine Ostermesse nach. Bald hält jeder Pilger eine Kerze in seiner Hand, und die Kameras filmen stimmungsvolle Bilder auf dem ziemlich profanen Messegelände.

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