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Benedikt XVI. trifft die Bundeskanzlerin : „Politik sollte nicht getrieben sein“

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Ein Präsent für den Papst: Benedikt XVI., Kanzlerin Merkel und deren Ehemann Joachim Sauer Bild: dpa

Europa, Schuldenkrise und die Ökumene: Bundeskanzlerin Merkel trifft Benedikt XVI. und spricht mit dem Papst auch über die Finanzmärkte. Politik müsse „die Kraft haben, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein“.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Donnerstag mit Papst Benedikt XVI. in einem Vier-Augen-Gespräch zu den Themen Europa und Ökumene ausgetauscht. Merkel sei davon überzeugt, dass Katholiken und Protestanten das Gemeinsame betonen sollten, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Die Begegnung fand am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin statt. Im Verlaufe des Gesprächs kam auch Merkels Ehemann Joachim Sauer hinzu.

          Die Bundeskanzlerin erörterte mit Benedikt XVI. auch die Schuldenkrise. „Wir haben über Finanzmärkte gesprochen, über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein“, sagte Frau Merkel nach einem Gespräch mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Donnerstag in Berlin. Dies sei eine „sehr, sehr große Aufgabe“ in der Zeit der Globalisierung. Auch Europa sei Thema der Unterredung gewesen, sagte Merkel weiter. „Ich habe hier noch einmal sehr, sehr deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für uns Deutsche unverzichtbar ist.“ Sie bedeute Wohlstand und Freiheit.

          Benedikt würdigte den Beitrag Deutschlands zur Bewältigung der Krise in Europa. Das teilte der Sprecher des Vatikan, Federico Lombardi, mit. „Er hat der Kanzlerin gegenüber seine Wertschätzung für die Rolle Deutschlands und den solidarischem Beitrag des Landes zur Lösung von Problemen ausgedrückt“, sagte Lombardi.

          Der Papst hatte Merkel getroffen, nachdem er zuvor von Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue offiziell empfangen worden war und auch mit ihm ein persönliches Gespräch geführt hatte. Lombardi würdigte die Rede Wulffs als „sehr interessant, klar und ehrlich“, sie habe für eine positive Atmosphäre gesorgt. Der Bundespräsident hatte den Papst herzlich begrüßt und die Bedeutung der Religion für die Orientierung von Menschen gewürdigt, aber auch kritische Themen angesprochen, zum Beispiel die Kirchenspaltung und indirekt auch den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen.

          „Ein guter Anfang“

          Der Empfang durch den Bundespräsidenten und die persönlichen Gespräche des Papstes mit ihm und der Kanzlerin seien „ein guter Anfang“ der Reise gewesen, sagte Lombardi. Bei beiden Treffen habe eine „sehr freundliche Atmosphäre“ geherrscht. Die Verstimmungen zwischen dem Papst und der Kanzlerin wegen deren Kritik am Umgang mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson seien ausgeräumt und hätten keine Rolle mehr gespielt, fügte er hinzu.

          Von der Kanzlerin bekam der Papst ein jahrhundertealtes Notenblatt mit gregorianischen Gesängen aus einem deutschem Messbuch geschenkt. Papst Benedikt XVI. hatte eine Majolika, ein speziell angefertigtes keramisches Kunsthandwerk, mit einem Brunnenmotiv als Gastgeschenk mitgebracht. Höhepunkt des ersten Tages des Papst-Besuches in seinem Heimatland ist die Rede vor dem Bundestag am Nachmittag.

          Unmittelbar vor dem Besuch hatte Merkel sich überzeugt gezeigt, dass „uns der Papstbesuch bereichert“. Sie erhoffe sich von der Visite Orientierung „in diesen gewiss nicht leichten Zeiten“, sagte die CDU-Vorsitzende am Mittwochabend bei einem Empfang ihrer Partei in Berlin. Papst Benedikt XVI. war am Morgen auf dem Flughafen Berlin-Tegel zu seinem viertägigen Besuch eingetroffen.

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