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Papst-Besuch in Freiburg : Mit Blick auf das Münster und den Schwarzwald

Das „Balance Konzept“

Freiburg ist eine katholische, aber auch eine alternative Stadt, in der es einige kirchenkritische Initiativen gibt. Die Polizei spricht deshalb von einem „Balance-Konzept“, das heißt, die Beeinträchtigungen für die Freiburger sollen so gering wie möglich sein, die Sicherheit für den Papst natürlich so groß wie möglich. Am Samstag, den 24. September zum Beispiel muss der Markt am Münsterplatz ausfallen. Erst von 15 Uhr an können die Wurstbuden-Besitzer die berühmte „Rote“ verkaufen. „Wir haben exklusive Gespräche mit den Geschäftsleuten und Anwohnern am Münsterplatz geführt, denn wenn der Papst sich unter freiem Himmel bewegt, darf niemand ein Geschäft oder ein Lokal betreten“, sagt Fingerlin. Das Verständnis sei aber sehr groß gewesen.

Schwer abzusehen ist für die Polizei, wie viele Pilger des Papstes wegen nach Freiburg kommen werden. Die Kirche hat sich für ein elektronisches Anmeldesystem im Internet entschieden. Im August waren es erst 68.000 Anmeldungen - eine für das nach Mitgliedern zweitgrößte Erzbistum Deutschlands eher bescheidene Zahl. Intern wurde befürchtet, der Andrang im katholisch geprägten Südbaden könnte letztlich geringer sein als im „atheistischen Erfurt“. Dem widerspricht Georg Auer vom Erzbistum: „Die Anmeldefrist ist noch nicht abgelaufen, wenn die Sommerferien zu Ende sind, wird es noch einmal einen Schwung Anmeldungen geben. Wir rechnen mit 100.000 Besuchern.“ In Freiburg sei der größte Gottesdienst geplant. Mittlerweile machen sich die Planer über die Popularität des Papstes keine Sorgen mehr: Das Erzbistum teilte mit, allein für den Abschlussgottesdienst auf dem Flughafengelände gebe es 77.000 Anmeldungen.

Wahrscheinlich werden sich viele Gläubige aber erst kurzfristig entscheiden, ob sie den Papst sehen wollen. Die Polizei hat ihren Planungen 200.000 Besucher zugrunde gelegt. Etwa 4000 Polizisten sollen zum Schutz des Kirchenoberhauptes und der Gläubigen eingesetzt werden. Der Stab der „BAO Mitra“ koordiniert den Einsatz von Bundespolizei, Landespolizei, den Personenschützern der Schweizergarde und der Hubschrauber-Staffel. Auch Sondereinsatzkräfte müssen für den Fall der Fälle vor Ort sein. Schon Anfang des Jahres sind die wesentlichen Absprachen mit dem „Reisemarschall“ des Vatikan, Alberto Gasbarri, getroffen worden. Beim Nato-Gipfel vor zwei Jahren waren 16.000 Polizisten in Kehl und Baden-Baden.

Ein Terrorhelfer beschäftigt die Polizei

Die grün-rote Landesregierung hat fünf Millionen Euro für den Polizeieinsatz und die Arbeit der Rettungsdienste bewilligt. Teuer ist vor allem die Einrichtung zusätzlicher Funk- und Videokanäle für die Überwachung der Papst-Auftritte. „Eine nennenswerte rechtsextremistische oder islamistische Szene existiert in Freiburg nicht. Was es gibt, ist eine heterogene, durch die Internetseite ,Anne' lose verbundene linksautonome Szene“, berichtet Fingerlin. Für den 23. September ist eine Gegendemonstration angekündigt. Die Initiative „Freiburg ohne Papst“ wirbt mit einem von einem Kondom eingehüllten Münsterturm für ihr Anliegen und bietet einige Podiumsdiskussionen an.

Beobachten muss die Polizei Attila Selek. Der 26 Jahre alte Islamist gehörte zur „Sauerland-Gruppe“ und war vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden, weil er als Terrorhelfer im Jahr 2007 Anschläge auf amerikanische Einrichtungen mitgeplant hatte. Selek hatte sich in die für ihre guten Bildungseinrichtungen bekannte Freiburger Justizvollzugsansalt verlegen lassen, mittlerweile ist er auf Bewährung entlassen und lebt unter Auflagen in Freiburg. Die Kontrolle Seleks, die Überwachung von aus der Sicherungsverwahrung entlassenen Straftätern, die gewalttätigen Auseinandersetzungen bei der Räumung einer Wagenburg-Siedlung im Stadtteil Vauban sowie die Heimspiele des Freiburger SC belasten die Polizei. Zum Schutz der Baustelle des Stuttgarter Bahnhofs sind sie deshalb derzeit nicht mehr eingesetzt.

Der Stadtteil Mooswald, in dem die Rothaus-Arena und der kleine Flughafen liegen, ist auch ein Naherholungsgebiet. Jogger laufen durch den Wald und schauen neugierig den Bauarbeitern auf der Landebahn zu. Zwei Männer eines privaten Sicherheitsdienstes sitzen in einem alten Ford Mondeo und überwachen die Bauarbeiten. „Wenn der Papst abgereist ist“, sagt Marco Troll von der „BAO Mitra“, „wird hier mit der Renaturierung begonnen.“ Die Teerstraßen werden dann wieder beseitigt.

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