https://www.faz.net/-gpf-7pq8p

Papstbesuch in Israel und Jordanien : Starke Zeichen durch stille Gesten

Papst Franziskus betet an der Mauer, die Israelis und Palästinenser in Bethlehem teilt. Bild: AFP

Sein Besuch im Heiligen Land sollte eine „rein religiöse Reise“ sein. Papst Franziskus hat dennoch einen politischen Akzent gesetzt.

          7 Min.

          An der scharfen Kurve stoppt das Papamobil auf einmal. Franziskus steigt aus und läuft auf die Mauer zu. Die graue Betonwand ist vom Ruß der Molotowcocktails geschwärzt, die Demonstranten seit Jahren dagegen schleudern. Ein israelischer Soldat blickt durch ein Fenster aus Panzerglas hinunter zu dem hochgewachsenen Mann in der weißen Soutane. In stillem Gebet verharrt der Papst vor der israelischen Sperranlage, die den Weg von Bethlehem nach Jerusalem blockiert. An der Stelle ist das Bauwerk zwei Stockwerke hoch. Erst fasst er mit der Hand an den kalten Beton, dann neigt er den Kopf und berührt die Mauer mit seiner Stirn. Er sagt kein einziges Wort.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Zwischenstopp auf dem Weg zur Messe auf dem Krippenplatz war im Programm nicht vorgesehen. Er dauert nur wenige Minuten. Trotzdem findet die stille Geste viel größere Aufmerksamkeit als die Predigt, die Franziskus wenig später vor fast zehntausend Gläubigen über das Jesuskind hält, das nach der Überlieferung nebenan in der Geburtsgrotte zur Welt kam.

          Jede Geste hat hier politisches Gewicht

          In Rom hatte das Kirchenoberhaupt vor seiner Abreise angekündigt, es plane eine „rein religiöse Reise“ in den Nahen Osten. Doch im Heiligen Land haben selbst wortlose Gesten politisches Gewicht. Diese Sprache beherrscht der frühere Erzbischof von Buenos Aires perfekt. In seinen Reden muss er nicht mehr allzu deutlich werden. „Indem ich denen meine Nähe bekunde, die am meisten unter den Folgen des Konflikts leiden, möchte ich aus tiefstem Herzen sagen, dass es Zeit ist, dieser Situation, die immer unerträglicher wird, ein Ende zu setzen, und das zum Wohl aller“, sagt der Papst kurz nach der Landung vor palästinensischen Politikern und Kirchenvertretern. In Bethlehem herrscht kein Zweifel daran, dass damit die Palästinenser gemeint sind, obwohl er die Mauer mit keinem Wort erwähnt.

          Papst Franziskus trifft den Patriarchen Bartholomäus in Jerusalem Bilderstrecke

          Aus der jordanischen Hauptstadt Amman ist er am Sonntagmorgen mit dem Hubschrauber direkt nach Bethlehem geflogen. Auch das ist eine Geste, die die Palästinenser aufmerksam registrieren. Seine beiden Vorgänger Benedikt XVI. und Johannes Paul II. reisten erst nach Israel, um dann einen Abstecher in die Palästinensergebiete zu machen. Dieses Mal fliegt der Papst erst am Nachmittag nach Israel. Das offizielle Programm, das der Vatikan veröffentlicht, stellt unmissverständlich klar, wohin er reist und wen er trifft. Es vermerkt trocken einen „Höflichkeitsbesuch beim Präsidenten des Staates Palästina“. Seitdem die UN-Vollversammlung im November 2012 beschlossen hat, Palästina als Beobachterstaat aufzunehmen, erkennt der Vatikan Palästina als Staat an.

          „Staat Palästina“ steht über der Abbildung, die den Papst, den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. über einem Olivenzweig zeigt. Die Fotomontage ist auch auf die T-Shirts gedruckt, die viele Christen angezogen haben, bevor sie auf dem Bethlehemer Krippenplatz zur Messe strömen. Um das Dach des Freiluftaltars windet sich eine Stoffgirlande, die die palästinensischen Nationalfarben mit dem Weiß-Gelb der Vatikan-Flagge kombiniert.

          Weitere Themen

           Regierung will neues Unabhängigkeitsreferendum Video-Seite öffnen

          Schottland : Regierung will neues Unabhängigkeitsreferendum

          Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon will kommendes Jahr ein Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien abhalten. Bis zum Jahresende wolle sie die notwendigen Befugnisse für ein Referendum einholen.

          Der Zeitdruck ist enorm

          Vertragsentwurf bis Nachmittag? : Der Zeitdruck ist enorm

          Bis in die Nacht haben Großbritannien und die EU ergebnislos verhandelt – seit Mittwochmorgen laufen die Gespräche wieder. Bis zum Nachmittag muss ein Vertragsentwurf stehen – sonst droht eine Fristverlängerung.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.