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Benedikt XVI. : „Kirche muss sich entweltlichen“

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Papst Benedikt XVI. bei seiner Rede im Freiburger Konzerthaus; neben ihm der Freiburger Erzbischof Zollitsch

Papst Benedikt XVI. bei seiner Rede im Freiburger Konzerthaus; neben ihm der Freiburger Erzbischof Zollitsch Bild: dpa

In der letzten großen Rede seines Deutschlandbesuchs wendet sich der Papst im Freiburger Konzerthaus gegen eine von weltlichen Maßstäben geleitete Kirchenreform. Nötig sei vielmehr eine „Entweltlichung“ der Kirche.

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          Papst Benedikt XVI. sieht keinen Anlass für strukturelle Reformen in der Kirche. Im Freiburger Konzerthaus wandte er sich vor engagierten Katholiken aus Kirche und Gesellschaft dagegen, „Ämter und Strukturen der Gegenwart anzupassen“. Er sprach sich deutlich gegen eine Kirche aus, die sich an weltliche Maßstäbe angleiche. Kirche müsse sich gewissermaßen „entweltlichen“ und werde immer wieder auf „Distanz zu ihrer Umgebung“ gehen, um ihre Sendung zu verwirklichen, sagte er vor 1400, von der Erzdiözese Freiburg eingeladenen Zuhörern.

          Zu ihnen gehörte auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio, Bundesbildungsministerin Annette Schavan, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, andere am jüngst von der Bischofskonferenz initiierten Dialogprozess innerhalb der katholischen Kirche beteiligte Katholiken, Verbände sowie engagierte Gläubige aus der Erzdiözese Freiburg.

          Die für den Papst notwendige Entweltlichung der Kirche will er nicht als Rückzug aus der Welt verstanden wissen - im Gegenteil: Gerade eine solche Kirche könne Leidenden wie Helfern im sozial-karitativen Bereich die Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln. Er forderte aber auch die karitativen Werke der Kirche zu einer „angemessenen Entweltlichung“ auf. Änderungsbedarf in der Kirche sieht der Papst immer dann, wenn sie „durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt“ ihrer Sendung nicht gerecht werde, etwa ihr Zeugnis verdunkelt oder ihre Botschaft relativiert werde.

          „Demut ist eine Tugend, die in der Welt von heute nicht hoch im Kurs steht”
          „Demut ist eine Tugend, die in der Welt von heute nicht hoch im Kurs steht” : Bild: dpa

          Die Säkularisierungen in der Geschichte, etwa die Enteignung von Kirchengütern oder die Streichung von Privilegien, wertete der Papst als positiv, hätten sie doch zur Läuterung und inneren Reform der Kirche wesentlich beigetragen. Jene Säkularisierungen hätten jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche bedeutet, „die sich dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößt und wieder ganz ihre weltliche Armut annimmt“. Diese Entwicklungen hätten zur Folge gehabt, dass das missionarische Zeugnis der Kirche klarer hervorgetreten sei, so der Papst weiter. „Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein.“

          Es gehe ihm nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder mehr Geltung zu verschaffen, hob Benedikt XVI. hervor. Vielmehr gelte es, nach der „totalen Redlichkeit“ zu suchen, „die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheit ist.“ Der Papst bezeichnete den christlichen Glauben - die Zuwendung Gottes zu den Menschen in Tod und Auferstehung seines Sohnes und die Verheißung ewigen Lebens für die Menschen - als „Zumutung“ und „Skandal“. Dieser Skandal sei „leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden von anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens“, sagte der Papst. Es werde gefährlich, wenn diese Skandale den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdeckten.

          Die Rede im Konzerthaus war die letzte große Ansprache des Papstes während seines Deutschlandbesuchs und lagt zum Beispiel auf der Linie seiner Predigt im Berliner Olympiastadion, als er davor warnte, die Kirche als eine Organisation unter vielen im demokratischen Staat misszuverstehen. Die Freiburger Rede wird Katholiken, die beispielsweise für mehr innerkirchliche Reformen eintreten, eine Enttäuschung sein. Ebenso dürfte sie Diskussionen auslösen, etwa jene darüber, wie die Kirchensteuer zu einer entweltlichten Kirche passt, wie sich der Besitz der Kirche zu dem vom Papst in seiner Rede skizzierten Bild einer durch die Säkularisierung arm gewordenen Kirche verhält oder wie es um das Verhältnis von Entweltlichung und Weltzugewandheit der Kirche bestellt sein sollte.

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