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Papst-Besuch in Freiburg : Mit Blick auf das Münster und den Schwarzwald

Der Sitz des Papstes steht schon im Freiburger Münster Bild: dapd

Zum ersten Mal besucht ein Papst Freiburg im Breisgau. Auf die Massen scheint die Stadt nach Barack Obama und der Love-Parade gut vorbereitet. Die Polizei hat ein „Balance-Konzept“.

          5 Min.

          Wenn Papst Benedikt XVI. am 25. September auf dem Flughafengelände einen Gottesdienst feiert und dabei in die Ferne schaut, wird er den Turm des Münsters, den Schwarzwald und die vier Windräder auf dem Rosskopf im Blick haben. Bis dahin sind es noch knapp zwei Wochen. Schon seit Dezember bereiten sich die Stadt und das Erzbistum Freiburg intensiv auf den Besuch des Papstes vor. Am Hauptportal des Münsters und am Ausgang des Bahnhofs kündigen Transparente den Papstbesuch an. Die Wege für das 4,8 Tonnen schwere „Papamobil“ sind schon geteert worden, die extra für diesen Besuch konstruierten Gerüstrahmen werden mit Stoff bespannt. Für die Feier der Vigil am Samstagabend werden Zelte aufgebaut.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das Flughafenareal ist schon vor Wochen nach Bomben und Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht worden. 5000 Sitzbänke aus Schwarzwälder Tannenholz, hergestellt von einer Sägerei im Münstertal, sollen auf dem Gelände demnächst aufgestellt werden. „Wo Gott ist, da ist Zukunft“, steht auf den Bänken.

          Johannes Baumgartner, der Organisator auf Seiten der Kirche, hat schon einmal öffentlich Probe gesessen und versprochen, dass die Erzdiözese auch aus eigenem Waldbesitz Holz dazu liefern wird. Demnächst wird es im Rathaus ein Bürgerbüro geben. Der Papstbesuch ist für das Erzbistum ein „historisches Ereignis“ - denn abgesehen von Johannes XXIII., der als abgesetztes Kirchenoberhaupt 1415 von Konstanz nach Freiburg geflohen war, hat noch niemals ein Papst die Stadt im Breisgau besucht. Joseph Ratzinger hatte immerhin als Münchner Erzbischof am Katholikentag teilgenommen, der 1978 in Freiburg stattfand. Im Moment nehmen in Freiburg die eher profanen Fragen einen größeren Raum in der öffentlichen Diskussion ein als die religiösen. 25 Millionen Euro hat die Bischofskonferenz für den Papstbesuch in Erfurt, Freiburg und Berlin budgetiert - das ist ein Euro je Kirchenmitglied. Erzbischof Robert Zollitsch verspricht, den Papst in „badischer und biblischer Gastfreundschaft“ zu empfangen.

          5.000 Holzbänken wurden für den Abschlussgottesdienst am 25. September auf dem Flughafen in Freiburg aufgestellt
          5.000 Holzbänken wurden für den Abschlussgottesdienst am 25. September auf dem Flughafen in Freiburg aufgestellt : Bild: dapd

          Sicherheitsstufe 1

          Damit das gelingen kann, hat Polizeidirektor Berthold Fingerlin schon zur Jahreswende einen Stab mit dreißig Kollegen zusammengestellt, der in der Polizeidirektion Freiburg den Besuch des Papstes vorbereitet. Zur Planung eines solchen Einsatzes, der aus dem Freiburger Polizeipräsidium heraus geführt wird, schafft die Polizei für eine begrenzte Zeit eine eigene „Aufbauorganisation“, in Freiburg heißt sie „BAO Mitra“.

          Papst Benedikt XVI. kommt als Staatsoberhaupt des Vatikan und als Oberhaupt der katholischen Kirche. „Er hat wie der amerikanische Präsident Sicherheitsstufe 1“, sagt Fingerlin. In seinem Büro hängen Karten, auf denen die Sicherheitszonen eingezeichnet sind. Das Münster und das Collegium Borromaeum in der Herrenstraße hinter dem Münster, das von hohen Mauern umgebene Priesterseminar der Erzdiözese, wo der Papst übernachten wird, sind in grellem Rot schraffiert. Eine Veranstaltung von dieser Größenordnung gab es in Freiburg noch nicht. Doch die Polizei in Südbaden kann auf Erfahrungen aus dem Jahr 2009 zurückgreifen, als der amerikanische Präsident Barack Obama mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Baden-Baden und Kehl das Jubiläum der Nato feierte.

          Fingerlin und viele seiner Mitarbeiter haben damals wertvolle Erfahrungen sammeln können, die ihnen nun auch beim Papst-Besuch zugute kommen. „Anders als beim Nato-Gipfel sind gewalttätige Störer nicht unser großes Problem, es gibt nur einige eher humanistische Initiativen, die Kritik äußern. Das Problem dieses Einsatzes ist der Massenandrang. Wie vermeiden wir hektische Reaktionen und im schlimmsten Fall Panik, wenn der Papst in der Stadt ist?“, sagt Fingerlin. Die Polizei hat deshalb sogar die tragischen Ereignisse von Duisburg, die Massenpanik bei der Love-Parade, ausführlich analysiert. Zur Vorbereitung des Papst-Besuchs wurden zusätzlich „Risk-Manager“ beauftragt. Sie sollen dazu beitragen, dass die Pilger, falls es zu Zwischenfällen kommt, die verwinkelte Freiburger Innenstadt sicher verlassen können. „Es ist sehr wichtig, Rettungswege, Protokollwege und Pilgerwege so auszuweisen, dass ein Chaos vermieden werden kann“, sagt Fingerlin. Aus Sicherheitsgründen haben sich die Planer der Polizei und des Erzbistums dann auch schnell wieder von der Idee verabschiedet, die Heilige Messe in der „Badenova-Arena“ abzuhalten. Die Weite des Flugfelds ist aus Sicht der Sicherheitsfachleute geeigneter.

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