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Papstbesuch : Dreiheiliges Land

  • -Aktualisiert am

Papst Benedikt XVI. fährt ins „Heilige Land” Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. bricht an diesem Freitag zu einer „Pilgerfahrt ins Heilige Land“ auf, nach Jordanien und Israel. Eine pikante Reise. Jedes falsche Wort ist ein peinlicher Fehltritt. Denn heilig ist das Land für Juden, Christen und Muslime.

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          An diesem Freitag bricht Papst Benedikt XVI. zu einer „Pilgerfahrt ins Heilige Land“ (Pellegrinaggio in Terra Santa) auf. Das Reiseziel bilden also nicht allein das Königreich Jordanien mit der Hauptstadt Amman (die erste Station von Freitag bis Montag), nicht allein die Juden und der Staat Israel (die zweite Etappe von Montag bis Freitag der nächsten Woche).

          Es sind vor allem, wie es Benedikt am vergangenen Sonntag sagte, die „Heiligen Stätten unseres christlichen Glaubens“, zu denen es den Papst zieht - weil dort der Gründer des Christentums, Jesus von Nazareth, der für die christlich Gläubigen „lebendige Sohn Gottes“, vor zwei Jahrtausenden „auf Erden wandelte“. Auf den Spuren seiner Vorgänger, so Benedikt, wolle er pilgern, wie es Paul VI. im Januar 1964 bei seiner ersten Reise sogleich nach dem Amtsantritt und Johannes Paul II. im besonderen Jahr 2000 taten.

          Heilig ist das Land für Juden, Christen und Muslime

          Seit April 2005, dem Beginn des Pontifikats Benedikts, wurden die Bedingungen für eine solche Pilgerfahrt vielerlei Belastungen ausgesetzt, die über die üblichen Spannungen dieser Region hinausgingen. Auch Benedikt trug dazu bei. Da war das Zitat über Mohammed in der Regensburger Rede, da war die Haltung Pius' XII. (1939 bis 1958) zum Judenmord der Nazis und die Haltung der Israelis und Deutschen zum Holocaust; da war eine päpstliche Karfreitags-Fürbitte für die Juden, die altes Misstrauen weckte; da gab es die Ex-Exkommunikation eines bischöflichen Holocaust-Leugners.

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          Jedes falsche Wort ist also ein peinlicher Fehltritt. Das Heilige Land an der östlichen Mittelmeerküste ist schließlich nicht nur für Christen „heilig“. (Für viele von ihnen hat sich der Zauber von Geburts- und Grabeskirche, Bethlehem, Nazareth oder Jerusalem ohnehin gelegt.) Heilig ist das Land für Juden, Christen und Muslime. Deshalb versteht sich Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul II. als „Pilger des Friedens, im Namen des einen Gottes, des Vaters aller Menschen“.

          Die Beziehungen sind normal

          Der Papst kann die Früchte der vatikanischen Nahost-Politik nutzen. Der Heilige Stuhl hat mit allen Staaten im Nahen Osten diplomatische Beziehungen, auch mit den Palästinensern auf untergeordneter Ebene. Sowohl die arabisch-muslimischen Länder als auch der Staat Israel anerkennen, dass der Vatikan beide Seiten im Auge hat, dass er von den arabischen Ansprüchen weiß, doch ebenso von dem extremen Sicherheitsbedürfnis und dem Existenzrecht Israels. Gerade weil Christen im Heiligen Land keine staatlich abgeleitete Macht haben, kann der Vatikan bei Israelis und Arabern an die Rechte der anderen erinnern und in besonderer Weise einen Status der Stadt Jerusalem anmahnen, der den religiösen Wünschen dreier Religionen Rechnung trägt.

          Vorbei sind die Zeiten, da es Paul VI. bei seiner Pilgerfahrt im Heiligen Land im Januar 1964 gelang, den Namen des Staates Israel nicht zu erwähnen; volle diplomatische Beziehungen wurden erst 1994 aufgenommen, nach dem Abschluss eines Grundlagenvertrags. Über dessen Details - etwa die Behandlung kirchlicher Körperschaften - wird jedoch noch immer verhandelt. Dennoch: Die Beziehungen sind normal, und die Normalität ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

          Es geht im Schneckentempo voran

          Der Papst ist ein Deutscher, und auch der Verantwortliche des Vatikans für die religiösen Beziehungen zum Judentum, Kardinal Walter Kasper, ist ein Deutscher. Doch die vatikanische Israel-Politik folgt deshalb nicht der deutschen Staatsräson. Die Kirchenführer im Vatikan und in der Weltkirche blicken nicht so schuldbewusst auf Israel, wie es sich für Deutsche gehört. Die Kardinäle und Bischöfe, die uneingeschränkt jede Form von Antisemitismus verurteilen, wissen sehr wohl, dass die Täter von Auschwitz glühende Atheisten waren. Benedikt hat in Auschwitz im Mai 2006 den Mord an den Juden auch als Mordversuch an Gott gedeutet.

          In Amman wird der Papst am Samstag die Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee aufsuchen. Von dem Erschrecken über die muslimischen Reaktionen auf seine Regensburger Rede hat sich Benedikt längst erholt. Der Besuch der Blauen Moschee in Istanbul Ende November 2006 bedeutete das Ende der Reparaturarbeiten. Seitdem findet Benedikt fast ein intellektuelles Vergnügen daran, die Muslime mit dem Schlagwort „Dialog“ zu beeindrucken. Einerseits zeigt sich der Papst als Religiöser, der den Muslimen nicht ihren Glauben rauben will, der keinen „Dialog im engeren Sinn“ über strikte Glaubensinhalte führen will. Andererseits tritt der Papst entschieden für einen Dialog über die kulturellen Konsequenzen der religiösen Überzeugungen ein. So geht es zwischen Kirche und Moschee voran, wenn auch im Schneckentempo.

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