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Nach dem Papst-Besuch : „Wo dieser Papst ist, da ist Vergangenheit“

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Papst Benedikt XVI. segnet auf dem Flugplatz in Freiburg im Papamobil ein Kind
          4 Min.

          Nach dem Besuch von Papst Benedikt XVI. sieht der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch die katholische Kirche in Deutschland vor neuen Aufgaben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte in Freiburg, es gehe insbesondere um die Frage nach Gott in der Gesellschaft und um die Ökumene. Auf der anstehenden Bischofskonferenz in Fulda wolle man diesen Herausforderungen nachgehen. „Die zentrale Frage ist, wie ich heute an Gott glauben kann“, sagte Zollitsch. Der Papst habe dazu ermutigt, den Weg der Erneuerung weiterzugehen. „Da ist neuer Schwung dazu gekommen.“

          Benedikt XVI. habe mit seiner Kritik an den kirchlichen Routiniers auch darauf hinweisen wollen, dass es nicht reiche, Probleme technisch zu lösen, sagte Zollitsch. Es brauche auch den inneren Geist und komme auf den persönlichen Glauben an. „Da haben wir Deutschen Nachholbedarf.“ Die geistige und geistliche Vertiefung komme vor den Strukturen. Der Papst-Besuch in Freiburg sei ein „herausragendes Ereignis“ gewesen, sagte Zollitsch. Der Papst selbst sei „aufgelebt im Papamobil“. Papst Benedikt XVI. war am Sonntagabend nach seinem viertägigen Besuch in Deutschland nach Rom zurückgeflogen.

          „Innerkirchliche Kritik wird zu schnell als illoyal und ungehorsam hingestellt“

          Baden-Württembergs Ministerpräsident, der Katholik Winfried Kretschmann (Grüne), hat der katholischen Kirche Rückständigkeit vorgeworfen. „Innerkirchliche Kritik wird zu schnell als illoyal und ungehorsam hingestellt, statt zu sehen, dass sie aus Sorge erfolgt“, sagte Kretschmann.

          Benedikt XVI. beendet Deutschland-Besuch : „Kirche soll auf Macht verzichten“

          Der Papst hatte am Wochenende er in Freiburg zu festem Glauben, Einheit in der katholischen Kirche und Treue zum Vatikan aufgerufen. Kretschmann sagte der Tageszeitung „Die Welt“, aus seiner Sicht passe „die ganze Organisation des Vatikans einfach nicht ins 21. Jahrhundert“. „Die alte Metapher des Glaubensgehorsams funktioniert nicht mehr. Im Glauben kann man gar nicht gehorchen“, sagte Kretschmann, der dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört: „Im Glauben müssen wir innerlich überzeugt sein.“

          Auch zum Ökumene-Treffen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) äußerte sich Kretschmann enttäuscht: „Hier hätte ich tatsächlich stärkere Signale erwartet.“

          ZDK-Präsident Glück zufrieden

          Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, zeigte sich zufrieden mit dem Besuch Papst Benedikts XVI. in Deutschland. „Die Behauptung, dass die deutschen Katholiken Rom und dem Papst kritisch gegenüberstehen, ist nun wirklich widerlegt“, sagte Glück der „Passauer Neuen Presse“ und verwies auf den großen Zuspruch bei den Papstmessen.

          Glück sagte, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken fühle sich nach dem Treffen mit dem Papst ermutigt weiterzumachen. Die Kirche müsse endlich auf Menschen mit Lebensbrüchen zugehen und ihren Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten überdenken. Diese sind bisher von der Kommunion ausgeschlossen. Glück sagte, der Dialog sei wichtig, damit die katholische Kirche in Deutschland nicht auseinanderdrifte, sondern ihre Einheit bewahren könne.

          Glück war auch mit dem Ökumene-Treffen zufrieden. „Mein Eindruck ist, dass die evangelische Kirche das Treffen insgesamt positiv bewertet“, sagte Glück der „Passauer Neuen Presse“. „Jetzt besteht die Chance, dass beide Kirchen das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam gestalten können“, resümierte der ZdK-Präsident. 2017 feiert die evangelische Kirche den 500. Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther (1483-1546) an die Wittenberger Schlosskirche, die als Ausgangspunkt der Reformation gilt.

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