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Freiburg : Papst würdigt Kohl

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Der Papst empfing Kohl in einer Privataudienz

Der Papst empfing Kohl in einer Privataudienz Bild: dapd

Papst Benedikt XVI. hat die letzte Station seiner Deutschlandreise erreicht: In Freiburg traf er auf eigenen Wunsch mit dem früheren Kanzler Helmut Kohl zusammen und würdigte dessen Leistung für die Deutsche Einheit und für Europa.

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          Mit begeisterten „Benedetto“-Rufen und weiß-gelben Fähnchen ist Papst Benedikt XVI. auf der letzten Station seiner Deutschland-Reise in Freiburg empfangen worden. In Anwesenheit von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erwiderte das Kirchenoberhaupt scherzhaft die zahlreichen herzlichen Willkommensgrüße. „Mein besonderer Dank gilt dabei eurem lieben oberwürdigsten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für die Einladung. Er hat mich so bedrängt, dass ich am Schluss sagen musste: Nach Freiburg muss ich wirklich kommen“, sagte Benedikt schmunzelnd und erntete Gelächter. Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte den Papst zuvor mit den Worten begrüßt: „Lange haben wir auf diesen Moment gewartet.“

          24.000 Menschen jubelten dem Pontifex bei strahlendem Sonnenschein zu. Der 84-Jährige fuhr im Papamobil durch eine von Menschen gesäumte enge Gasse zum Münster. Durch die offenen Seitenfenster winkte er den Gläubigen freundlich zu. Nach einem kurzen Rundgang durch das 1513 fertig gestellte Gotteshaus und einem Gebet richtete Benedikt vor dem Westflügel ein Grußwort an 3000 ausgewählte Bürger.

          Am Nachmittag empfing Benedikt den früheren Kanzler Helmut Kohl (CDU). Die Privataudienz im Freiburger Priesterseminar fand hinter verschlossenen Türen statt, von der Begrüßung gab es allerdings Fernsehbilder. Kohl bedankte sich beim Papst für dessen Deutschlandbesuch. „Das ist für uns ganz wichtig“, sagte er. An dem Gespräch nahm auch Kohls zweite Frau Maike Kohl-Richter teil. Der frühere CDU-Vorsitzende kam im Rollstuhl in das Freiburger Priesterseminar.

          Kurzer Rundgang im Freiburger Münster
          Kurzer Rundgang im Freiburger Münster : Bild: dapd

          Die Begegnung kam auf Einladung des Papstes zustande, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. „Es war der Wunsch des Heiligen Vaters, dem Kanzler der Einheit zu begegnen.“ Der Papst habe schon früh bei den Planungen seiner Deutschlandreise diesen Wunsch geltend gemacht. „Ich glaube, das ist eine angemessene Würdigung des Lebenswerkes von Helmut Kohl, für das, was er für die Einheit Deutschlands und für ganz Europa getan hat.“ Kohl wollte sich nicht äußern.

          Bei einem Treffen mit Vertretern der orthodoxen Kirchen in Freiburg rief Benedikt zu einem gemeinsamen Einsatz aller Christen gegen antireligiöse Tendenzen in der Gesellschaft auf. Gegenwärtig wollten „nicht wenige Menschen das öffentliche Leben von Gott sozusagen befreien“, sagte er. Gemeinsam träten die christlichen Kirchen für den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Das unbedingte Festhalten an der Würde jedes Menschen bestärke gläubige Christen dabei, „jedem manipulativen und selektiven Eingriff am menschlichen Leben vehement entgegenzutreten“, sagte Benedikt XVI. Er rief ferner dazu auf, die „Einzigartigkeit der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau vor jeglicher Missdeutung zu schützen“. Der Papst betonte, dass die Orthodoxie der katholischen Kirche am nächsten sei. „So dürfen wir hoffen, dass der Tag nicht zu ferne ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.“

          Am Abend ist auf dem Messegelände eine Gebetsvigil mit 30.000 Jugendlichen geplant, am Sonntag eine Messe auf dem Flugplatz mit 90.000 Gläubigen.

          Mit einem Aufruf zur Mission hatte Benedikt am Morgen seinen Besuch in Erfurt beendet. Dort sorgte am frühen Samstagmorgen ein Zwischenfall für Aufregung. (Siehe auch: Papstbesuch: Aufbruch in Erfurt) Vor Beginn der Papstmesse fielen laut Polizei Schüsse. Ein Mann habe in etwa einem Kilometer Entfernung vom Domplatz mit einem Luftgewehr oder einer Luftdruckpistole aus einer Dachgeschosswohnung geschossen, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Messe auf dem Domplatz war von dem Vorfall nichts zu spüren.

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