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Abendgebet mit Jugendlichen : „Wagt es, glühende Heilige zu sein“

  • -Aktualisiert am

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Papst Benedikt XVI. hat bei einem Gebet mit tausenden Jugendlichen in Freiburg zur Heiligkeit aufgerufen. Das Bild der Heiligen werde oft verzerrt - als „ob heilig zu sein bedeute, weltfremd, naiv und freudlos zu sein“. Heute endet der Papstbesuch.

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          Die Kirche kennt keine Abstimmungen? Von wegen: Kurz vor dem Eintreffen des Papstes zu einem großen Jugendtreffen in Freiburg werden die zigtausend Teilnehmer durchaus um ihre Meinung gebeten - grüne, mit Luft gefüllte Plastikstäbe halten sie hoch, wenn sie mit Ja antworten, rote, wenn sie mit Nein stimmen wollen (die Stäbe eignen sich ansonsten gut als Rhythmusinstrumente und dazu, Applaus zu geben).

          Lauter grün ist zu sehen, als es heißt „Ich bete“. Mehrheitlich rot bei „Im Gottesdienst kann ich meine Spiritualität leben“. Grün bei mehr Verantwortung für Laien und der Priesterweihe für Frauen, rot bei „Ich beichte“. Ob später irgendjemand dem Papst dieses Meinungsbild mitteilt? „Ich hoffe es doch“, sagt ein Jugendlicher, der aus Aachen nach Freiburg gekommen ist. Er ist nicht der einzige, der einen weiten Weg auf sich genommen hat. Viele kommen aber natürlich auch aus der näheren Umgebung, und viele sind erfahrene Weltjugendtagsbesucher.

          „Es ist nur einmal im Leben, dass man den Papst sieht“, sagt ein Siebzehnjähriger, der mit 95 anderen Jugendlichen nach Freiburg gereist ist. Ein 24 Jahre alter Mann meint: „Auch wir sind Kirche, auch wenn wir nicht alles in ihr gut finden. Deswegen bin ich hier.“ Eine junge Frau fügt hinzu: „Es ist einfach selbstverständlich hierhin zu kommen, wenn der Papst da ist und zu demonstrieren, dass man dazugehört.“ Wer mag, kann diese Demonstration durch Kappen, T-Shirts oder Einkaufstaschen unterstützen, die es an zwei Ständen zu kaufen gibt. „Das Geschäft läuft gut“, sagt einer der Verkäufer.

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          Und dann ist Benedikt XVI. da, fährt mit dem Papamobil durch die Menge, und nahezu jeder winkt ihm zu. Aus zahllosen Handys werden Fotos gemacht. Der Chor singt „Lasst uns ziehen zu den Quellen des Lebens. Wir wollen tanzen gegen den Tod.“ Der Abendgottesdienst kann beginnen. Jugendliche legen Zeugnis von ihren vielfältigen Spiritualität und ihrem Engagement ab - zum Beispiel vom starken Vorbild Marias, der Mutter Jesu, die ihren Glauben radikal gelebt habe (Schönstattjugend), vom Glauben nicht nur im Gottesdienst, sondern auch im Alltag (Ministranten), allzeit bereit zu sein und konkret zu handeln (Georgs-Pfadfinder) und vom umweltbewussten Handeln (Katholische Landjugendbewegung).

          Jedes Mal entnimmt der Papst aus einem Feuer eine Flamme, um damit andere Flammen zu entfachen. Von diesen wiederum entzünden die Jugendlichen Kerzen, so dass sich das Licht immer mehr ausbreitet. In seiner Ansprache ermutigt Benedikt XVI. die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aus ihrem Glauben heraus zu leben - und das nicht allein.

          „Niemand kann glauben, wenn er nicht durch den Glauben der anderen gestützt wird, und durch meinen Glauben trage ich wiederum dazu bei, die anderen in ihrem Glauben zu stärken. Wir helfen uns einander, Vorbilder zu sein, lassen die anderen an unseren Gedanken, unseren Taten, unserer Zuneigung teilhaben.“ Er rief die Jugendlichen dazu auf, zu „wagen, glühende Heilige zu sein“ - was nicht bedeute, weltfremd, naiv und freudlos zu sein. „Ich vertraue darauf, dass ihr und viele junge Menschen hier in Deutschland Leuchten der Hoffnung sind, die nicht verborgen bleiben.“

          Der stimmungsvolle Abend ist noch nicht zu Ende. Wer mag, kann nach der Feier in einem Zelt mit Bischöfen sprechen. Und im „Zelt der Verheißung“ stehen Priester für Gespräche zur Verfügung oder für die Beichte. Von ihnen kann man aber auch einfach einen „Zukunftssegen“ erbitten, etwa wenn wichtige Entscheidungen oder Herausforderungen anstehen. Und wer hätte die in seinem Leben nicht?

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